Ungefilterte Realität des Krieges

Weimar.  Stadtmuseum Weimar zeigt: „Tony Vaccaro – Bilder aus dem Alltag eines US-Soldaten während des Zweiten Weltkrieges“

Kurator Paul Oechsner ist der Initiator und die Seele der Ausstellung im Stadtmuseum.

Kurator Paul Oechsner ist der Initiator und die Seele der Ausstellung im Stadtmuseum.

Foto: Maik Schuck

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Das Stadtmuseum im Bertuchhaus zeigt vom Himmelfahrtstag an die Sonderausstellung „Tony Vaccaro – Bilder aus dem Alltag eines US-Soldaten während des Zweiten Weltkrieges“. Sie umfasst 48 Kriegsfotografien des damals 21-jährigen Tony Vaccaro, der nach dem Krieg zu einem erfolgreichen Fotografen in den USA wurde. Ergänzt wird die Ausstellung durch Militär-Utensilien und Informationen zu den letzten Kriegstagen in und um Weimar.


Für Alf Rößner, Direktor des Stadtmuseums, ist die Ausstellung historisch wie künstlerisch wertvoll. Er sieht nicht allein die kostbaren und gut präsentierten Vaccaro-Bilder. Auch das Zustandekommen der Ausstellung durch Paul Oechsner, den ehrenamtlichen Kurator, ist bemerkenswert. Der 25 Jahre alte Forstwirtschaftsstudent aus Niederzimmern lernte Vaccaro beim D-Day-Jubiläum kennen. Er besuchte ihn in New York und begeisterte ihn für eine Ausstellung in Weimar.


Tony Vaccaro wurde 1943 von der US-Army eingezogen. Der leidenschaftliche Fotograf wollte den Krieg, in den er unfreiwillig als Soldat geworfen wurde, für die Nachwelt festhalten. Mit dem Gewehr in der einen Hand und seiner Kamera in der anderen, dokumentierte er als Infanterie-Soldat mit über 8000 Aufnahmen das Grauen des Zweiten Weltkrieges an vorderster Front. Später machte er Karriere als Fashion- und Porträtfotograf. Vor seiner Kamera standen Persönlichkeiten wie John F. Kennedy, Sophia Loreen oder Pablo Picasso.


Die Ausstellung zeigt eindrucksvolle Kriegsfotos, die Vaccaro bis in die Neunziger-Jahre nicht öffentlich zeigte, um die schrecklichen Erinnerungen hinter sich zu lassen. Doch seine Bilder zeigen auf einzigartige, kunstvoll wirkende Art und Weise die ungefilterte Realität des Krieges. Keines der Fotos ist gestellt, wie viele Bilder der offiziellen Pressefotografen der US-Army. Alle seine Bilder entstanden an vorderster Front. Besonders schockierend dabei: die zufällige Aufnahme eines Soldaten in dem Moment, als er tödlich getroffen wird. Ein beklemmendes Requiem: „Der weiße Tod“, das Bild des toten Gefreiten Henry Tannenbaum im Schnee.


Tony Vaccaro möchte heute mit seinen Kriegsbildern mahnen. Zu seiner Ausstellung sagt er: „Meine Bilder zeigen, dass Krieg völlig sinnlos ist. Wir müssen begreifen, dass wir weder Deutsche noch Italiener oder Amerikaner sind, sondern alle nur Menschen. Wir sind alle gleich!“


Heute ist Tony Vaccaro 97 Jahre alt, lebt in New York und arbeitet noch immer in seiner Fotogalerie. Vor wenigen Wochen hat er das Corona-Virus überstanden und ist wieder wohlauf. Seine Reise nach Weimar musste aber ebenso verschoben werden wie die für April 2020 geplante Ausstellungseröffnung zum 75. Jahrestag der Befreiung.

Die Ausstellungszeit im Stadtmuseum Weimar reicht nun bis zum 26. Juli 2020. Bis 31. Mai 2020 ist der Eintritt frei. – Der ehrenamtliche Kurator Paul Oechsner wird unterstützt vom Tony Vaccaro Studio, vom BgR Weimar, vom Stadtmuseum Weimar, vom Flugplatz Nohra e.V. und von den Natur- und Heimatfreunden Niederzimmern.

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