Dramatischer Irrtum auf der Autobahn

Obergrunstedt.  Die Vorbereitungen für eine Neugestaltung der Kriegsopfer-Gedenkstätte in Obergrunstedt haben begonnen. 117 Männer starben vor genau 75 Jahren.

Harry Sochor (l.) und die stellvertretende Ortschaftsbürgermeisterin von Obergrunstedt, Anneliese Frohwein, zeigen eine Skizze des geplanten Obelisken.

Harry Sochor (l.) und die stellvertretende Ortschaftsbürgermeisterin von Obergrunstedt, Anneliese Frohwein, zeigen eine Skizze des geplanten Obelisken.

Foto: Michael Grübner

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Ein würdiger Gedenkort für das Kriegsopfer-Massengrab am Gänseplatz hinter dem Obergrunstedter Friedhof – 75 Jahre nach dem tragischen Ereignis könnte es tatsächlich soweit sein. In einem Arbeitseinsatz vor knapp zwei Wochen fällte ein Trupp von freiwilligen Helfern bereits acht Bäume und diverse Sträucher auf dem Areal, unter Anleitung von Robert Frohwein, dem Egstedter Revierförster mit Obergrunstedter Wurzeln. Der Erfurter Landschaftsarchitekt Steffen Möbius hat im Auftrag des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge einen Entwurf erstellt, wie die künftige Kriegsgräberstätte aussehen soll.

Der Troistedter Hobby-Historiker Harry Sochor hoffte schon zum 70. Jahrestag 2015 darauf, dass sich etwas bewegt am Gänseplatz – damals vergebens. Er hat zu den Ereignissen jenes 27. Februar 1945 Material zusammengetragen und Zeitzeugen befragt, von denen einige inzwischen schon verstorben sind. Ein Marsch-Konvoi mit Kriegsgefangenen bewegte sich an diesem ungewöhnlich warmen und klaren Tag auf der Autobahn, er war unterwegs von Kahla nach Ohrdruf. Eine Staffel amerikanischer Tiefflieger aus südlicher Richtung, offenbar im Anflug zu einer Attacke auf den Flugplatz Nohra, griff die Marschierenden mit ihren Bordkanonen an – nicht ahnend, dass es sich sozusagen um die „eigenen Leute“ handelte. 117 Männer starben: 67 Rotarmisten, 32 Franzosen, 13 Briten und 5 Belgier. Ein Arbeitskommando, gebildet aus Überlebenden, benötigte drei Wochen, um die Kameraden in der Senke hinter dem Friedhof zu beerdigen und die Stelle mit Nationen-Holzkreuzen zu markieren.

1951 ließen die Briten ihre Toten exhumieren und in die Heimat holen, versehentlich nahmen sie dabei auch die sterblichen Überreste dreier Belgier mit. Damals entstand eine Treppe mit zehn hölzernen Stufen, die vom Friedhof zum Massengrab hinab führte. 1965 ließen die DDR-Verantwortlichen die Gedenkstätte umgestalten, mit der noch heute zu sehenden Mauer samt Gedenktafel.

Der Entwurf des Landschaftsarchitekten sieht vor, dass diese Mauer abgerissen und mit den Steinen der Hang abgestützt wird. Es soll wieder eine Treppe geben, zu der ein kleines Tor im Friedhofszaun führt. Für die eigentliche Grabfläche schlägt Möbius ein sieben mal sieben Meter großes, bepflanztes Beet mit einem Weg ringsum vor. Im Zentrum soll ein steinerner Obelisk stehen mit Aufschriften in Deutsch, Englisch, Französisch und Russisch. Inklusive Planungen kalkuliert Möbius dafür mit einer Summe von 85.000 Euro.

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