Goethe nutzt für Unterricht Gewölbekeller der Bibliothek in Weimar

Weimar.  Kurse in Darstellen und Gestalten haben endlich eigenen Platz und dabei ständig frische Luft.

Der Kurs Darstellen und Gestalten mit Lehrerin Susanne Thiele am Donnerstag beim Aufwärmen im Gewölbekeller der Stadtbibliothek.

Der Kurs Darstellen und Gestalten mit Lehrerin Susanne Thiele am Donnerstag beim Aufwärmen im Gewölbekeller der Stadtbibliothek.

Foto: Susanne Seide

Das „Lernen am anderen Ort“ im Sinne von Klassenfahrten ist derzeit für Schulen in Thüringen komplett verboten, das Unterrichten am anderen Ort in Zeiten von Corona hingegen ausdrücklich erwünscht. Als Pilotprojekt probieren dies die Stadtbibliothek und das Goethegymnasium aus.

Das Schulverwaltungsamt kam mit der Anfrage auf die Bibliotheksleiterin Petra Fuchs zu, ob sie ihren Gewölbekeller für den Unterricht öffnen könne. Die Begeisterung dafür war ihr auch Donnerstag noch anmerken, als Lehrerin Susanne Thiele und ihre Zehntklässler aus dem Kurs Darstellen und Gestalten ins Haus kamen. Petra Fuchs war begeistert, dass wieder Leben im Gewölbekeller herrscht, der derzeit nicht genutzt wird.

Unterricht in einem Keller, wo doch Stoßlüften in Klassenräumen gefordert wird? Die Bedingungen im Gewölbekeller überzeugten das Gesundheitsamt. Denn die Lüftung zieht auf der einen Seite Frischluft in den Gewölbekeller und stößt sie auf der anderen Seite wieder aus. An Unterrichtstagen werde sie im Dauerbetrieb laufen, sagte Petra Fuchs.

Insgesamt drei Kurse des Goethegymnasiums sind bis Ostern kostenlos zu Gast. „Die Bibliothek ist für alle offen. Das ist nichts Kommerzielles und unser Haus ein öffentlicher Raum“, sagte Petra Fuchs. Allerdings soll es bei der Testphase bis Ostern bei diesen Gruppen bleiben.

Im Haus gelten für die Gymnasiasten angesichts des Hygienekonzeptes dieselben Regeln wie für alle anderen Besucher: Maskenpflicht und die Angabe der Kontaktdaten gehören dazu. Im Gewölbekeller dürfen die Gruppen wie in der Schule die Masken abnehmen. Im Gegenzug bleiben die Mitarbeiter dem Keller in der Unterrichtszeit fern, um unnötige Begegnungen zu vermeiden.

Für den Unterricht in Darstellen und Gestalten am Goethegymnasium darf die außergewöhnliche Kooperation in dieser außergewöhnlichen Zeit als Glücksfall bezeichnet werden. Sie unterrichte das Fach seit 25 Jahren und sei ebenso lange stets auf der Suche nach geeigneten Räumen gewesen, sagte Susanne Thiele. Im Schulgebäude werde jeder Raum gebraucht, um in der Aula zu unterrichten, müsste dort ständig umgeräumt werden, die Turnhalle ist von morgens bis abends mit Sport belegt.

Häufig suchte sich Susanne Thiele daher Projektpartner mit Platz, so die Europäische Jugendbildungs- und Jugendbegegnungsstätte Weimar oder das Bürgerzentrum West. Jetzt kann der Unterricht in der Nachbarschaft stattfinden, ein großer Vorteil für die Zeitplanung.

Schon bevor Susanne Thiele und ihre 18 Schülerinnen und Schülern am Donnerstag mit dem Aufwärmen begonnen haben, hatte Petra Fuchs bereits einen Wunsch ausgesprochen: Eine der Abschlusspräsentationen hätte sie gerne im Gewölbekeller.