Projekt in Weimar: Was Goethe zur Einwanderung zu sagen hat

Weimar  16 Jugendliche aus Frankreich, Polen und Deutschland begeben sich auf die Spuren der Weimarer Klassik. Projektpräsentation am Samstag im Studienzentrum

Die internationale Gruppe der Sommerschule des Weimarer Dreiecks in dieser Woche in der Anna-Amalia-Bibliothek.

Die internationale Gruppe der Sommerschule des Weimarer Dreiecks in dieser Woche in der Anna-Amalia-Bibliothek.

Foto: Friederike Vogel

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Welche Antworten liefert Goethe auf die Migrations- und Flüchtlingsdebatte? Das versuchen 16 Schülerinnen und Schüler aus drei europäischen Ländern – Deutschland, Frankreich und Polen – in dieser Woche im Rahmen der „Jungen Europäischen Sommerschule“ der Länder des Weimarer Dreiecks herauszufinden.

Die 16- bis 19-Jährigen sind auf dem Wielandgut in Oßmannstedt zu Gast und beschäftigen sich mit den Themen Integration und Migration, ziehen Parallelen zu vergangenen Zeiten in der Weimarer Klassik und suchen Antworten auf aktuelle Fragen in historischen Büchern. „Wir wollen die Themen aus der Lebenswelt der Jugendlichen besprechen und vor dem Hintergrund der Weimarer Klassik beleuchten“, sagt Uta Tannhäuser von der Weimar-Jena-Akademie, die die Sommerschule zusammen mit dem Verein Weimarer Dreieck, der Klassik-Stiftung Weimar, der Gesellschaft Anna-Amalia-Bibliothek und dem Weimarer Rendezvous mit der Geschichte organisiert.

Julie Labelle (18) ist extra aus Paris gekommen. Ihre Deutschlehrerin hatte sie ermuntert, sich zu bewerben, und so ist sie zusammen mit ihrer besten Freundin nach Weimar gereist. Während ihre Mitschüler in den Ferien im Freibad oder am Strand liegen, wälzt sie zusammen mit Mateusz Libowski aus dem polnischen Racibórz Bücher in der Bibliothek. Doch das mache gar nichts, das Programm sei mindestens genauso gut wie Urlaub, sagt Mateusz (17). Neben dem Interesse an Literatur verbindet die Jugendlichen die deutsche Sprache. Sie alle lernen zu Hause Deutsch, das war die Voraussetzung für die Teilnahme an der Sommerschule. Und Goethe, sagt Julie, sei der einzige deutsche Dichter, über den sie in der Schule überhaupt etwas gelernt habe. Sie freue sich, das noch ein wenig auszubauen.

Die Schülerinnen und Schüler haben sich unter dem Oberthema weitere Unterthemen ausgesucht, die sie während der Woche bearbeiten. Unter anderem geht es um französische Geflüchtete in Deutschland im Zeitalter der französischen Revolution. Zusammen mit dem Literatur- und Kunsthistoriker Paul Kahl lesen die Teilnehmer Goethes „Hermann und Dorothea“, ein Epos, in dem es um die Liebesgeschichte zwischen der aus Frankreich geflüchteten Dorothea und dem Deutschen Hermann geht. Wie sieht Goethe die Geflüchteten und wie behandelt er die Migration in seinem Werk – die Relevanz des alten Textes für die heutige Zeit arbeiten die Jugendlichen in diesem Projekt heraus.

Ihre Ergebnisse bereiten sie multimedial auf und veröffentlichen sie auf der Internetplattform Youpedia.de.

Öffentliche Projektpräsentation Samstag, 13. Juli, um 10.30 Uhr im Studienzentrum der HAAB

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