Yiddish Summer in Weimar

Weimar  Ein warmer Schabbat-inspirierter Abend wird an der Musikschule in Weimar zum Festival „Yiddish Summer“ gefeiert.

Miriam Camerini aus Mailand (links) und Sveta Kundish führen durch den Schabbat-inspirierten Abend in Weimar.

Miriam Camerini aus Mailand (links) und Sveta Kundish führen durch den Schabbat-inspirierten Abend in Weimar.

Foto: Esther Goldberg

Ja, das geht. Es lässt sich gut singen, dass Frieden sein möge. Sholem zol seyn. Und dennoch – oder gerade deshalb? – ist das heiter-beschwingte Tanzen und Lachen das Grundgefühl dieses Abends.

Die angehende Rabbinerin Miriam Camerini aus Mailand und Kantorin Sveta Kundish, die in Deutschland und Israel zu Hause ist und in der Ukraine geboren wurde, haben es nicht schwer, das Publikum zum Miteinander einzuladen. „Eine Stimme, die von Herzen kommt“, nennen sie diesen Abend, der zwar kein Konzert ist, aber von international bekannten Künstlern des Yiddish Summer Weimar getragen wird. „Für mich ist dieser Abend wie ein Besuch bei Freunden“, meint Alan Bern, der künstlerische Leiter des Yiddish Summer Weimar. Natürlich, man kennt sich. Und auch das Publikum weiß, worauf es sich freuen darf: Auf einen Abend, der Lebenslust und Dankbarkeit gegenüber dem Leben und Wärme bietet.

Dass es Alan Bern nicht auf seinem Platz am Tisch halten wird, wenn der Abend beginnt, ist beinahe klar. Obwohl er derzeit in den Endproben für seine Weltpremiere des Buches Esther steht und „einfach sehr kaputt ist“, wie er sagt. Bei Freunden aber lehnt man sich nicht nur zurück. Und ein Musiker tut fast immer, was ein Musiker tun muss: Er geht ans Klavier. Oder nimmt die Klarinette, die Geige, die Stimme.

Die Sonne ist an diesem Abend noch nicht untergegangen, als Kundish und Camerini in den kleinen Saal hinein kommen. Sie wollen gemeinsam mit dem Publikum gewissermaßen spielerisch die Braut Schabbat begrüßen. Denn wenn der Mond zu sehen sein wird, beginnt der Ruhetag in der jüdischen Religion, der Schabbat. Wer sind die an der Geige, mit der Klarinette, mit dem Akkordeon? Dozenten der verschiedenen Workshops des Yiddish Summer? Oder Teilnehmer? Es spielt keine Rolle. Die Grenzen sind fließend. Man sitzt beisammen, singt und tanzt. Es entstehen regelrechte Choreografien. Die Atmosphäre ist geeignet, einander zu begegnen. Ein Lachen zu schenken, von einem Lachen beschenkt zu werden. Sholem soll sein, Frieden soll sein. Der ganz kleine Frieden und – ach, wenn das doch nur ginge – der ganz große gleich noch dazu.

Mittendrin: Steffi Hölzle (Geige) und Daniel Marsch (Akkordeon). Sie kommen aus der Nähe von Köln, sind das fünfte Mal in Weimar. Die Atmosphäre holt sie heraus aus ihrem Alltag, sie freuen sich auf den Workshop, den sie besuchen werden. An diesem Abend aber sind sie einfach nur froh über Stunden einer Leichtigkeit, die von Herzen kommt und mit Oberflächlichkeit nichts zu tun hat.

Der Moment der Stille gibt die Chance, die eigene Woche zu reflektieren: Was ist geschafft? Was bleibt? Dann kommt, ganz sanft und ganz leise, Mendy Cahan in die Runde. Der geborene Belgier begrüßt die Braut Schabbat und singt auf innige Weise dieses „Sholem zol seyn“ . Frieden soll sein. Hier und da.

Emes? Emes. Es ist so.

Mehr Infos über weitere Veranstaltungen unter www.yiddishsummer.eu

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