Vom Dauerbrenner zur Club-Legende - Ermen Reyes-Napoles beendet Karriere

Jena.  Basketballer Ermen Reyes-Napoles beendet seine Karriere. Seine Trikotnummer wird bei Science City Jena nicht mehr vergeben.

Ermen Reyes-Napoles nimmt Abschied. Mit 31 Jahren beendet er bei Science City seine Karriere. Seit er elf Jahre alt war, spielt er für die Jenaer.

Ermen Reyes-Napoles nimmt Abschied. Mit 31 Jahren beendet er bei Science City seine Karriere. Seit er elf Jahre alt war, spielt er für die Jenaer.

Foto: Sascha Fromm

„Gebt Ermen den Ball!“ Der Spruch Anfang der 2000er-Jahre des damaligen Nachwuchstrainers Björn Harmsen hatte bei den Basketballern von Science City Jena über viele Jahre Bestand. Denn auf einen war unterhalb der Kernberge immer Verlass: Ermen Reyes-Napoles. Mit elf Jahren wechselte der Rudolstädter ans Sportgymnasium, feierte 2006 sein Debüt bei den Profis und war bis zuletzt immer fester Bestandteil der Jenaer Korbjäger.

Doch irgendwann geht auch ein Dauerbrenner, macht auch ein Publikumsliebling Schluss. Einer, der eigentlich zum Inventar gehört, wie Geschäftsführer Lars Eberlein immer sagte. Reyes-Napoles hat sich entschieden, dass dieser Zeitpunkt nun gekommen ist. Mit 31 Jahren beendet er seine Laufbahn, wird ab Oktober eine Ausbildung bei der Thüringer Polizei starten.

Fit genug für die Pro A

„Natürlich ist auch Enttäuschung dabei“, sagt Reyes-Napoles, der eigentlich für die kommende Saison noch einen Vertrag hatte und sich auch noch fit genug fühlt, auf dem Niveau in der 2. Bundesliga ProA zu bestehen. Weil seine Einsatzzeiten in der abgebrochenen Saison aber stark abnahmen, zieht der Familienvater seinen Abschied vor, nutzt die Zeit stattdessen lieber für die berufliche Zukunft. Als Leistungssportler will man schließlich immer spielen, sagt der Dreierspezialist.

Was bleibt sind die vielen Erinnerungen, die Erfolge mit Science City, an denen er seinen Anteil hat. Reyes-Napoles schaffte mit den Thüringern gleich zweimal den Sprung ins Oberhaus, ist mit 113 Spielen, in denen er 335 Punkte erzielte, Jenas Rekord-BBL-Spieler. „Wenn ich beschreiben soll, wie ein Spieler sein muss, würde ich sagen: Er muss immer Vollgas geben, er muss jedes Training da sein, er muss sein Ego hinten anstellen, er muss andere integrieren und er muss lange beim Verein sein“, sagte Björn Harmsen einst und meinte Reyes-Napoles.

Größter Erfolg Aufstieg 2016

Der Rudolstädter, der väterlicherseits kubanische Wurzeln hat, nennt den Aufstieg unter Trainer Harmsen mit den Jenaern 2016 in die BBL im Rückblick auch als seinen größten sportlichen Erfolg. „Das Duell mit Vechta um die Zweitligameisterschaft, dieses Kopf-an-Kopf-Rennen bis zum Schluss, das war schon eine tolle Zeit.“ Auch die folgenden Jahre in der Bundesliga, als er sich auch dank Immanuel McElroy und Julius Jenkins nochmal weiterentwickeln konnte, hat er nicht vergessen.

Unvergessen wird er dem Großteil der Jenaer Anhängerschaft bleiben, die ihn auch schon mal mit „MVP“-Rufen begrüßten oder deutlich ihren Unmut kundtaten, wenn Reyes-Napoles nicht spielte. In Sachen Einsatzwillen und Leidenschaft war der für einen Basketballer mit 1,83 Metern eher kleine Aufbauspieler nämlich immer der Größte auf dem Parkett.

Verabschiedung am ersten Spieltag

Auch deswegen lässt ihn sein Club nicht ohne große Danksagung ziehen. Die Nummer sieben, seine Nummer, wird Science City nie wieder vergeben. Eine Ehre, die Reyes-Napoles nach Mischa Zlotowski, Alexander Seggelke und Guido Grünheid erst als vierten Spieler in der Vereinshistorie zuteilwird. Und die ihn in den Kreis der Club-Legenden aufnimmt. Außerdem wird es eine große Verabschiedung beim ersten Saisonspiel vor Zuschauern geben. Sogar eigens gedruckte T-Shirts für seinen Abschied sind angedacht.

Eine Legende denkt aber auch an andere. Und so hat Ermen Reyes-Napoles extra noch einmal seinen Schrank geplündert, liebgewonnene Trikots und Warm-up-Shirts aus seiner Karriere hervorgekramt. Die versteigert er gemeinsam mit Science City ab August zugunsten des Kinderhospizes Mitteldeutschland. Ermen Reyes-Napoles geht eben als das, was er immer war – ein Teamspieler durch und durch.