Wegen Corona-Virus gestrandet: 16 Ärzte sitzen in Peru fest

Ihre Rückkehr war vergangenen Freitag geplant und könnte sich jetzt sogar bis Ende April verzögern

Am 22.03.2020 war die Stimmung unter den Reiseteilnehmern noch deutlich besser. Zwar herrschte schon Ausgangssperre, aber die Hoffnung auf eine baldige Heimkehr war noch vorhanden

Am 22.03.2020 war die Stimmung unter den Reiseteilnehmern noch deutlich besser. Zwar herrschte schon Ausgangssperre, aber die Hoffnung auf eine baldige Heimkehr war noch vorhanden

Foto: Stefan Eberhardt

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Weimar. Eigentlich würde man sie unter anderem in ihren Praxen in Weimar, Tannroda, Kromsdorf oder Erfurt dringend brauchen. Doch für 16 Thüringer Zahnärzte und ihre Begleitungen ist der Weg von Peru nach Hause derzeit völlig unbekannt. Geplant war die Rückkehr aus dem Andenstaat von einer Fachexkursion, die am 9. März begonnen hatte, am Freitag vergangener Woche. Alle aktuellen Infos im kostenlosen Corona-Liveblog

Doch bereits Anfang letzter Woche wurde bekannt, dass der Rückflug über Amsterdam abgesagt wurde. Was anfangs noch als lösbares Problem schien, zeigte sich rasch als immer größer werdende Hürde, denn die peruanische Regierung hatte mit einem Dekret ab 16. März für 15 Tage den nationalen Notstand erklärt und eine landesweite Quarantäne verhängt. Einher gingen die Schließung der Grenzen des Landes und der internationale Transport von Passagieren auf dem Land-, Luft-, See- und Flussweg. Seither ist es nicht mehr möglich, nach Peru ein- oder auch von dort auszureisen.

Was die Thüringer nicht wussten: Bereits zuvor wurde eine weitere Regelung in Kraft gesetzt, nach der seit dem 16. März sämtliche Flüge sowohl aus als auch nach Europa und Asien für 30 Kalendertage ausgesetzt wurden. Seitdem sind sie in einem kleinen Hotel in Cusco, der einstigen Hauptstadt des Inka-Reichs, untergekommen, mittlerweile auf eigene Kosten. Das Befremdliche für die Thüringer: Das bewaffnete Militär patrouilliert in der Stadt, um die Ausgangssperre durchzusetzen, auch Drohnen sind dafür im Einsatz. Nicht einmal im Hotel dürfen sie sich als Gruppe zusammensetzen. Eine nervliche Belastung ohne Gleichen.

Dass es für sie derzeit scheinbar keinen Weg zurück nach Hause gibt, ist für sie nicht nachvollziehbar. Genauso wenig, dass eine angekündigte Rückholmaschine nach Frankfurt am Main kurzfristig abgesagt wurde. Die peruanische Regierung erklärte, dass nur der Frachtverkehr aufrechterhalten werden soll. „Aufgrund dieses Umstands hat der für Montag, den 23. März 2020, angekündigte Lufthansa-Flug von den peruanischen Behörden keine Landegenehmigung bekommen“, so der deutsche Botschafter Stefan Herzberg auf Facebook. Wie die Zahnärzte berichten, wurden die ebenfalls im Hotel untergebrachten US-Bürger binnen drei Tagen nach Hause geholt. Und fragen sich, warum sie immer noch in Peru festsitzen.

Auch wenn das Auswärtige Amt Rückführungen aus Peru nach eigenen Angaben mittlerweile einleitet hat, könnte es sein, dass die rund 4000 Deutschen alle aus Limas Hauptstadt Peru ausgeflogen werden. Doch dazu müssen Zahnärzte mit ihren Begleitungen erstmal rund 1100 Kilometer hinter sich bringen – wie, ist unklar.

Nach neuesten Entwicklungen sollen von ausländischen Regierungen organisierte Rückholflüge jetzt über den militärischen Teil des Flughafens in Lima „Grupo Aéreo 8“ erfolgen. Die Regierung Perus hat jedoch noch keine Genehmigungen dafür erteilt. Erst danach wolle man versuchen, auch in Cusco Rückholflüge einzurichten. Dienstagmittag gab Honorarkonsulin Maria Jürgens die Liste der in Cusco gestrandeten Deutschen an die deutsche Botschaft weiter. Sie „hoffen, dass es für Anfang nächster Woche Flüge aus Cusco und dann gleich weiter nach Deutschland geben wird". Besonders erschwerend für ihre Arbeit seien die immer wieder neuen Verordnungen. „So reicht es inzwischen nicht mehr, eine polizeiliche Genehmigung für die Überlandfahrten vorzuweisen, nun muss auch das peruanische Außenministerium diese Fahrten genehmigen, wobei zur Auflage gemacht wird, dass alle Ausländer, die in die Stadt Cusco einreisen, zwei Wochen in Quarantäne ohne Ausgangsmöglichkeiten festgesetzt werden sollen“, so die Honorarkonsulin weiter.
Wann die 29-köpfige Reisegruppe endlich Thüringen erreicht, steht also in den Sternen, womöglich erst Ende April -- und dann könnte hier noch eine Quarantäne auf sie warten. So lange bleiben die 16 Thüringer Zahnarztpraxen nur in der Notbesetzung, ohne Chef, und müssen gegebenenfalls vorübergehend geschlossen werden, sodass statistisch rund 17.300 Thüringer ohne ihren Zahnarzt des Vertrauens auskommen müssen.

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