Funkelndes in fünfter Generation

Weimar  Juwelier Oeke feiert 100-jähriges Bestehen. Familienunternehmen wurde 1919 in der Marienstraße gegründet

Firmengründer Harry Oeke – seinerzeit noch in Hamburg.

Firmengründer Harry Oeke – seinerzeit noch in Hamburg.

Foto: Firma Oeke

„Dem Herrn Juwelier Harry Oeke aus Dortmund wird hierdurch bescheinigt, daß er seine Absicht, in hiesiger Stadt An- und Verkauf von Juwelen, Gold- und Silberwaren, Edelmetallen, Luxuswaren und Antiquitäten zu betreiben, nach §14 der Gewerbe-Ordnung für das Deutsche Reich angemeldet hat. Weimar, den 6ten Februar 1919.“ Dieses vom Gemeindevorstand der Großherzoglich Sächsischen Haupt- und Resindezstadt Weimar ausgestellte Dokument besitzt der Urenkel des Firmengründers, Dieter Hollnack, noch im Original – und er hütet es wie seinen Augapfel. Denn es bescheinigt ihm, der das Juwelier-Geschäft Oeke mit seiner Frau Marion sowie den Kindern Klemens und Karoline in vierter beziehungsweise fünfter Generation führt, das 100-jährige Bestehen des Familienunternehmens. Das Jubiläum wird am Samstag im Schießhaus gefeiert.

Über Dortmund, wo er am 29. Juli 1880 geboren wurde, und Hamburg kam Harry Oeke nach Weimar und arbeitete zunächst beim Hofjuwelier Theodor Müller in dessen Juwelen-, Gold- und Silberwerkstatt in der Schillerstraße 5 (heute Commerzbank),. Entstanden auf Anregung des Großherzogtums, erlangte sie laut Weimarer Stadtlexikon über die Grenzen Deutschlands hinaus Bedeutung.

Sein erstes Geschäft in Weimar eröffnete Harry Oeke 1919 in der Marienstraße, 1923 erfolgte der Umzug in die Frauentorstraße 1 (heute Juwelier Schädlich). Nach der kriegsbedingten Stilllegung und dem Tod des Firmengründers übernahmen 1944 seine einzige Tochter Alice und ihr Mann Franz Herbst das Geschäft. Sie führen es, auch dank des handwerklichen Könnens ihrer drei Kinder, die alle Goldschmiede waren, durch die schwere Nachkriegszeit. Im Jahr 1974 dann übergab das Paar sein Geschäft an Tochter Gisela Groten, geschiedene Hollnack. Ende der 1970er-Jahre musste sie Edelstahlbestecke, Kristallgläser, Modeschmuck und sogar Messinggardinenstangen in das Sortiment aufnehmen, um das Geschäft mit seinen acht Mitarbeitern in DDR-Zeiten – mit Mangel an allen Ecken – über Wasser zu halten.

Marion und Dieter Hollnack stiegen im Herbst 1987 in das Familiengeschäft ein. Nach dem Mauerfall erlebten sie nicht nur die großen Möglichkeiten, die sich ihnen eröffneten, sondern zunächst einmal eine Mietexplosion. Um die Ecke am Markt fanden sie ein neues Domizil, das sie vom Vorbesitzer kaufen und wo sie am 16. Dezember 1991 das erste moderne Juweliergeschäft in Thüringen eröffnen. Im September 2008 kam nebenan die Uhrenwelt hinzu. Im selben Jahr stieg Sohn Klemens Hollnack, ein Uhrmachermeister, und 2012 Tochter Karoline Hollnack, Juristin, ins Unternehmen ein. Und angesichts zahlreicher Enkel scheint Dieter Hollnacks Hoffnung, dass es auch nach seinem geplanten Ausscheiden in drei Jahren fortbesteht, nicht unbegründet.

Am lebhaftesten in Erinnerung geblieben sind ihm aus seiner Anfangszeit die langen Schlangen, wenn einmal im Monat freier Goldverkauf – ohne Abgabe von Altgold – war. Und was macht für ihn den größten Unterschied zu heute aus? „Früher hatten wir einen großen Brillanten und 20 Kunden auf der Warteliste, heute haben wir viele Diamanten und müssen die Kunden dazu finden“, bringt es Dieter Hollnack auf den Punkt. Diese findet das Geschäft über Weimars Grenzen hinweg bis hin zu Stammkunden von der Insel Föhr, aus Hannover oder Hessen. Nicht unwesentlich zu diesem Erfolg tragen in dem Betrieb mit 13 Mitarbeitern die insgesamt drei Uhrmachermeister und ein Goldschmiedemeister bei. Dieter Hollnack selbst reist mit seiner Frau um die halbe Welt zu Uhren- und Schmuck-Produzenten und ist unter anderem als Vorsitzender des Deutschen Diamant Clubs bestens vernetzt, was letztlich auch den Kunden Preisvorteile bringe.

Ginkgoblätter, von denen das erste aus Gold des Juweliers Oeke – verarbeitet zu einem großen Ohrhänger – auf das Frühjahr 1990 datieren dürfte, verkauft Juwelier Oeke nach wie vor, ebenso als Besonderheiten aus Weimar Bauhaus-Ringe oder eigene limitierte Editionen von Uhren und Schmuck.

Um all das geht es am 9. November aber nicht: Da wird im Stil der 1920er-Jahre mit geladenen Gäste so gefeiert, wie es bei den Bauhäuslern üblich war. Das Datum ist bewusst gewählt. „Die Entwicklung, die wir genommen haben, wäre ohne Wende nicht möglich gewesen“, sagt Dieter Hollnack. Er freut sich besonders auf Bürgermeister Ralf Kirsten und Oberbürgermeister Peter Kleine. Sie hätten im ständigen Konflikt mit dem C.Keller vermittelt. Jetzt klappt es auch mit den Nachbarn.

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