Rollstuhl-Basketballer der Thuringia Bulls gewinnen Spitzenspiel

Elxleben  Die Rollstuhl-Basketballer der Thuringia Bulls untermauern mit dem Sieg im Liga-Gipfel über Lahn-Dill ihre nationale Dominanz.

Elxlebens Topscorer Jake Williams (vorn, 24 Punkte) und Alex Halouski (hinten, 26) sicherten den Sieg über Lahn-Dill.

Foto: Sascha Fromm

Am Ende war der Trainer sogar nachsichtiger als sein Führungsspieler. „Wir hatten das Spiel immer unter Kontrolle, die Jungs haben den Plan über 40 Minuten sehr gut umgesetzt“, meinte Michael Engel, Coach der RSB Thuringia Bulls. Diese hatten soeben das Spitzenspiel der Rollstuhlbasketball-Bundesliga gegen Verfolger Lahn-Dill mit 80:72 (37:28) gewonnen, ihn vor allem im dritten Viertel fast schon gedemütigt.

Dennoch bemängelte ihr Topscorer Alex Halouski (26 Punkte) angesichts des mit 18:29 verlorenen Schlussabschnitts: „Wir haben am Ende die Konzentration verloren, das müssen wir besser machen.“ Schließlich wartet in zwei Wochen, erneut in heimischer Halle, das Viertelfinale der Champions League.

Es dauerte exakt zehn Sekunden, ehe Jake Williams im Bundesliga-Gipfeltreffen von der Dreierlinie die ersten Punkte für den Tabellenführer besorgte. Anschließend war aber auch Lahn-Dill gleich voll da, Paye traf, ebenfalls aus der Distanz, zur ersten Führung der Hessen (5:7, 4.). Beide Teams bestachen durch starkes Zusammenspiel, verzeichneten aber auch einige Fehlwürfe – der beiderseitige Respekt spielte mit. Da die Bulls die leicht bessere Trefferquote hatten (4/12, Lahn-Dill nur 4/15 aus dem Feld) und zudem einige Freiwürfe versenkten, führten sie nach dem ersten Viertel mit 15:11.

Das Spiel war auch im zweiten Abschnitt von harten Positionskämpfen geprägt. Immer wieder verkeilten sich die Rollstühle der Kontrahenten ineinander. Auch die Feldwurfquoten blieben für beide untypisch niedrig, was auch an der starken Defense beider Teams lag.

Als der Tabellenzweite nach 13 Minuten auf 15:17 dran war, sah sich Bulls-Coach Engel zu seiner ersten Auszeit gezwungen. Nun war vor allem Bell bei Lahn-Dill besser im Spiel und glich zum 19:19 aus (15.). Doch Jake Williams startete seinen persönlichen Lauf und brachte die Elxlebener wieder mit 25:19 in Front. Nach Halouskis Treffer zum 27:19 hatte auch Wetzlars Trainerin Janet McLachlan zum ersten Mal Gesprächsbedarf.

Just, als die letzte Minute der ersten Halbzeit anbrach und die Gäste wieder in Reichweite zu kommen drohten, krönte Williams seine bis dato bärenstarke Leistung mit einem weiteren Dreier zum 32:25. Und weil’s so schön war, ließ er mit Ablauf der Zeit einen weiteren Distanzwurf butterweich durch die Reuse gleiten – die Bulls führten mit 37:28, Lahn-Dills Co-Trainer Günther Mayer pfefferte wutentbrannt seine Taktiktafel zu Boden. Im Hochgefühl dieses starken Schlussakkords von Hälfte eins starteten die Bulls direkt nach der Pause einen Lauf, mit dem sie im Nu auf 46:30 einteilten (24.).

Das Uhrwerk der Wetzlarer war nun völlig aus dem Takt – exemplarisch dafür spielte Thomas Böhme einen Pass ins Nichts. Die Stimmung auf der Bank der Gastgeber wurde zusehends gelöster, selbst Coach Engel fand die Zeit, sich umzudrehen und lächelnd mit seinem Co-Kapitän André Bienek zu fachsimpeln.

Neben Bienek kam Karlis Podnieks gar nicht mehr aus dem Klatschen und Jubeln raus, als die Führung seines Teams an der 20-Punkte-Marke kratzte.

Als die Kleinste ihres Teams, die Niederländerin Jitske Visser, sich gegen die Wetzlarer Hünen den Offensivrebound schnappte und Jens Albrecht den Korbleger zum 58:43 ermöglichte, waren die Ersatzspieler der Bulls endgültig in Ekstase. Das Spitzenspiel der beiden mit Abstand besten deutschen Rollstuhlbasketball-Mannschaften schien bereits im dritten Viertel entschieden, knapp acht Minuten vor Schluss führten die Bulls mit 23 Punkten.

Visser ließ ihre Männer munter weiterjubeln, als sie hinten erst Lahn-Dill den Ball klaute und ihn vorn mit Gefühl zum 64:43 in den Korb beförderte. Der große Vorsprung verleitete die Elxlebener allerdings zu einer Spur Nachlässigkeit – das ließ sich ihr Trainer Engel nicht bieten und rief sie zum Rapport, als Dreimüller mit einem völlig freien Dreier den Rückstand der Gäste auf 54:70 „verkürzte“ (35.).

Als Dreimüller zwei Minuten vor Spielende den nächsten Dreier zum 66:73 aus Gästesicht einnetzte und Lahn-Dill kur darauf gar auf vier Punkte dran war, verstummte die Bank der Bulls.

Doch wem anders als Jake Williams sollte es vorbehalten sein, die Partie zu entscheiden? 46 Sekunden waren noch auf der Uhr, als er einen Korbleger mit Foul und auch den Freiwurf zum 76:69 traf. So gewannen die RSB Thuringia Bulls das Spitzenspiel letztlich doch erwartet knapp mit 80:72. Der Rekordmeister aus Hessen hatte sich mit einem starken Schlussviertel gegen den amtierenden Champion eine Demütigung erspart.

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