Weimar entdeckt eine bemerkenswerte Künstlerpersönlichkeit wieder

Weimar  Neue Ausstellung im Stadtmuseum erinnert mit einer Sonderausstellung an Mathilde von Freytag-Loringhoven. Viele Gemälde aus Privatbesitz erstmals öffentlich zu sehen

Antje Neumann-Golle kuratierte die Ausstellung mit Jens Riederer, dem Leiter des Stadtarchivs. Im Hintergrund ist die Malerin zu sehen.

Antje Neumann-Golle kuratierte die Ausstellung mit Jens Riederer, dem Leiter des Stadtarchivs. Im Hintergrund ist die Malerin zu sehen.

Foto: Christiane Weber

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Mathilde von Freytag-Loringhoven (1860-1941) ist bekannt als Gegnerin des Bauhauses. Legendär sind auch ihre beharrlichen Versuche, ihrem Dackel Kurwenal das Sprechen beizubringen. Wer aber kennt heute ihr beachtliches künstlerisches Oeuvre?

Es ist ein besonderes Verdienst des Stadtmuseums, in seiner neuen Ausstellung ihre Persönlichkeit in ihren unterschiedlichsten Facetten zu beleuchten. Das war nicht einfach und kostete rund zwei Jahre Recherchearbeit. „Tilly“, wie Freunde sie nannten, war eine bemerkenswert emanzipierte Frau mit einem Job als Theater-, Kunst- und Musikkritikerin, war gewählte Stadtverordnete, Tierpsychologin und Künstlerin. Sie schrieb Bücher, Theaterstücke und stand auch selbst auf der Bühne.

Antje Neumann-Golle und Jens Riederer, Leiter des Stadtarchivs, kuratierten die Ausstellung. Diese folgt nach Angaben von Museumsleiter Alf Rößner abermals dem erklärten Ziel, Künstlerinnen und Künstler der Weimarer Kunstschule und ihr Schaffen in Erinnerung zu rufen. So holt die Ausstellung eine Weimarer Künstlerin neu ins Licht der Öffentlichkeit, die zu Unrecht oftmals auf ihre Gegnerschaft zum Bauhaus reduziert wird. In diesem Zusammenhang würden oft auch Zitate übernommen, die nicht gesichert sind, ärgert sich Jens Riederer. Zu sehen ist von Bleistiftzeichnungen, Radierungen bis zu großformatigen Ölgemälden, von Landschaften über Porträts und Stillleben bis zu famosen Seestücken und Baumbildern die reiche Palette an Motiven, welche „Tilly“ als eines der ersten „Malweiber“ in Weimar überhaupt inspirierte. „Leider haben sich kaum schriftliche Zeugnisse aus der Hand der Künstlerin erhalten, die Aufschluss über ihre eigene künstlerische Auffassung und ihre persönliche Verortung innerhalb der Kunstgeschichte geben“, bedauert Antje Neumann-Golle.

Die „Fürsprecherin des Weimarer Erbes“ war Privatschülerin von Karl Buchholz, später Schülerin von Leopold Graf von Kalkreuth, Max Thedy und Ludwig Freiherr von Gleichen-Russwurm. Als die Kuratoren im Februar im Rathauskurier um Mithilfe für eine Ausstellung über Mathilde Freytag von Loringhoven baten, war das Echo überraschend groß. Aus ganz Deutschland wurden Gemälde für die Ausstellung angeboten. Ohne diese Unterstützung aus Privatbesitz und ohne die weit verzweigte Familie von Freytag-Loringhoven wäre die Ausstellung nicht möglich gewesen, dankt Antje Neumann-Golle.

Begleitet wird die Ausstellung von einer Vielzahl an Kuratorenführungen, Kinder- und Familienveranstaltungen.

Heute, Freitag, 17 Uhr, Eröffnung der Ausstellung im Stadtmuseum; zu sehen bis zum 12. Januar: Dienstag bis Sonntag 10-17 Uhr

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