Hänsel und Gretel verlassen Theaterbühne und kommen ins Haus

Weimar.  „Hänsel und Gretel“ gehört zu Weimar wie kaum ein anderes Stück. Jetzt kommt es in reduziertem Format in einer mobilen Produktion in Seniorenheime.

„Hänsel und Gretel" unterwegs: In der mobilen Opernproduktion des DNT spielen und singen Emma Moore die Partie der Gretel, Alexander Günther den Vater und die Knusperhexe und Juliane Bookhagen den Hänsel.

„Hänsel und Gretel" unterwegs: In der mobilen Opernproduktion des DNT spielen und singen Emma Moore die Partie der Gretel, Alexander Günther den Vater und die Knusperhexe und Juliane Bookhagen den Hänsel.

Foto: Candy Welz

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Erwartungsvoll sitzen fast 40 betagte Frauen und Männer im dritten Obergeschoss des Weimarer Rot-Kreuz-Heimes an der Karl-Haußknecht-Straße 19 a um die improvisierte Bühne. Das DNT kommt mit einer mobilen Opernproduktion zu ihnen. Humperdincks „Hänsel und Gretel“ ist in einer reduzierten Fassung zu erleben und bringt viele Titel ins Haus, die den alten Menschen aus ihrer Kindheit und Jugend vertraut sind. „Suse liebe Suse“ zum Beispiel oder „Brüderchen, komm tanz mit mir“ wie auch „Ein Männlein steht im Walde“. Die einen summen leise mit, andere stimmen text- und melodiesicher deutlich vernehmbar ein in die vertrauten Weisen. Sie singen mit, sie gehen spürbar mit. Erstmals wendet das DNT sich nicht nur gezielt an die junge Generation wie seit Jahren mit einem Klassenzimmerstück erprobt, sondern kommt mit dem Pilotprojekt einer mobilen Opernproduktion auch auf die ältere Generation zu.

Bartholomäus Pakulski, Regieassistent am DNT, hat die Inszenierung erarbeitet und gemeinsam mit Musiktheaterdramaturgin Judith Drühe die Fassung entwickelt, die nun auf Tour geht. Am Sonntag erlebte die mobile Produktion eine erfolgreiche Premiere im Forum Seebach, bevor sie am Dienstag im Rot-Kreuz-Heim zu Gast war. Von Judith Drühe stammt auch die Idee, Humperdincks Märchenoper in diesem komprimierten Format von rund 35 Minuten Länge in Einrichtungen wie Senioren- und Pflegeheime zu bringen, für deren Bewohnerinnen und Bewohner der Weg ins Theater zu beschwerlich ist oder für die eine Aufführung der Oper selbst im Theater zu lang beziehungsweise auch zu anstrengend wäre. Gedanke dahinter war, dass man ähnliche Formate ja immer wieder für Kinder entwickelt und warum dann eben nicht ebenfalls entsprechend auf ältere Menschen zugegangen wird, um auch auf diese Generation und deren Bedürfnisse einzugehen.

Kaum ein anderes Werk ist so eng mit der Geschichte des Deutschen Nationaltheaters und der Staatskapelle Weimar verbunden, wurde es doch hier 1893 unter der Leitung von Richard Strauss uraufgeführt.

Emma Moore begeistert das Publikum als Gretel mit ihrem glockenreinen Gesang und erfrischendem Spiel, Sie singt auch in der Wiederaufnahme von „Hänsel und Gretel“ am 18. Dezember im Großen Haus des DNT die weibliche Titelpartie. In die Rolle des Hänsel ist Juliane Bookhagen geschlüpft, und liefert sich mit seiner Opernschwester manch muntere Rangelei. Gleich mehrere Rollen verkörpert Alexander Günther, – ist Erzähler, Vater und Knusperhexe. Die mobile Fassung wird am Klavier begleitet von Dirk Sobe.

Der Aufwand an Requisiten ist vergleichsweise gering. Aus zwei Stühlen, Notenständer und einer Decke werden wahlweise das Haus der Eltern, das Hexenhaus im Wald oder der Mantel der Hexe. Doch auch in dieser reduzierten Form finden Handlung und Stimmung einen schlüssigen Rahmen. Alexander Günther hat das Bühnenbild und auch die Kostüme entworfen. Spannung, aber auch Witz und Humor, vor allem die großartigen Stimmen nehmen die Zuschauer unmittelbar mit. Die Freude und Abwechslung im Alltag umso größer.

Weitere Aufführungen finden am 3. Januar im Kursana-Domizil an der Carl-Friedrich-Streichhan-Straße, am 7. Januar im Rot-Kreuz-Heim in Ettersburg sowie am 8. Januar im Pflegezentrum in Legefeld statt. Wer eine Aufführung buchen möchte, wendet sich an musiktheatervermittlung@nationaltheater-weimar.de

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