Kleinkunst, Kleinkram und Künstler „unterm Hammer“

Weimar.  Wieviel ist uns Kunst und Künstler wert? Das hinterfragte das DIKuK mit einem neuen Veranstaltungsformat, einer Künstlerversteigerung.

Zu einem Kunstflohmarkt mit Versteigerung lud das DIKuK ins Projekt Eins, im Bild: Doc Macdooley alias Alexander Hahne mit einer Interessentin an seinem Flohmarktstand.

Zu einem Kunstflohmarkt mit Versteigerung lud das DIKuK ins Projekt Eins, im Bild: Doc Macdooley alias Alexander Hahne mit einer Interessentin an seinem Flohmarktstand.

Foto: Maik Schuck

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Das in Weimar beheimatete Deutsche Kleinkunst-Institut (DIKuK) ist für seine erfrischenden Kulturangebote bekannt. Gern wird mit neuen Formaten experimentiert. So zog am Sonntag erstmals ein Kunst-Flohmarktes ins gut gefüllte Projekt Eins an der Schützengasse 2. Der endete mit einer weiteren Premiere: einer Kunst- und Künstlerversteigerung. Das kam gut an, auch wenn sich das überwiegend junge Publikum, darunter viele Studierende und Kunstschaffende, bei Ersteigerung der Künstler zurückhielt. „Kultur hat seinen Preis“, wollte das DIKuK nach Angaben seines Vorsitzenden Frank Grysko damit auch den Wert der Kunst hinterfragen. Munter geboten wurde im unteren Preissegment für Tonträger, Eintritts- und sogar Jahreskarten.

Da konkurrierten die Bieter mit sichtbarem Spaß an der Freud um den Zuschlag. Auch die „Kulturkisten“ vom DIKuK und vom Jungen Theater im Stellwerk waren ein Renner. Moderator Thimo Hennig und Auktionator Thomas Grysko verstanden es, das Publikum mit Witz und Temperament in Bieterlaune zu halten.. Mit einem Mindestgebot von einem Euro für ein Kartenspiel war die Versteigerung gestartet. Letztlich ging das Spiel für das Fünffache des Mindestgebots weg. „Wir werden heute noch höhere Preise erzielen“, versprach Hennig. Und er behielt Recht. Bei der DIKuK-Kulturkiste mit CDs, einer DVD, zwei Ermäßigungskarten, einem Märchenbuch, einem Buch zum Gitarrespiel, Süßigkeiten und einer Flasche Wein fiel der Hammer bei 25 Euro. Auch die DIKuK-Jahreskarte stachelte die Bieterlaune bis 25 Euro.

„Wer einen Künstler ersteigert, muss nicht in bar zahlen“, erläuterte Vereinsvorsitzender Frank Grysko, der an diesem Abend die Kasse betreute. Trotzdem traute sich niemand an das Startgebot von 150 Euro für einen Auftritt von Alexander Hahne im heimischen Wohnzimmer heran. Musikalische Kostproben ihres Könnens gaben danach auch das Duo Streichholz mit Rebekka und Debora Dusdal (Violine und Klarinette) sowie Andreas Kuch (Klavier), der unter anderem mit Bachs Toccata d-Moll als Tango bewies, welch begnadetes improvisatorisches Talent in ihm steckt. Für 47 Euro kann die Meistbietende Andreas Kuch jetzt zu einem Konzert in den eigenen vier Wänden begrüßen. Das Angebot von diePop, Netzwerk und Förderer junger Bands, stieß ebenfalls auf große Gegenliebe und erhielt mit 42 Euro eines der Höchstgebote des Abends. Autor Oliver Mörchel interpretiert bekannte Märchen mit Witz und Raffinesse neu. Er gab eine Kostprobe und wurde für eine private Lesung ersteigert.

„Ich denke, wir werden dieses Format jedes Jahr im Januar wiederholen“, resümierte Frank Grysko nach der erfolgreichen Veranstaltung. Was die Künstlerversteigerung betrifft, wolle man den Rahmen neu setzen. Denkbar sei es, andere Vereine zu beteiligen oder Einladungen auszusprechen. Noch sei alles offen. Verramschen wolle man Künstler jedenfalls nicht. Vielmehr ginge es darum, den Wert eines Künstlers und seiner Kunst bewusst zu machen. Weiterhin offen zeigt sich das DIKuK für Experimente und neue Formate. So wird es am Sonntag, 22. März, erstmals Kleinkunst auf Ukrainisch geben. Immer wieder sonntags, 19 Uhr, ist im Projekt Eins DIKuK-Time. Nächste Veranstaltung ist am Sonntag, 19. Januar, das Improvisationstheater mit Öde & Schriller.

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