Schiller vom Denkmal geholt und in Gegenwart transportiert

Weimar.  Schillers Balladen erzählen spannende, teils sehr aktuelle Geschichten. In seiner jüngsten Produktion bringt das DNT sie neu auf die Bühne.

„Hoffnung - Schiller synthesized" wurde am DNT Weimar gemeinsam von den Schlagwerkern Timo Schmeichel und Simon Lauer und Schauspieler Sebastian Kowski erarbeitet.

„Hoffnung - Schiller synthesized" wurde am DNT Weimar gemeinsam von den Schlagwerkern Timo Schmeichel und Simon Lauer und Schauspieler Sebastian Kowski erarbeitet.

Foto: Candy Welz

Es beginnt furios. Mit Licht- und Soundeffekten. „Abend wards und wurde Morgen, / Nimmer, nimmer stand ich still“, rezitiert Sebastian Kowski Schillers „Der Pilgrim“. „Aber immer bliebs verborgen,/ Was ich suche, was ich will“. In ein gänzlich neues Gewand setzt die jüngste DNT-Produktion „Hoffnung, schiller synthesized“ Balladen und Gedichte von Friedrich Schiller. In kongenialem Miteinander erarbeiteten die beiden Schlagwerker Simon Lauer und Timo Schmeichel, Staatskapelle Weimar, mit DNT-Schauspieler Sebastian Kowski die Texte sprach- und ausdrucksgewaltig neu. Im Gewand elektronisch animierter Drum-Sounds, unterstützt von Theremin und Synthesizer, sind Schillers Texte neu und sehr heutig wieder zu entdecken. Die Premiere am Samstag, 17. Oktober, in der DNT-Studiobühne ist bereits ausverkauft.

Bereits vor einem Jahr entstand die Idee zu der spartenübergreifenden Zusammenarbeit, berichtet das Schauspieler-Musiker-Trio. Für sie lag der große Reiz des gemeinsamen Projektes darin, „etwas zu machen, was mit unserem sonstigen Betätigungsfeld nichts zu tun hat“, sagt Simon Lauer. Schauspieler und Schlagwerker haben bereits sehr erfolgreich und mehrfach bei der (Kammer-)Musik-Reihe „Anschlag“ und bei Schwitters „Ursonate“ zusammengearbeitet.

Für Sebastian Kowski liegt die Verbindung von Schiller-Texten und Schlagwerk „auf der Hand, denn Schillers Sprache ist ja sehr rhythmisch“. Dieser Rhythmus inspirierte die Musiker. Schiller-Balladen und Musik müssten eine Einheit ergeben, lautete die Vorgabe. In diesem Zusammenhang nennt Simon Lauer als Beispiel „Die Kraniche des Ibykus“: Da habe es besonders viel Spaß gemacht zu schauen, „welchen Grundrhythmus bringt das Vermaß mit“. Gemeinsam loteten sie die Texte auf ihre Stimmungen aus. Als positiv empfand Simon Lauer, dass Sebastian Kowski „sehr musikalisch ist und ein gutes Rhythmusgefühl hat.“ Entstanden sei „alles in enger Zusammenarbeit. Wir haben gemeinsam improvisiert, Dinge wieder verworfen, anderes versucht“, berichtet Sebastian Kowski.

Zudem behandele Schiller „Themen, die jetzt gerade wieder aktuell sind“, betont Timo Schmeichel. „Es reden und träumen die Menschen viel/ von bessern künftigen Tagen“, heißt es in Schillers „Hoffnung“. Für die Mitwirkenden ein Anlass „Schiller im positiven Sinne vom Denkmal herunterzuholen und in die Gegenwart zu transportieren“. Sebastian Kowski hofft, mit dem gemeinsamem Projekt auch junge Leute anzusprechen: „Schillerballaden sind ja in der Schule nicht unbedingt die beliebtesten“. Die Balladenauswahl sei gemeinsam mit Chefdramaturgin Beate Seidel getroffen worden, „um die besten zu finden“. Da dürfen dann auch „Der Taucher“, „Die Bürgschaft“ und die „Kraniche“ nicht fehlen.

Nächste Aufführungen: 30. Oktober, 12. und 21. November, 11. Dezember, weitere sind ab Januar 2021 geplant; Karten an der Theaterkasse.