Fünfstellige Auftragssumme schrumpfte durch Corona auf Null

Weimar.  Katrin Göring-Eckardt fragt in Weimars Innenstadt nach Lockdown-Folgen

In der Gewandmeisterei von Cara Apfelkern erkundigte sich Katrin Göring-Eckardt nach den Corona-Auswirkungen. 

In der Gewandmeisterei von Cara Apfelkern erkundigte sich Katrin Göring-Eckardt nach den Corona-Auswirkungen. 

Foto: Jens Lehnert

„Die Corona-Zeit ist für uns eine ausgesprochene Herausforderung. Schließlich lebt die Werkstatt davon, Leute zu benähen, die feiern und in die Öffentlichkeit wollen. Ich hab mich immer für tough und zäh gehalten. Im Moment ist davon nicht viel übrig. Hätte ich nicht so eine tolle Familie, die mir Halt gibt, hätte ich hier womöglich schon zugemacht.“ Cara Apfelkern redete nicht um den heißen Brei, als Katrin Göring-Eckardt sie am Freitag in ihrer Gewandmeisterei am Herderplatz besuchte. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog.

Die Vorsitzende der bündnisgrünen Bundestagsfraktion verschaffte sich in Weimar ein Bild von der Lage des Einzelhandels, des Gastgewerbes und von Kulturschaffenden.

Anfang März, so Cara Apfelkern, hätten ihre Auftragsbücher fünfstelligen Umsatz versprochen. Ende März sei dieser auf Null geschrumpft. Das blieb nicht ohne Folgen. Beschäftigte die Gewandmeisterin vor dem Lockdown zwei Schneider und zwei Azubis, reicht die Geschäftslage inzwischen nur noch für eine Angestellte und einen Lehrling aus.

Woher kurzfristig Aufwind kommen solle, weiß die Designerin nicht. Einerseits sei noch nicht wieder an Festivitäten im großen Stil zu denken. Andererseits habe der Umgang mit Corona viele an finanzielle Grenzen gebracht, dass ihnen im Moment das Geld fehle, um sich ein Kleidungsstück entwerfen und maßanfertigen zu lassen.

Zumindest Strohhalme erschloss sich aber auch Cara Apfelkern, einerseits mit der Herstellung von Alltagsmasken, andererseits mit dem Aufbau eines Onlineshops, über den sich insbesondere Accessoires wie eben Masken oder Kosmetiktaschen vertreiben lassen.

Gleich nebenan im Bioladen der Erzeuger-Verbraucher-Genossenschaft „BioFrische“ ist von Corona-Blues wenig zu spüren. Zwar sei es bedauerlich gewesen, dass die benachbarte Suppenbar, die die EVG erst Anfang März übernommen hatte, zwei Wochen später wie alle anderen Restaurants schließen musste. Die Läden am Herderplatz und am Kirschberg konnten aber durchweg geöffnet bleiben. Und die Kundschaft blieb bei der Stange.

Ein Selbstläufer sei das freilich nicht gewesen, betonte Geschäftsführerin Birgit Richter gegenüber Katrin Göring-Eckardt. Angesichts der Corona-Bestimmungen habe die Genossenschaft die Abläufe in den Geschäften neu organisieren müssen. Die Mitarbeiter wurden in Teams eingeteilt, die sich während des Betriebes nicht über den Weg liefen. Öffnungszeiten mussten verkürzt und die Anzahl der Kunden, die gleichzeitig einkaufen, begrenzt werden. Insbesondere Letzteres durchzusetzen, sei nicht immer einfach gewesen. „Unterm Strich können wir aber nicht klagen“, sagte Birgit Richter.