Die Hausgemeinschaft in Weimar gibt nicht auf

Weimar. So schnell gibt die junge Hausgemeinschaft nicht auf. Wiederholt flatterte den 18 Bewohnern des Hostels "Hababusch" die Kündigung ins Haus; spätestens zum 31. Januar sollten sie ihre Sachen packen.

Sieben der 18 aktiven Hausbewohner im Hof des "Hababusch". Vorn: Maik Gramatte, Leonie Ewers, Gregor Biastoch und Arno Krug. Dahinter: Veronica Soto, Anatoli Glavan und Pilar Soto (jeweils von links). Foto: Thomas Müller

Sieben der 18 aktiven Hausbewohner im Hof des "Hababusch". Vorn: Maik Gramatte, Leonie Ewers, Gregor Biastoch und Arno Krug. Dahinter: Veronica Soto, Anatoli Glavan und Pilar Soto (jeweils von links). Foto: Thomas Müller

Foto: zgt

Sie sind aber immer noch da. Die Kündigung ignorierten sie, eine Räumungsklage konnten sie mit anwaltlicher Hilfe bislang verhindern. Denn das Mietverhältnis ist einigermaßen unklar, es gibt gar keine Verträge. Derweil feilen sie am Konzept "Hababusch Haus Weimar". Sie wollen den Eigentümer zu dem bringen, was der bislang kategorisch ausschloss: ihnen das Barockgebäude zu verkaufen.

Mit ihrer Initiative verteidigen sie nicht nur eigenen günstigen Wohnraum, sondern eine der letzten Bastionen ungepassten Lebens im Herzen der sanierten Weimarer Altstadt. Sie wollen das Haus mit ihrem nichtkommerziellen Projekt dem Immobilienmarkt endgültig entziehen.

Der Bonner Rechtsanwalt Eberhard Kemmann, dem es gehört, hat eigentlich andere Pläne: Gastronomie und Ferienwohnungen sollen ab diesem Jahr entstehen. Damit verbunden sind natürlich der Umbau und die Sanierung. Der Eigentümer ist dazu verpflichtet: seit 18 Jahren. Damals kaufte er das Haus von der Stadt. Sein Sohn hatte sich in Weimar mit anderen Studenten zu einem Verein zusammengeschlossen, um das erste Hostel Ostdeutschlands zu eröffnen.

So kam es 1996 auch. Doch Auflagen blieben unerfüllt: Im bis heute verwahrlosten Erdgeschoss entstand nie der geplante Gewerberaum. Die bröckelnde Bausubstanz wurde allenfalls notdürftig erhalten. Der Verein zerstritt sich, Kemmanns Sohn blieb allein zurück.

Das Hostel schloss 2012. Die Wohngemeinschaft im Dachgeschoss weitete sich aus. Seitdem versucht sie unbeirrt, das Ruder in die Hand zu bekommen. Könnte sein, dass das Recht auf ihrer Seite ist. Unter Umständen hat der Eigentümer längst fällige Fristen verpasst und das Haus fällt an die Stadt zurück.

Zumindest arbeitet die Stadtverwaltung an einem Rechtsgutachten dazu, erklärte ein Rathaussprecher. Oberbürgermeister Stefan Wolf (SPD) hatte die Hausgemeinschaft besucht, nachdem diese seit dem Herbst öffentlich gegen die kommerziellen Sanierungspläne protestierte, und erklärte "seine Vermittlungsbereitschaft".

Bislang sammelten die Bewohner laut eigenen Angaben 1700 Unterschriften für ihr Projekt auf Papier, weitere 1400 im Internet. Sie planen das Haus zu sanieren. Unter anderem soll das Hostel im ersten Obergeschoss neu belebt werden. Ein Gastronom soll im Erdgeschoss ein "Kulturcafé" betreiben.

"In drei bis vier Wochen legen wir Zahlen dazu auf den Tisch", so Maik Gramatte von der Initiative. Dann könnte mit dem Eigentümer über einen Kaufpreis verhandelt werden. Finanziert werden soll das Projekt über Kredite. Dazu wollen die Bewohner eine GmbH mit dem "Mietshäuser Syndikat" gründen. Die Gesellschaft in Freiburg ist an 80 nichtkommerziellen Hausprojekten in Deutschland beteiligt. Thüringer Mitglieder sind die Projekte "Entgleist" im alten Bahnhof Eisenberg und "Wohnopolis" in Erfurt.

Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.