Lebenslange Leidenschaft für die Musik

Weimar.  Erstmals präsentiert das Goethe- und Schiller-Archiv den Komponisten Friedrich Nietzsche in einer eigenen Ausstellung.

Im Goethe- und Schiller-Archiv wurde am Donnerstag eine Ausstellung zu Friedrich Nietzsche als Komponist eröffnet.

Im Goethe- und Schiller-Archiv wurde am Donnerstag eine Ausstellung zu Friedrich Nietzsche als Komponist eröffnet.

Foto: Maik Schuck

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Ihren Programmschwerpunkt „Nietzsche Superstar. Ein Parcours der Moderne“ eröffnete die Klassik Stiftung Weimar am Donnerstag mit einer Ausstellung im Goethe- und Schiller-Archiv. Zu besichtigen sind in vier Vitrinen bislang noch nie gezeigte Notenmanuskripte zu 15 Kompositionen von Friedrich Nietzsche. Eine Hörstation vermittelt Klangeindrücke. „Erst bei der Beschäftigung mit den Manuskripten haben wir gesehen, wie groß Nietzsches Leidenschaft für Musik war“, sagt Kuratorin Evelyn Liepsch.

Erstmals zeigt die Ausstellung eine Auswahl seiner Kompositionen. „Ohne Musik wäre das Leben ein Irrthum“, betonte Friedrich Nietzsche 1888 deren existentielle Bedeutung für ihn. „Gott hat uns die Musik gegeben, damit wir erstens, durch sie nach Oben geleitet werden. Die Musik vereint alle Eigenschaften in sich, sie kann erheben, sie kann tändeln, sie kann uns aufheitern, ja sie vermag mit ihren sanften wehmüthigen Tönen das roheste Gemüth zu brechen. Aber ihre Hauptbestimmung ist, daß sie unsre Gedanken auf höheres leitert, daß sie uns erhebt, sogar erschüttert“, schrieb schon der 14-jährige Nietzsche in seiner ersten Autobiographie kurz vor seiner Aufnahme in das Gymnasium von Schulpforta. Neben Gedichten und Theaterstücken hatte er bereits kleine Kompositionen, Fugen, Sonaten und mehrstimmige geistliche Stücke entworfen.

Das kompositorische Rüstzeug eignete er sich autodidaktisch an, fand die Kuratorin bei ihrem Recherchen heraus. Mehr als 70 Titel zählt das musikalische Werk Friedrich Nietzsches nach ihren Angaben, etwa 50 davon sind erhalten geblieben, viele jedoch nur fragmentarisch. Doch auch diese zeugen von seinem passionierten, innigen Verhältnis zur Musik, die Nietzsche über alle Künste erhob und die ihm wesentliche Stimulanz für sein philosophisches Schaffen war. „Vielleicht hat es nie einen Philosophen gegeben, der in dem Grade am Grund so sehr Musiker war, wie ich es bin“, heißt es in einem Brief an den Dirigenten Hermann Levi.

Von ersten kompositorischen Versuchen des Naumburger Gymnasiasten zeugt seine um 1857 entstandene Geburtstagssymphonie. In seinen insgesamt 15 Liedkompositionen auf Texte von Klaus Groth, Hoffmann von Fallersleben, Rückert, Puschkin, Petöfi und Chamisso folgt Nietzsche dem von Schubert und Schumann geprägten Liedstil seiner Zeit. In Bonn, wo er 1864/65 Theologie und Altphilologie studierte, entstanden gleich zu Beginn des Wintersemesters 12 Lieder. Seit früher Jugend spielte Nietzsche Klavier, improvisierte leidenschaftlich und komponierte hauptsächlich für Klavier. Evelyn Liepsch würde sich wünschen, dass Nietzsches musikalisches Schaffen mehr in Beziehung gesetzt wird zu seinem Werk und Leben.

Wie die Kuratorin erläutert, umfasst der kompositorische Nachlass Nietzsches rund 400 Blatt. Allein 50 davon widmen sich beispielsweise seinem Fragment gebliebenen Weihnachtsoratorium. Für Evelyn Liepsch sei es schwierig gewesen, aus dem Bestand eine repräsentative Auswahl zu treffen. Sie sei chronologisch vorgegangen – von ersten kompositorischen Versuchen bis zur letzten Vertonung eines Gedichts von Lou von Salome 1882 („Hymnus an das Leben“). Als bemerkenswert stellt die Kuratorin aus der Vielfalt auch die Komposition „Junge Fischerin“ von 1865 heraus, Nietzsches einzige Vertonung eines eigenen Gedichts. Vor allem mit Richard Wagner verband den Philosophen eine tiefe Freundschaft, die Nietzsche später zur „Sternen-Freundschaft“ verklären sollte. Der überwiegende Teil seines kompositorischen Nachlasses liegt im Goethe- und Schiller-Archiv. Die Ausstellung gibt bis zum 14. Juni einen einzigartigen Einblick.

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