Sorgen der Nachbarn größer als Interesse am Sanierungsgebiet

Weimar  Bürgerabend zur Nördlichen Innenstadt bekam ein fünftes Thema, aber keine Diskussionsbereitschaft dafür

Schmuckstück ohne Hinterland: Das alte Schlachthofgelände in Weimar.

Schmuckstück ohne Hinterland: Das alte Schlachthofgelände in Weimar.

Foto: Michael Baar

Seit mehr als 20 Jahren ist die Nördliche Innenstadt ein Sanierungsgebiet. Im Jahr 2021 läuft die gültige Rahmenplanung aus. Doch jedermann sieht, dass es Sinn macht, dessen Laufzeit noch einmal zu verlängern. Was die Bürger als notwendige Sanierungsziele ansehen, das sollte am Abend mit ihnen in der Aula der Falk-Grundschule besprochen werden. Doch der Abend nahm zumindest in Teilen eine ganz andere Richtung.

Tatsächlich haben sich die Wohn- und Lebensbedingungen im 40 Hektar großen Sanierungsgebiet zwischen Bahnlinie, Döllstädt-, Herbst- und Asbachstraße, Rathenauplatz, Rosenthal- und Schlachthofstraße in den letzten 20 Jahren deutlich verbessert. Mehr als drei Viertel aller Wohngebäude wurden mindestens einmal saniert. Das schlug sich in der Einwohnerzahl nieder, die von 4750 im Jahr 1997 auf 6557 im vergangenen Jahr gestiegen ist.

Doch besonders die öffentlichen Straßen und Plätze jenseits der Hauptverkehrsachsen haben Sanierungs- und Gestaltungsbedarf. Was sich die Bürger an Entwicklung in der Nördlichen Innenstadt in Sachen Stadtgestaltung und Wohnen, für Erholung und Freizeit, Verkehr und Mobilität sowie Klima- und Umweltschutz vorstellen, das wollten Stadtverwaltung und das Stadtplaner-Büro Quaas am Montagabend wissen. Doch 13 der 20 Bürger, die in die Aula der Grundschule gekommen waren, wollten ein fünftes Thema besprechen.

Die Frauen und Männer gehören mit ihren Grundstücken nicht zum Sanierungsgebiet, sondern wohnen in direkter Nachbarschaft an der Rosenthalstraße. Ihr Argument: Das Sanierungsgebiet werde von einer Entwicklung beeinflusst, deren Dimension öffentlich gar nicht bewusst sei. Die geänderte Bebauungsplanung für das alte Schlachthofgelände habe massive Auswirkungen auf Verkehr und Umwelt.

Allein das Fahrzeugaufkommen bis zum Jobcenter werde damit von heute 2200 auf dann 5300 Fahrzeuge am Tag steigen und durch das Sanierungsgebiet rollen bzw. sich stauen.

Eine fünfte Themengruppe aber lehnten Stadtarchitekt Bernward Fechtel und die Beigeordnete Claudia Kolb ab. Das sei schon wegen des laufenden förmlichen Verfahrens zur Änderung des Bebauungsplans nicht möglich. Die Beigeordnete verwies auf den Bau- und Umweltausschuss, der sich am (heutigen) Dienstag mit dem Thema befasse, und auf die bevorstehende Stadtratsentscheidung. Danach könne man gern noch eine spezielle Informationsveranstaltung machen. – Die Bürgergruppe ging. Für das „Welt-Café“ und die Fragen der Quaas-Stadtplaner blieben 7 Bürger.

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