Ersatz für drei „Opfer“ des großen Kromsdorfer Feldbrandes

Kromsdorf.  Die Lebenshilfe Weimar/Apolda hat ihr Projekt „1000 Buchen“ mit Apfelbäumchen am Radweg unweit des Kromsdorfer Schlosses fortgesetzt.

Joachim Zaubitzer (r.) hofft schon im nächsten Jahr auf die ersten „Goldparmäne“-Äpfel am Radweg.

Joachim Zaubitzer (r.) hofft schon im nächsten Jahr auf die ersten „Goldparmäne“-Äpfel am Radweg.

Foto: Michael Grübner

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Bei 120 Bäumen ist am Freitag das Projekt „1000 Buchen“ des Lebenshilfe-Werkes Weimar/Apolda angelangt. Mit der letzten Pflanzaktion des Jahres wurden am Abzweig des Radweges nach Denstedt gegenüber vom Kromsdorfer Schloss-Parkplatz drei Apfelbäumchen in die Reihe aufgenommen. Die erinnert seit 1999 an den Verlauf des Todesmarsches, mit dem 1945 Häftlinge aus dem KZ Buchenwald durch die Stadt und das Weimarer Land gen Süden getrieben wurden, zum KZ Flossenbürg in der Oberpfalz.

Als Baumpaten, welche die rund 400 Euro für den Kauf und vier Jahre Pflege übernehmen, hatten sich diesmal zwei Weimarer Unternehmen bereiterklärt: die Marktforscher von Aproxima und der Geotechnik-Betrieb von Hans-Peter Nottrodt. Aproxima-Geschäftsführer Henry Kreikenborn goss eine Kanne Wasser an ein rund fünfjähriges Bäumchen der Apfelsorte Elstar, Nottrodts Bäumchen trägt Boskop-Äpfel. Der dritte Pate im Bunde hatte sich die Sorte für sein Bäumchen ganz gezielt vorab ausgesucht: Joachim Zaubitzer wollte unbedingt eine Goldparmäne – zu DDR-Zeiten wegen der leuchtend gelben Farbe und dem süßen Aroma auch „Bananen-Apfel“ genannt. Der Kromsdorfer Zaubitzer arbeitete viele Jahre als Hausmeister für die Lebenshilfe, war bei vielen Baumpflanzungen dabei und ging Ende Mai mit 63 Jahren in Rente. Er fertigt aber weiterhin die Beschriftungstafeln an, die jeder „100-Buchen“-Baum erhält.

Zur symbolischen Pflanzung (tatsächlich hatte die Lebenshilfe-Gartengruppe Apolda die Bäumchen schon im November in die Erde gebracht) erinnerte Joachim Zaubitzer an das, was Eltern und Großeltern vom Todesmarsch durch Kromsdorf erzählten. Sie waren damals im April beim Kartoffellegen, als sie das Grauen miterleben mussten. Insgesamt 18 Tote blieben nach einer Rast in Kromsdorf zurück. Sechs davon, so Bürgermeister Gunter Braniek, seien in Sichtweite zu den Apfelbäumchen, am „Schwarzen Tor“ der Schlosspark-Mauer, erschossen worden.

Joachim Zaubitzers Urgroßvater pflanzte übrigens die „Vorgänger“ der neuen Apfelbäume. Die letzten drei Exemplare von damals waren im Juli beim Kromsdorfer Feldbrand, als das Nord-Dorf nur knapp einer Katastrophe entging, den Flammen zum Opfer gefallen.

Für das kommende Jahr kündigte Martina Heller, Projektleiterin der „1000 Buchen“, ein ambitioniertes Programm an: zehn Pflanzaktionen, das sind fast doppelt so viele wie 2019.

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