Einbahn-Ring durchs Schlachthofviertel

Weimar.  Voraussichtlich ab Juni soll Weimars Ossietzkystraße auch östlich der Ebertstraße von Grund auf saniert werden.

Ab Juni 2020 soll die Ossietzkystraße auch östlich der Ebertstraße ausgebaut werden.

Ab Juni 2020 soll die Ossietzkystraße auch östlich der Ebertstraße ausgebaut werden.

Foto: Jens Lehnert

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Die Anwohner in Weimars Schlachthofviertel werden auf die Geduldsprobe gestellt: Mit dem Ausbau des östlichen Teils der Ossietzkystraße und dem Erschließungsbeginn auf dem alten Schlachthofgelände treffen von diesem Jahr an gleich zwei Großbaustellen aufeinander, die mit Sperrungen und zusätzlicher Verkehrslast einher gehen. Entsprechend groß war am Donnerstagabend das Interesse in der Aula der Falkschule, als die Stadt den bevorstehenden zweiten Sanierungsabschnitt der Ossietzkystraße erläuterte.

Voraussichtlich ab Juni soll die Straße von Grund auf erneuert werden und mit ihr der Mischwasserkanal sowie die Trinkwasserversorgung. Im Gegensatz zum ersten Bauabschnitt sei es hier nicht nötig, Elektro- und Telekom-Leitungen anzutasten. Einzig ein kleines Stück der Gasleitung müsse umverlegt werden, da sie dem neuen Kanal im Weg liege.

Die Fahrbahnbreite von 7,5 Metern bleibe erhalten. Der Wegfläche steht dagegen Neuordnung bevor. Die zwölf Bäume, die sich jetzt in der östlichen Ossietzkystraße befinden, werden gefällt und durch 28 schlank wachsende Spitzahorne ersetzt. Wie schon jenseits der Ebertstraße werden sämtliche Bäume auf der nördlichen Wegseite gepflanzt. Ausnahmslos entlang des südlichen Gehweges finden sich künftig Straßenbeleuchtung und Parkflächen. Die Zahl der Stellplätze bleibe unverändert.

Einen Großteil des Planungsaufwandes beanspruchte es, das Baugeschehen so zu takten, dass der Alltag für die Anlieger nicht zu sehr beeinträchtigt wird. Der zweite Sanierungsabschnitt der Ossietzkystraße wurde deshalb in drei Unterabschnitte geteilt. In diesem Jahr soll zunächst von der Ebert- bis über die Kreuzung der Friesstraße hinaus gebaut werden. Alles weitere warte erst 2021. Der zweite Unterabschnitt reiche von der Fries- bis zur Gläserstraße, der dritte bis zur Schlachthofstraße. Für beide ist jeweils eine Bauzeit von vier Monaten vorgesehen.

Für ihre Sanierung müssen die einzelnen Abschnitte voll gesperrt werden. Um die Ein- und Ausfahrt im Viertel zu ermöglichen, setzen die Planer grundsätzlich auf einen Einbahnstraßen-Ring: Von der Ebertstraße wird der Verkehr die Rosenthalstraße hinauf, in die Schlachthofstraße und über die Meyerstraße wieder auf die Ebertstraße geleitet, wo die Kreuzung eine provisorische Ampelanlage erhält. Pkw, die auf der Ebertstraße stadteinwärts fahren, dürfen nach links in die Rosenthalstraße abbiegen. Lkw bekommen diese Möglichkeit nicht. Sie erreichen etwa das Kühlhaus am alten Schlachthof nur, wenn sie von der Jenaer Straße her kommen und nach rechts in die Rosenthalstraße abbiegen.

Ist der erste Unterabschnitt beendet, wird auch die ausgebaute Ossietzkystraße in die Umleitung einbezogen – zumindest für Zweiräder und Pkw. Der Einbahn-Ring führt dann von der Ebertstraße auf neuem Asphalt nach rechts in die Friesstraße und weiter in die Rosenthal-, Schlachthof- und Meyerstraße. Für rund einen Monat des kommenden Jahres funktioniert die Ringlösung allerdings nicht – dann, wenn die Straßensanierung die Einmündung am Schlachthof erreicht und in der Schlachthofstraße die Durchfahrt gesperrt wird.

In diesem Zeitraum wird über eine Nord- und eine Südschiene umgeleitet, die jeweils in beide Richtungen befahrbar ist: zum einen von der Meyerstraße zur Schlachthofstraße und zurück, zum anderen von der Ossietzky-, über die Fries- und Rosenthal- in die Schlachthofstraße und zurück. Da der Begegnungsverkehr Platz benötigt, müsse dann das Parken in der Friesstraße untersagt und in der Meyerstraße zumindest eingeschränkt werden.

Ohnehin werden Parkplätze im Schlachthofviertel während der Sanierung knapp – weil Grundstücke befristet abgeschnitten sind und in den Kreuzungsbereichen der Umleitung Freiraum zum Abbiegen großer Fahrzeuge nötig wird. Der Erschließungsträger des Schlachthofgeländes habe allerdings signalisiert, auf seinem Areal Ausweich-Stellflächen anbieten zu können.

Die anstehende Erschließung am alten Schlachthof stellt die ohnehin schwierige Verkehrsführung während der Straßensanierung vor eine weitere Herausforderung: Die Stadt erwarte dadurch im Schlachthofviertel pro Woche 40 Lkw-Fahrten zusätzlich. Bereits für die kommende Woche sei der Beginn erster kleinerer Abbrucharbeiten, der Beräumung von etwa drei Tonnen Müll auf dem Gelände sowie Grünschnitt geplant, sagte Weimars Bau-Beigeordnete Claudia Kolb. Als eine der ersten baulichen Tätigkeiten hat der Träger fürs bevorstehende Frühjahr an der Ecke von Rosenthal- und Schlachthofstraße den Baustart für ein Wohnhaus mit 14 Appartements ausgeschildert.

Welche Pläne die Firma BPD Immobilienentwicklung konkret auf dem Gelände umsetzt, wird sie am 3. Februar um 19 Uhr bei einer Bürgerversammlung im sanierten Zugangshaus des Schlachthofes erläutern.

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