CDU-Fraktion im Stadtrat trifft mit Vorstoß zu Grünzügen bei der Stadt Weimar auf Unterstützung

Weimar  Mehr Lebensräume an Weg- und Feldrändern in Weimar geplant.

Das Landgut Weimar realisiert Blühstreifen seit dem Vorjahr mithilfe von Paten.

Das Landgut Weimar realisiert Blühstreifen seit dem Vorjahr mithilfe von Paten.

Foto: Jens Lehnert

Positiv haben das Umweltamt und das Stadtentwicklungsamt nach Angaben der CDU-Fraktion auf einen Vorstoß der Stadträte reagiert. Die CDU hatte in dem Antrag die Wiederherstellung der Grünzüge an Weg- und Feldrändern in Weimar gefordert. Konkret soll es dabei darum, auf stadteigenen Flächen diese Maßnahmen zu Landschaftspflege und Naturschutz voranzutreiben und eine Einschätzung des zuständigen Amts über den Ist-Stand des Grünstreifenvorkommens abzugeben.

Zum Hintergrund teilte die Fraktion in einer Presseinformation mit: Sowohl dem vorhandenen Mangel an Futtermöglichkeiten für Wildtiere als auch dem massiven Rückgang der Insektenbestände könne durch mehr begrünte Feldraine und Feldgehölze vorgebeugt werden. So können artgerechte Bedingungen geschaffen werden, die einen Rückgang der Bestände verlangsamen und die negativen Folgen für Natur und Menschen abschwächen.

Da die CDU-Fraktion ihren Antrag im Rathauskurier Nr. 21 in Bezug auf Flächen am Ettersberg, im Kirschbachtal und in Niedergrunstedt konkretisierte, hat die Verwaltung die diesbezüglichen Flächen näher betrachtet. "In den Bereichen Niedergrunstedt und Kirschbachtal bewirtschaftet ein Agrarbetrieb die Flächen, der bereits seit vielen Jahren entlang der Gewässer Grünstreifen anlegt, um Einträge in die Gewässer zu verhindern. Ein Großteil der landwirtschaftlich genutzten Flächen am Ettersberg ist hochwertiges Grünland im Naturschutzgebiet Südhang Ettersberg.“

Grundsätzlich könnten für Vorhaben, die der Erhöhung der Artenvielfalt dienen, über das Programm zur Förderung von Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege in Thüringen Projektmittel beantragt werden. In der Regel sind für derartige Projekte aber auch Eigenmittel erforderlich.“ Die untere Naturschutzbehörde wolle an die Pächter herantreten, um auf diese Fördermöglichkeiten aufmerksam zu machen.

Die Verwaltung begrüßt den Antrag, denn „aufgrund von Flächenverlusten durch Erschließungsmaßnahmen ist seit der Wende allgemein ein Rückgang von Feldrainen zu beobachten gewesen. Bereits vorher sind durch die Einrichtung großer Ackerschläge viele gliedernde Elemente verloren gegangen. Auch in den vergangenen Jahren sind nach und nach entlang von Wegen immer wieder schmale Grünstreifen verschwunden. Auf den ersten Blick kaum erkennbar, summieren sich derartige Landgewinne mit der Zeit.“

Allerdings sei bei den landwirtschaftlich genutzten Flächen zu beobachten, dass in den vergangenen Jahren ein Umdenken eingesetzt hätte: Es würden vermehrt Blühstreifen angelegt. „Einen flächenkonkreten Überblick über den Ist-Stand des Grünstreifenvorkommens gibt es bei der Unteren Naturschutzbehörde allerdings nicht.“

Die Verwaltung verweist auf verschiedene Instrumente zur Wiederbegrünung: "Die einfachste Möglichkeit ist es hierbei, Ränder entlang bestehender landwirtschaftlicher Wege mit Gräsern und Kräutern zu begrünen. Schwieriger ist die Anpflanzung und Pflege strukturierender Gehölzelemente, da zu landwirtschaftlichen Flächen, gemäß Thüringer Nachbarrechtsgesetz, die doppelten Abstandsflächen bei einer Neupflanzung einzuhalten sind. Einen wichtigen Beitrag zur Ermittlung der Flächen könnte die Überarbeitung des Landschaftsplanes darstellen, der Defizite in der Lebensraumausstattung und der Biotopvernetzung aufzeigt und Lösungsvorschläge macht."

Die Verwaltung habe die erforderlichen rund 130.000 Euro verteilt auf 2021 und die Folgejahre zum HH-Entwurf 2021 angemeldet. Die wichtigste Aufgabe sei auch aus Sicht der Unteren Naturschutzbehörde „der Erhalt vorhandener Strukturen und eine Information an die Agrarbetriebe, dass der Verlust wertgebender Strukturen in der Regel einen genehmigungs- und ausgleichspflichtigen Eingriff in Natur und Landschaft darstellt. Die Untere Naturschutzbehörde wird darauf mit einem Schreiben an die hiesigen Agrarbetriebe erneut hinweisen. Als nächster Schritt kann dann die Prüfung des vorhandenen landwirtschaftlichen Wegenetzes und der Feldrainstrukturen erfolgen und darauf aufbauend die Wiederherstellung von Feldrainen vorangebracht werden."

Was die tatsächliche Umsetzung angeht, ist die Stellungnahme zurückhaltender: "Zunächst müssen Flächen, auf denen Grünstreifen und Feldraine sinnvollerweise angelegt werden können, im GIS ermittelt werden. Danach muss vor Ort eine Vermessung erfolgen. Und natürlich sind auch Gespräche mit den Flächennutzern erforderlich."