Mit Wolle gegen den Borkenkäfer – Thüringer wirbt zur Rettung des Waldes für diese Idee

Blankenhain  Der Blankenhainer André Dormann wirbt auf Regierungsebene für seine Idee zur Rettung von Thüringer Bäumen.

Bodo Ramelow versprach am Wochenende zumindest, die Anregungen von André Dormann (r.) an seine Fachleute weiterzuleiten.

Bodo Ramelow versprach am Wochenende zumindest, die Anregungen von André Dormann (r.) an seine Fachleute weiterzuleiten.

Foto: Familie Dormann

Mit Schafwolle den Wald in Thüringen retten? André Dormann hält das für möglich und wirbt inzwischen offensiv für diese Idee. Der 54-jährige Blankenhainer hat im Wald südlich der Lindenstadt, knapp hinter der Kreisgrenze zu Saalfeld-Rudolstadt, ein Experiment gestartet: Er packte vor rund einem Jahr die Stämme von fünf Fichten, alle vom Borkenkäfer befallen, in veredelte Schafwolle – knapp zehn Kilogramm pro Baum. Das Waldstück gehört der Familie einer Arbeitskollegin – Dormann ist im Hauptberuf Fahrer für die Diakonie in Blankenhain.

Auch wenn Veränderungen an Bäumen meist länger dauern, sei schon ein erster Effekt zu beobachten: „Alle fünf harzen wieder“, so Dormann. Bemerkenswert vor allem, weil zwei der Fichten komplett abgestorben schienen, keine neuen Triebe mehr gebildet hatten. „Ich habe mich bei Förstern erkundigt: Wenn ein Baum harzt, zieht er wieder Wasser“, so der Blankenhainer. „Und das Problem mit dem Borkenkäfer ist ja, dass er die Wasserleitungen des Baumes zerstört.“

Dormann ist gelernter Schäfer, spezialisierte sich in den späten 80er-Jahren auf das Gewerbe als mobiler Schafscherer und musste das Ende 2015 aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Seitdem arbeitet er an der Idee, das Potenzial von Schafwolle als Wundermittel der Natur für Hobby- und Profi-Gärtner nutzbar zu machen. Als Wasserspeicher, Dünger und zur Abwehr von Schädlingen. An Obstbäumen experimentiert er schon seit mehr als drei Jahren: „Sie halten die Blätter länger und bringen von Jahr zu Jahr mehr Früchte“, versichert er.

Mit seiner Idee zum Kampf gegen den Borkenkäfer sucht Dormann jetzt den direkten Weg zur Regierungsebene des Freistaates. Er fuhr mit mehreren Präsentationsmappen im Gepäck zu einer Veranstaltung am 21. August im Jenaer Klima-Pavillon auf der Rasenmühleninsel. Sowohl der Referentin des Abends, der Köchin, Autorin und Europa-Abgeordneten Sarah Wiener, als auch der Thüringer Umweltministerin Anja Siegesmund überreichte er Hefter und lud sie ein, sich die fünf Versuchsbäume anzuschauen. Am Wochenende beim Bundeshüten in Ranis gelang es Dormann sogar, mit Ministerpräsident Bodo Ramelow ins Gespräch zu kommen. „Jeder Baum, den wir vor der Kettensäge retten, ist wichtig“, so Dormann, der nun auf Resonanz hofft.

Kontakt für Interessierte: a.dormann63@gmx.de

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