Nach der Wahl in Weimar: Faire Gratulation und Seitenhiebe

Weimar  Am Montagnachmittag standen die Grünen als Wahlsieger fest. Stimmen von Spitzenkandidaten in Weimar

Bis gegen 2 Uhr harrten in der Nacht zum Montag Wahlbeobachter in der Cafeteria der Stadt aus. Dann stand fest: Das Ergebnis wird nicht vollständig.

Bis gegen 2 Uhr harrten in der Nacht zum Montag Wahlbeobachter in der Cafeteria der Stadt aus. Dann stand fest: Das Ergebnis wird nicht vollständig.

Foto: Michael Baar

Noch nie hat es so lange gedauert, bis Weimar ein Wahlergebnis vorweisen konnte. Erst am Montagnachmittag stand fest: Die Bündnis-Grünen sind mit den letzten beiden Briefwahlbezirken doch als stärkste Kraft aus der Wahl hervorgegangen. Mit 16.845 Stimmen (18,5%) liegen sie um rund 500 Stimmen und mit acht Sitzen im Stadtrat vor dem Bürgerbündnis Weimarwerk, das auf 16.326 Stimmen (17,9%) kam und dafür sieben Sitze erhält. Auf Platz 3 folgt die CDU Weimar mit 15.969 Stimmen (17,5%). Sie bekommt dafür ebenso sieben Sitze wie die Linke, die mit 14.811 Stimmen (16,2%) 1500 Stimmen weniger als das Weimarwerk hat. Das klingt seltsam, wurde aber nach dem allgemein anerkannten Hare-Niemeyer-Quotenverfahren errechnet.

Die SPD verliert zwei Sitze und stellt künftig sechs Mitglieder des Stadtrates. Die AfD erreicht bei ihrer ersten Kommunalwahl in Weimar fünf Sitze.

Die junge Spitzenkandidatin der Wahlsieger, Ann-Sophie Bohm-Eisenbrandt, freute sich natürlich über das beste Wahlergebnis der Grünen in Weimar. Den Wettbewerb mit den Grünen in Jena konnte sie damit nicht gewinnen. Doch Weimar ist die einzige kreisfreie Stadt, in der sich die Grünen als stärkste Kraft durchgesetzt haben.

Für die Weimarwerker gratulierte deren Spitzenkandidat Wolfgang Hölzer fair den Grünen, obwohl sie das Bürgerbündnis „erst Montag nach 11 Uhr an der Spitze abgelöst“ hatten. Den Wählerinnen und Wählern, die dem Weimarwerk einen größeren Stimmenzuwachs beschert haben als dem Wahlsieger, dankte Hölzer.

Für Weimars CDU-Fraktionsvorsitzenden Peter Krause war es ein schwacher Trost, dass er das mit Abstand beste Einzelergebnis aller Stadtratskandidaten erreicht hat. Seine Partei muss dennoch drei Sitze abgeben. Ihm gibt das den Fingerzeig, dass es nicht richtig war, im Wahlkampf nur auf die Liste zu setzen und gleichzeitig auf Personalisierung – zum Beispiel auf Wahlplakaten – zu verzichten.

Dirk Möller blickt für die Linke bereits auf den Landtagswahlkampf. Dafür müsse man vor allem aus der Europawahl Lehren ziehen. Im Vergleich dazu habe sich der Verlust bei der Stadtratswahl in Grenzen gehalten. Den „Zuwachs im Stadtrat“ sieht Möller als Gefahr für die politische Kultur und bot den demokratischen Kräften faire Zusammenarbeit an.

Deutlicher wurde die neue Vorsitzende der SPD Weimar, Virginie Klemm. Sie schob ihrem Glückwunsch für die Grünen im Rathaus-Pressegespräch zur Wahl auch verbal ihren Ärger über das Ergebnis der AfD nach. Für die SPD hadert sie mit dem Bundestrend, dessen Auswirkungen sie zwar mildern, aber nicht ganz verhindern konnte. Mit sechs Mandaten im Stadtrat sei die SPD aber nicht so eingebrochen wie bei der Europawahl.

Für die so angesprochenen Neulinge im Stadtrat machte Spitzenkandidatin Heike Gnatowski deutlich, was sie unter „Geschichte schreiben im Stadtparlament“ versteht. Sie wolle mehr Transparenz im Stadthaushalt und Fördergelder an Vereine verhindern, die unter dem Deckmantel der Demokratieförderung „die blaue Opposition angreifen“. Für sie sei alles wichtig, was dem Bürger wichtig ist. Natürlich werde man sich dabei „an der gesamtpolitischen Ideologie der AfD“ orientieren.

Hagen Hultzsch macht es für die FDP eine Nummer kleiner. Er ärgert sich zwar über das verpasste zweite Mandat, will die gut tausend Wähler für die Liberalen aber nicht geringschätzen. Nun müsse er eben allein versuchen, den Stadtrat „mit unseren Anliegen zu überzeugen“.

Zufrieden mit ihrem Ergebnis zur Stadtratswahl sind die Piraten. Immerhin halten sie in Weimar ein Mandat, das in anderen Parlamenten nach dem Hype für die Piraten vor ein paar Jahren wieder verschwunden ist. Für Weimar gebühre der Verdienst daran Thomas Brückner, der mit 90 Anfragen und Anträgen eine gute Vorarbeit geleistet hat, betonte Oliver Kröning, der für die Piraten in den neuen Stadtrat einziehen wird.

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