Neue Ära und schwieriges Erbe: Sporttalk über Situation beim FC Rot-Weiß Erfurt

Erfurt.  „Sporttalk im Steigerwaldstadion“: Rot-Weiß-Trainer Goran Miscevic und Investor Franz Gerber über Aufstiegsträume und ein schwieriges Erbe.

Architekten des rot-weißen Neuaufbaus: Trainer Goran Miscevic (links) und Sportdirektor Franz Gerber.

Architekten des rot-weißen Neuaufbaus: Trainer Goran Miscevic (links) und Sportdirektor Franz Gerber.

Foto: Sascha Fromm

Der FC Rot-Weiß Erfurt hat sich neu aufgestellt. Seit Sommer ist die erste Mannschaft in eine Spielbetriebs GmbH ausgegliedert, neue Gesichter in Aufsichtsrat und Präsidium planen nach der Freigabe der Nachwuchsabteilung aus dem Insolvenzverfahren die Zukunft.

Beim Sporttalk im Steigerwaldstadion mit den Moderatoren Marco Alles und Gerald Müller sprechen Investor und Sportdirektor Franz Gerber sowie Trainer Goran Miscevic über vier Siege in Serie, beleuchten die Chancen für die Regionalliga-Rückkehr und bewerten das schwierige Erbe der Vergangenheit.

Die Sendung in kompletter Länge ansehen:

Salve TV Im Steigerwaldstadion Rot-Weiß Erfurt

DERBY-ZEIT

Franz Gerber: Trotz unserer vier Siege in Serie spielen wir noch lange nicht stabil genug. Deshalb können wir nicht sagen, wir werden am Sonntag sicher gewinnen. Es ist ein Derby, das steht immer unter gewissen Vorzeichen. Für Fahner Höhe ist es vielleicht das Spiel des Lebens. Deshalb werden wir auf große Gegenwehr treffen.

ZUSCHAUERZUSPRUCH

Franz Gerber: Wir sind schon seit Montag ausverkauft. Schade ist, dass wir wegen Corona nur 2260 Zuschauer ins Stadion lassen dürfen. Normalerweise hätten wir die doppelte Anzahl an Karten verkaufen können.

AUFSTIEGSCHANCEN

Goran Miscevic: Unser ganz großes Ziel ist der Aufstieg in die Regionalliga. Darauf ist unsere Arbeit ausgerichtet. Dafür arbeiten wir jeden Tag sehr hart. Und ich denke, wir sind auf einem guten Weg.


Franz Gerber:
Wir haben immer gesagt, dass der Aufstieg das Ziel sein muss. Allerdings nicht dieses Jahr, denn ich bin nicht fünf vor zwölf hier eingestiegen, sondern das war schon nach zwölf. Gute Spieler, die wir bezahlen können, waren da schon nicht mehr zu bekommen. Professionelle Strukturen haben wir noch nicht. Wir trainieren zum Beispiel um 17 Uhr, weil bei uns auch Schüler und Studenten im Kader stehen.

SCHWIERIGES ERBE

Franz Gerber: Vieles ist kaputt gegangen durch die letzten Jahre. Es hat ja nicht nur die Insolvenz gegeben, sondern den Abstieg aus der dritten Liga bis in die Oberliga. Da hat man sehr viel an Image, Strahlkraft und Glaubwürdigkeit verloren. Und das nicht nur bei den Fans, sondern in der heimischen Wirtschaft und der Stadt selbst.

ZWEITE CHANCE

Franz Gerber: Ich bin vor einem Jahr als Investor eingestiegen, weil ich schon damals gesagt habe, der FC Rot-Weiß ist ein hochinteressanter Club. Mir war klar, dass man für die Stadt und die Region durchaus Erfolg haben kann, wenn der Verein vernünftig geführt wird. Klar kam es zu unschönen Situationen, die darin gipfelten, dass der Verein aus der Regionalliga abgemeldet wurde. Ich habe einiges Geld verloren, und manche werden sagen, ich bin nicht ganz richtig, hier ein zweites Mal zu investieren. Aber an der Situation, dass hier für den Fußball in Erfurt viel möglich ist, daran hat sich ja nichts geändert.

KRÜGER-TRENNUNG

Franz Gerber: Das Modell mit Robin Krüger als Cheftrainer hat nicht so funktioniert, wie ich mir das gewünscht hatte. Nach drei Spielen standen wir auf einem Abstiegsplatz, und ein weiterer Abstieg wäre der Super-Gau. Schlimmer fand ich aber die Art und Weise, wie wir damals aufgetreten sind. Im Training hat die Mannschaft einen Test gegen die eigene U 19 absolviert, um Selbstvertrauen zu tanken. Aber selbst dieses Spiel hat man verloren. Deshalb wollten wir im Trainerstab die Verantwortung auf breitere Schultern verteilen. Robin Krüger wollte das jedoch nicht mittragen.

NEUE ÄRA

Goran Miscevic: Dass ich nach vielen Jahren im Ausland wie zum Beispiel Kanada, Katar, Oman, China oder Saudi-Arabien jetzt Trainer in Erfurt bin, ist für mich und meine Zukunft als Trainer wichtig. Ich weiß, dass Erfurt gerade dabei ist, eine neue Ära aufzubauen. Aber ich kannte den Verein schon vorher und weiß, dass er Tradition hat. Für mich ist es ein guter Start hier in Deutschland, obwohl Erfurt gerade nur in der Oberliga spielt.

ARBEITSTEILUNG

Goran Miscevic: Mit Manuel Rost entwickeln wir vor dem Training gemeinsam unsere Ideen, legen sie auf den Tisch und überlegen, wie wir am besten unsere Ziele erreichen. Er kennt den Verein besser, ich bringe meine Erfahrung ein. 50 zu 50, so würde ich die Arbeitsteilung bezeichnen. Und das funktioniert.


Franz Gerber:
Ich habe den Schein als Fußballlehrer und war nach meiner Karriere eben auch Trainer. Deshalb bringe ich mich ein. Ich spreche mit Manuel Rost und Goran Miscevic alles ab. Aber meistens ist man ja beim Spiel einer Meinung, weil das schließlich auch zu einer guten Vorbereitung dazugehört.

TRAINERTYP

Goran Miscevic: Ich muss nicht hektisch werden am Spielfeldrand. Ich will, dass die Spieler sehen, dass wir Ruhe ausstrahlen und zufrieden sind. Der Trainer hat ohnehin keinen so großen Einfluss mehr, wenn das Spiel angepfiffen wurde. Ich muss nicht während des Spiels ständig an der Linie auf und ab laufen. Entscheidend ist doch, wie wir uns gemeinsam mit der Mannschaft im Training vorbereiten.

POTENZIAL

Goran Miscevic: Die Mannschaft hat Potenzial, noch viel besser zu spielen. Aber wir müssen erst noch zusammenwachsen. Normalerweise hast du einen Stamm von acht Spielern und vielleicht vier Neue. Bei uns sind fast alle Spieler neu dazugekommen, drei ausländische Spieler müssen integriert werden. Das ist unsere wichtigste Aufgabe.

So können Sie die Sendung sehen

Der „Sporttalk im Steigerwaldstadion“ wird am Freitag (9. Oktober) um 19.15 Uhr erstmals ausgestrahlt und danach mehrere Male bei Salve TV wiederholt.

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