Rot-Weiß Erfurt macht mit Ausgliederung Weg für Investoren frei

Erfurt  Mit dem Eintrag seiner Fußball-GmbH ins Handelsregister nimmt der FC Rot-Weiß Erfurt eine wichtige Hürde im Insolvenzverfahren.

Insolvenzverwalter Volker Reinhardt hat ein Teilziel erreicht.

Insolvenzverwalter Volker Reinhardt hat ein Teilziel erreicht.

Foto: Sascha Fromm

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Lange haben sich die Erfurter Fans gedulden müssen; nun hat der Verein die Ausgliederung seiner Profis sowie der U-19-Mannschaft vollzogen. Am Freitag ist die FC Rot-Weiß Erfurt Fußball GmbH ins Handelsregister eingetragen worden.

„Die neue GmbH ist eine 100-prozentigeTochter des Vereins“, heißt es in einer Mitteilung. An ihr wird der Stammverein mit ei­ner Stimmen-Mehrheit beteiligt sein und besitzt damit auch Einfluss auf Entscheidungen und Prozesse. Für Insolvenzverwalter Volker Reinhardt ist damit ein wichtiger Schritt absolviert, um den Club zukunftsträchtig aufzustellen: „Alle Arbeitsplätze bleiben erhalten“, betont Reinhardt und ergänzt: „Die Ausgliederung macht den Weg frei für das Engagement der Investoren.“ Nur durch finanzkräftige Kapitalanleger könne es gelingen, sich auch sportlich auf lange Sicht neue Ziele zu stecken. Wer bei den Erfurtern einsteigen will und in welcher Höhe, ist immer noch unklar.

Stichtag für die Ausgliederung war der 1. Januar 2019. Wirksam wird diese mit der nun getätigten Eintragung ins Handelsregister. „Damit wird rückwirkend die neu entstehende GmbH so behandelt, als hätte sie am 1. Januar 2019 die Geschäfte des ausgegliederten Teils übernommen“, heißt es in der Mitteilung.

Fans können sich Anteile am Club sichern

Unabhängig davon wird das Insolvenzverfahren weitergeführt, damit der Verein von den Verbindlichkeiten befreit werden kann. Künftig ist die Entwicklung der Talente und des Nachwuchsleistungszentrums die Hauptaufgabe des FC Rot-Weiß.

Die Geschäftsführung der GmbH wird durch einen sechsköpfigen Beirat unterstützt, der sowohl für die Bestellung als auch die Abberufung von Geschäftsführern oder die Zustimmung zu wichtigen Maßnahmen verantwortlich zeichnet. Dem Gremium sollen unter anderem zwei Vorstandsmitglieder sowie der Chef des Aufsichtsrates angehören. Seit fast einem Jahr führt der Erfurter Rechtsanwalt Steffen Böhm das Kontrollorgan an.

Im angestrebten Drei-Säulen-Modell können sich Großunternehmen und Finanzinvestoren, regionale Firmen sowie Fans als Investoren durch eine Genossenschaft Anteile am Club sichern. Investoren, die sich mit zehn Prozent am Kapital beteiligen, haben die Möglichkeit, im Beirat vertreten sein. Voraussetzung ist für alle die Mitgliedschaft im eingetragenen Verein. Um die 50+1-Regel des DFB zu gewährleisten, hat der Vorsitzende bei Stimmgleichheit zwei Stimmen.

„Die Vereinsfarben und das Logo verbleiben ebenso wie die Markenrechte beim Verein und werden künftig im Rahmen ei­nes Nutzungsvertrages an die FC Rot-Weiß Erfurt Fußball GmbH übertragen“, teilt der Insolvenzverwalter mit und meint optimistisch: „Ich bin zuversichtlich, dass der RWE gemeinsam mit der FC Rot-Weiß Erfurt Fußball GmbH nach der Ausgliederung und dem Einstieg der Investoren hervorragende Aussichten hat, sein großes Ziel, die Rückkehr in die dritte Liga, zu erreichen“, lässt er wissen.

Brdaric: „Die Geduld wird sich auszahlen.“

Aktuell hinkt die Regionalliga-Mannschaft den Erwartungen allerdings weit hinterher. Nach sechs Spielen und zuletzt einem 0:0 bei Optik Rathenow rangieren die Erfurter mit fünf Punkten und nur einem Sieg auf Platz 13. Doch Trainer Thomas Brdaric mahnt vorm Auswärtsspiel beim Berliner AK (Sonntag, 13.30 Uhr) zu Besonnenheit: „Wir haben das Budget verringert, die Mannschaft verjüngt. Da brauchen wir auch Geduld.“ Natürlich sei er mit dem Start nicht zufrieden; die Arbeitseinstellung seiner Spieler lasse ihn aber voller Überzeugung sagen: „Die Geduld wird sich auszahlen.“

Die Entlassung seines Trainerkollegen Ersan Parlatan nach zuletzt drei Niederlagen in Folge spielt für ihn in der Vorbereitung auf Sonntag keine Rolle: „Der BAK will aufsteigen und hat deshalb reagiert. Ob es für uns gut oder schlecht ist, weiß ich nicht. Wir versuchen, unseren Matchplan umzusetzen und dort etwas mitzunehmen“, sagt Brdaric.

Personell stehen dicke Fragezeichen hinter den angeschlagenen Francis Adomah und Morten Rüdiger. Defensivmann Adomah war in Rathenow nach einem Zusammenprall mit einer Gehirnerschütterung ausgewechselt worden. Rüdiger hatte eine Fußprellung davongetragen. „Bis Sonntag wird es bei beiden eng“, erklärt Brdaric.

Der Verein ist unterdessen bemüht, Ersatz für Torhüter Lukas Cichos zu finden, der wegen ei­nes Kreuzbandrisses lange ausfällt. Kevin Tittel ist ein Kandidat. Der 25-Jährige, der zuletzt beim VfB Lübeck unter Vertrag stand, stellt sich gerade vor. Es gäbe noch eine andere Option, ließ Brdaric durchblicken.

Die Nachricht von der vollzogenen Ausgliederung hat er derweil positiv aufgenommen. „Ich hoffe, dass dies uns als Mannschaft, aber auch dem gesamten Verein einen Schub gibt.“

Kommentar: Lichtstreif am Horizont

Berliner AK – Rot-Weiß Erfurt, Sonntag, 13.30 Uhr, Poststadion, Lehrter Straße

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