Mit Pandemie-Plänen und Umzugskisten

Weimar.  Unter erschwerten Bedingungen hat der Kindergarten aus dem Weimarer Merketal den Wechsel in den Neubau auf dem Campus der Bauhaus-Uni gemeistert.

Das Studierendenwerk hat am 25. September seinen neuen Campus-Kindergarten in der Bauhausstraße 9b offiziell eingeweiht.

Das Studierendenwerk hat am 25. September seinen neuen Campus-Kindergarten in der Bauhausstraße 9b offiziell eingeweiht.

Foto: Susanne Seide

Mit dem Campus-Kindergarten wurde am Freitag binnen nicht einmal eines Jahres die dritte neu gebaute beziehungsweise komplett sanierte Kindereinrichtung in Weimar ihrer Bestimmung übergeben. Im November 2019 war im Norden der Stadt der erste Nachwende-Betriebskindergarten Gipfelstürmer eingeweiht worden, am 2. Juni dann konnte auch endlich die sanierte und mit einem Anbau versehene Villa Lustig den Betrieb aufnehmen.

Ende 2013 bereits wurde der gedankliche Grundstein für die Idee gelegt, für den Kindergarten des Studierendenwerks Thüringen in der Merketalstraße einen Ersatzneubau zu schaffen, erinnerte Geschäftsführer Ralf Schmidt-Röh. Der ungewöhnliche Ort für den Kindergarten inmitten des Uni-Geländes kam auf deren Anregung zustande. Danach allerdings zogen sich die Planung und später auch der Bau an sich teilweise länger als vorhergesehen hin, räumte er ein.

Im Jahr 2018 entstand bereits die Bodenplatte für den Neubau. Auch der Rohbau des Holzbaus ging zügig voran. Ins Stocken kamen die Arbeiten dann, weil es Probleme mit dem Bauablauf in Modulbauweise gegeben habe, so Schmidt-Röh.

In dem dreigeschossigen Holzbau auf dem südlichen Teil des Uni-Campus’ in unmittelbarer Nachbarschaft des bestehenden Kindergartens des Studierendenwerks haben bis zu 60 Kinder i Alter ab zwei Jahren Platz, also fünf mehr als zuvor im Merketal. Im wesentlichen nutzen ihn Studierende und Mitarbeiter der Uni für ihren Nachwuchs. Nur wenn Plätze übrig sind, werden auch andere Kinder aufgenommen, erläuterte die Leiterin Anett Grobe. „Die Kinder fühlen sich hier wohl“, sagte sie beim Rundgang – corona-gemäß in kleinen Gruppen sowie Mund-Nase-Bedeckung.

Während das Gebäude außen zurückhaltend in Schwarz gehalten ist, dominiert drinnen helles Holz. Auf jeder Etage wird dies durch eine andere Farbe ergänzt. In Kontrast mit dem Baumaterial treten dort Blau, Grün und eine dunkles Gelb.

Durch die barrierefreie Ausstattung aller Räume sowie den Fahrstuhl können sich auch Kinder mit Beeinträchtigungen im gesamten Haus frei bewegen. Zudem gibt es verschiedene Funktionsräume, die die Mädchen und Jungen nach ihren Bedürfnissen nutzen können: ein Atelier, eine Mediathek, ein Rollenspielraum, einen Bewegungsraum, in dem auch musiziert werden kann, einen Bauraum, eine Lernwerkstatt und ein Therapieraum, der zusätzlich als Rückzugsraum dienen kann. Prunkstück ist die Mensa in der oberen Etage. Von dort bietet sich ein toller Ausblick auf die Freifläche, die von Spielgeräten, aber auch von einem alten Baumbestand dominiert wird.

Das Bauprojekt kostete rund 2,5 Millionen Euro. Davon wurden 1,2 Mio. Euro vom Freistaat Thüringen zur Verbesserung der Familienfreundlichkeit an den Weimarer Hochschulen gefördert. Die restlichen Mittel brachte das Studierendenwerk mit der Unterstützung der Stadt Weimar auf, die den Neubau in den Kindergarten-Bedarfsplan aufgenommen hatte.

Uni-Präsident Winfried Speitkamp störte sich zwar am sperrigen Wort Ersatzneubau („Es ist doch was Schönes.“), hob aber dessen Wert hervor: Der Standort Thüringen lebe nicht nur von seinen guten Hochschulen, sondern auch davon, dass die Lebensqualität für die Studierenden hoch sei, so beim Wohnen und der Kinderbetreuung. Dies betonte auch die zuständige Familienamtsleiterin Doreen Bauer. Zudem sehe sie es gerne, dass es in Weimar nicht nur inhaltlich, sondern auch baulich innovative frühkindliche Bildung gebe.

Den Dank aller, darunter auch der Elternvertreter, verdiente sich das Kindergarten-Team: Es habe nach dem Lockdown schnellstmöglich einen regelmäßigen Betrieb wieder aufgenommen und neben der Einhaltung der Pandemie-Pläne auch noch den Umzug an zwei Tagen und einem Wochenende gemeistert.

Ausgerechnet bei der Übergabe konnte kein Vertreter des Thüringer Wissenschaftsministeriums dabei sein. In Erfurt wurde zeitgleich über dessen Etat beraten. Das Studierendenwerk hofft auch dabei wieder auf einen Stück vom Kuchen. Es will voraussichtlich Anfang nächsten Jahres die Sanierung der Wohnanlage Merketalstraße 46 angehen. Bereits am 2. November soll der Lange Jakob wieder für studentisches Wohnen zur Verfügung stehen und nicht zuletzt zum Wintersemester 2021/2022 die runderneuerte Mensa am Park fertig sein.