Neue Musik auf der „Himmelsleiter“

Weimar  Konzertreihe „Klingendes Schloss & Leuchtendes Bauhaus“ erlebt Höhepunkte in Belvedere und im Bauhaus-Museum

Auf einem Treppenabsatz der „Himmelsleiter“ musizierten im Bauhaus-Museum Markus Stockhausen, Trompete, und Alireza Mortazavi, Santur.

Auf einem Treppenabsatz der „Himmelsleiter“ musizierten im Bauhaus-Museum Markus Stockhausen, Trompete, und Alireza Mortazavi, Santur.

Foto: Christiane Weber

Auf der Suche nach neuen, unkonventionellen Konzertorten bereitete Markus Stockhausen den Besuchern im Rahmen der Konzertreihe „Klingendes Schloss & Leuchtendes Bauhaus“ im Bauhaus-Museum zu später Stunde ein besonderes Klangerlebnis. Er lotete die Qualität des akustisch nicht einfachen Foyers im dritten Obergeschoss aus. Entwickelte mit sensiblem Gespür für diesen besonderen Ort raffinierte und elektronisch verfremdete Klanggebäude. Aus seinen „Intuitiven Bauhausklängen“ sprachen Empfindungsreichtum und spirituelle Tiefe.

Im zweiten Teil seines Konzertes wagte Markus Stockhausen sich mit Alireza Mortazavi (Santur) gar auf die „Himmelsleiter“. Auf einem Treppenabsatz musizierend, schickten sie ihre Klänge im aparten Zusammenspiel die gebäudehohe schmale Treppe hinauf und hinab. Die mutige Initiative stieß auf einhelligen Beifall. Im vorhergehenden Konzert ebenfalls im Untergeschoss des Bauhaus-Museums war sein Vater Karlheinz Stockhausen (1928-2007) „zu Wort gekommen“: Bevor das Eliot-Quartett Beethovens Streichquartett op. 130 virtuos interpretierte, sprach Stockhausen via Tonbandaufnahme über eben dieses Quartett, während die hohen Fenster der Cafeteria den Blick auf den Weimarhallenpark und die einbrechende Dunkelheit freigaben.

Einen ganz anderen Klangeindruck, doch atmosphärisch nicht weniger dicht, bot am Sonntag das Abschlusskonzert in Schloss Belvedere mit seinem romantischen Schumann-Programm, interpretiert vom Eliot-Quartett, Gesangssolisten und Pianist Florian Uhlig, der auf einem Blüthner-Flügel von 1857 musizierte.

„Wir blicken auf eine künstlerisch sehr gelungene Veranstaltungsreihe zurück“: Das unterstrich Liese Klahn-Albrecht, künstlerische Leiterin der Konzertreihe, am Montag im Gespräch mit unserer Zeitung im Rückblick auf fünf sehr verschiedene Konzerte. Das Konzept, Schloss Belvedere, Orangerie und Bauhaus-Museum zu bespielen, habe sich bewährt.

So bot die Orangerie Schloss Belvedere bereits dem Eröffnungskonzert am Freitag „einen wunderbaren Rahmen und einen erstaunlich feinen Klang für Musiker und Publikum“. Auch das Schloss selbst inspirierte Musiker wie Publikum. Dort hatte Markus Stockhausen sich im Dialog mit Alireza Mortazavi (Santur) am Samstagnachmittag mit Auszügen aus Goethes West-östlichem Divan von ganz anderer musikalischer Seite gezeigt. Bewährt habe sich nach den Beobachtungen von Liese Klahn-Albrecht die Zusammenfassung der Veranstaltungsreihe an nur einem Wochenende. Etliche Hörer zogen von Ort zu Ort mit.

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