Soll Weimar nach Messerstichen jetzt den Park schließen?

Weimar.  In der Nacht zum Sonnabend ist ein 24-Jähriger von einem anderen Jugendlichen im Weimarhallenpark schwer verletzt worden. Nun werden Überlegungen laut, den Park zumindest nachts zu schließen.

Wird aus dem erholsamen Weimarhallenpark ein Schwerpunkt der Drogenkriminalität?

Wird aus dem erholsamen Weimarhallenpark ein Schwerpunkt der Drogenkriminalität?

Foto: Michael Baar

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Sollte der Weimarhallenpark am Wochenende oder zumindest nachts geschlossen werden? Das zumindest meint der Leser Dennis S. nach seinen Beobachtungen in der Nachbarschaft. Anlass für seine Äußerung ist ein Vorfall vom späten Freitagabend.

Kurz vor Mitternacht standen mehrere Einsatzfahrzeuge mit Blaulicht vor dem Bauhausmuseum. Nach Recherchen der Redaktion hatte es zuvor eine Auseinandersetzung im Drogenmilieu gegeben. Dabei wurde ein 24-Jähriger von einem 21-Jährigen mit einem Messer so schwer verletzt, dass er ins Klinikum gebracht werden musste. Der junge Mann werde die Verletzungen überleben, hieß es am Montag unter der Hand. Verletzungen weiterer Beteiligter waren dem Vernehmen nach weniger schwer.

Die Polizei konnte durch Zeugenaussagen offenbar schnell den mutmaßlichen Verursacher der Stichverletzung ausmachen. Sie nahm ihn auch vorläufig fest. Die Ermittlungsergebnisse reichten dem Staatsanwalt allerdings nicht aus, um einen Haftbefehl auszustellen. Dafür sollen vor allem widersprüchliche Zeugenaussagen zum mutmaßlichen Täter gesorgt haben.

Bürgermeister Ralf Kirsten (Weimarwerk) hält die Frage nach einer nächtlichen Schließung für legitim. Nach den jüngsten Ermittlungserfolgen der Polizei sei auch er davon ausgegangen, dass im Weimarhallenpark etwas Ruhe eingekehrt ist. Der frühere Polizeichef spielte damit auf die sechsköpfige Park-Bande an, die Anfang Oktober ausfindig gemacht wurde. Bei Wohnungsdurchsuchungen wurde umfangreiches Beweismaterial gesichert. Gegen insgesamt vier der sechs Verdächtigen sind Haftbefehle vollstreckt.

Abschreckende Wirkung der Ermittlungserfolge hält nicht lange an

Im Sommer 2018 hatte die Kripo einen Dealer mit nicht unbedeutenden Mengen an illegalen Drogen und Drogengeld festgenommen. Im Frühjahr wies Weimars neuer Polizeichef René Treunert allerdings darauf hin, dass die Kriminalstatistik nicht das gesamte Ausmaß der Drogenkriminalität abbilden kann. Er versprach: „Wir bleiben an diesem Thema dran.“ Damit meinte er auch jene Orte, für die es bereits Sorgen gab, sie könnten sich zu Schwerpunktbereichen entwickeln, etwa der Uni-Campus und der Weimarhallenpark.

Die abschreckende Wirkung der Ermittlungserfolge hielt angesichts des Vorfalls vom Freitag nicht lange an. Davon, den Park zu schließen, hält Weimars Bürgermeister mit Polizei-Vergangenheit dennoch nichts. „Überall in Deutschland, wo das versucht wurde, ist es schiefgegangen“, erinnert er, „ob in Berlin oder in Frankfurt am Main.“

Polizei und Stadt können immensen Kontrollaufwand nicht leisten

Abgesehen davon sei es bei sieben Zugängen zum Park auch ganz praktisch nur schwer machbar. Das ziehe dann einen so immensen Kontrollaufwand nach sich, dass ihn weder die Polizei noch die Stadt leisten könne. „Wenn Kriminalität an einer Stelle vertrieben wird, dann sucht sie sich einen neuen Ort“, so Kirsten. Die Straftäter müssen ermittelt und überführt werden.

Der Bürgermeister verweist darauf, dass er mit dem Polizeichef im regelmäßigen Austausch ist. Auch über den Weimarhallenpark werde man wieder sprechen.

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