Versteigerung des Senders Weimar bringt nur ein dürftiges Gebot

Weimar  Eine Zwangsversteigerung ist abermals gescheitert. Einen neuen Anlauf gibt es wohl beim Güterbahnhof. Und beim Volkshaus steht offenbar ein Erfolg bevor.

Erneut ist ein Versuch gescheitert, das alte Funkhaus in der Humboldtstraße zu versteigern.

Erneut ist ein Versuch gescheitert, das alte Funkhaus in der Humboldtstraße zu versteigern.

Foto: Michael Baar

Vorerst erneut auf Eis gelegt haben die Stadt Weimar und ein Weimarer Unternehmen ihren Versuch, über die Zwangsversteigerung des ehemaligen Funkhauses in der Humboldtstraße ihre Forderungen gegenüber dem Eigentümer der Immobilie geltend zu machen. Sie beendeten das Verfahren gestern vor dem Weimarer Amtsgericht vorübergehend mit einer einstweiligen Einstellung.

Die Außenstände, die nichts mit dieser Immobilie zu tun, sondern sich bei der Stadt unter anderem wegen unbezahlter Grundsteuerforderungen angehäuft haben, belaufen sich insgesamt auf mehr als eine Million Euro. Als Verkehrswert hatte das Amtsgericht für den ehemaligen Sender Weimar 1,6 Millionen Euro festgelegt, als Mindestbargebot 17.000 Euro sowie eine Sicherheitsleistung von zehn Prozent des Verkehrswertes, also 160.000 Euro.

Im Rahmen der sogenannten Bieterstunde im voll besetzten Saal des Amtsgerichtes wurde allerdings nur ein Gebot abgegeben. Ein dolmetschender russischer Anwalt präsentierte dabei den vermeintlichen Geschäftsführer eines Unternehmens aus Prag, der gewillt sei, für die Immobilie 20.000 Euro zu bieten. Die Frage der Stadt- und Unternehmensvertreter, ob die notwendige Sicherheitsleistung hinterlegt worden sei, bejahte der zuständige Rechtspfleger. Daraufhin zogen sich die beiden Parteien mit Oberbürgermeister Peter Kleine, der das Verfahren beobachtete, zurück. Mit dem Ergebnis, dass sie die einstweilige Einstellung beantragten.

„Das war kein ernst zu nehmendes Gebot“, kommentierte Peter Kleine im Anschluss gegenüber unserer Zeitung. Ein Zuschlag wäre ohnehin erst bei mindestens der Hälfte des Verkehrswertes möglich gewesen, das Gebot an sich war aber rechtlich zulässig.

Die Stadt und das Unternehmen auf der einen sowie der Besitzer der Immobilie auf der anderen Seite werden sich erneut vor Gericht treffen. Wobei der in Weimar ansässige Geschäftsmann, dem einst auch Schloss Reinhardsbrunn gehört hatte, gestern keinen offiziellen Vertreter im Gericht hatte. Allerdings waren seine Söhne vor Ort und unterhielten sich anschließend vor der Tür mit dem vermeintlichen Geschäftsführer.

In Kürze steht zum wiederholten Mal die Zwangsversteigerung des Güterbahnhofes Weimar im Amtsgericht an. Wie bereits im März 2018, als derselbe russische Anwalt vom gestrigen Termin eine andere Prager Firma samt einer Geschäftsführerin vertrat, liegt der festgelegte Verkehrswert bei 697.000 Euro. Das Immobilien-Unternehmen aus Tschechien hatte seinerzeit ein Gebot von um die 20.000 Euro abgegeben.

Das Amtsgericht musste sich auch bereits mit der Zwangsversteigerung des Volkshauses befassen, das ebenfalls zum Immobilien-Imperium des russischen Geschäftsmanns gehört. Einer seiner Söhne hatte das Gebäude im Juli 2005 mit der Aussicht auf baldige Sanierung gekauft. Seither verfällt es. Im Zuge des Verfahrens soll es einen Zuschlag für einen Investor gegeben haben, dessen Angebot aus Sicht der Stadt und des wiederum beteiligten Weimarer Unternehmens akzeptabel gewesen sein soll. Der Zuschlag soll allerdings von Seiten des Besitzers rechtlich angefochten worden sein. Eine offizielle Bestätigung dieser Information von Seiten des Gerichts oder der Stadt gab es gestern auf Anfrage unserer Zeitung allerdings nicht.

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