Ein Ständchen für Mathilde zum Frühstück in Weimar

Weimar  Warum König Philippe und seine Königin am Mittwoch aus Weimar mit kurzer Verspätung abreisten

Zeigten sich oft Hand in Hand: das belgische Königspaar in Weimar.

Foto: Sascha Fromm

Mit zehn Minuten Verspätung ist das belgische Königspaar, Seine Majestät König Philippe und Ihre Majestät Königin Mathilde, am Mittwoch aus Weimar abgereist. Verantwortlich dafür dürfte der König gewesen sein. Philippe, dem in der Heimat ein steifes und reserviertes Auftreten nachgesagt wird, war einige Minuten vor der Königin zum Frühstück in der Bibliothek erschienen. Als Mathilde ihm folgte, überraschte er seine Königin mit einem Ständchen am Klavier, was selbst die für die Sicherheit Verantwortlichen vor der Tür rührte.

Schon das Abendessen zu Ehren der Gäste, zu dem Ministerpräsident Bodo Ramelow nach Belvedere eingeladen hatte, dauerte um einiges länger als ursprünglich geplant. Eigentlich sollte das Königspaar noch vor 22 Uhr in Richtung Hotel Elephant aufbrechen. Doch zu dieser Zeit kam gerade der Hauptgang auf den Tisch. So konnte sich das Königspaar nach dem langen Tag erst in der Stunde vor Mitternacht zur Ruhe begeben.

Bei der Auswahl des Küchenmeisters für das königliche Menü zeigte sich die Thüringer Staatskanzlei übrigens diplomatisch. Obwohl in Weimar niemand für einen derartigen Abend mit 40 Gästen zur Verfügung stand, wählte sie keinen Erfurter, sondern mit Hans Marcher (Hans am See) einen Koch aus dem Weimarer Land.

Für seine vier Gänge mit Gelierter Gurkenschaumsuppe mit Jakobsmuschel und Saiblingskaviar, Mangold-Zitronen Buchweizen-Tortelloni mit Altenburger Ziegenhartkäse sowie als Hauptgang Rehrücken aus dem Thüringer Wald mit Haselnusskruste, Cremepolenta und Birnen-Wildpreiselbeer-Kompott erntete er Lob, zumal Orangen-Thymian Savarin mit Sanddorn, Urkarotte, Guave und Mandel das Menü abschlossen und dazu Weine aus dem Thüringer Weingut Zahn gereicht wurden.

Um die Nachtruhe der Gäste in der Thomas-Mann-Suite zu gewährleisten, musste sogar kurzzeitig die Thüringer Polizei einschreiten. Gegen 1.50 Uhr war auf dem Markt lautes Krachen, Poltern und Schreien aus Richtung der Marktstraße zu hören. Sofort setzte sich eine Gruppe von Beamten, die vor dem Rathaus stand, in Bewegung. Doch statt Randalierern fand sie zwei Bewohner aus der Marktstraße vor, die auf ihre Waschmaschine einschlugen. Diese hatte durch einen Defekt ihren Dienst versagt und bekam nun den Frust der beiden zu spüren.

Mehr Sorgen hatte der Polizei zeitweise ein herrenloser Koffer gemacht, der am Dienstagnachmittag kurz vor Eintreffen der Delegation vor dem Landesverwaltungsamt entdeckt wurde. Laut Landespolizeidirektion stand er nur 150 Meter vom Neuen Museum entfernt. Experten des Landeskriminalamtes hätten jedoch schnell eine Gefährdung ausgeschlossen.

So blieb ein stark alkoholisierter Deutscher (35) an der Protokollstrecke die erheblichste Störung, welche die Gäste nicht bemerkten. Als er versuchte, gegen Funkstreifenwagen zu urinieren, landete er im Gewahrsam.

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