Thomas Brdaric: „Ich wünsche mir Jena“

Erfurt  Der Trainer von Rot-Weiß Erfurt, Thomas Brdaric, spricht mit uns über die neuen Investoren, den Abstiegskampf und die Pokal-Auslosung.

Trainer Thomas Brdaric glaubt fest daran, am Saisonende noch im ersten Drittel der Tabelle landen zu können.

Trainer Thomas Brdaric glaubt fest daran, am Saisonende noch im ersten Drittel der Tabelle landen zu können.

Foto: Sascha Fromm

Drei Investoren haben beim Fußball-Regionalligisten FC Rot-Weiß Erfurt ihr Engagement angekündigt und legen damit den Grundstein für den Weg aus der wirtschaftlichen Krise. Wir sprachen mit Cheftrainer Thomas Brdaric über die neue Entwicklung, die sportlichen Ziele der Mannschaft, Trainer-Vorbilder und den Wunschgegner im Landespokal.

Was bedeutet das Engagement der drei Investoren aus Ihrer Sicht für die Regionalliga-Mannschaft des FC Rot-Weiß?

Seitdem ich 2018 hier angetreten bin, haben wir drei Schritte zurück getan. Vor einem Jahr stand Rot-Weiß vor dem Aus. Im Winter mussten wir dann Einschnitte am Etat machen, im zurückliegenden Sommer noch einmal. Nun habe ich die Hoffnung, dass wir wieder ein, zwei Schritte vorankommen.

Haben Sie denn als Trainer schon eine Wunschliste im Kopf, was nun passieren muss?

Ich werde mich in den kommenden Tagen mit dem Insolvenzverwalter Volker Reinhardt und dem neuen Geschäftsführer Michael Krannich zusammensetzen. Dann werden wir sehen, was mit unseren neuen Ressourcen möglich ist.

Wollen Sie in der Winterpause neue Spieler holen?

Es wäre schön, wenn in den Gesprächen ein paar Wege aufgezeigt werden, wie wir uns entwickeln können. Das könnte in der Tat eine Investition in die Mannschaft sein. Mein Wunsch wäre es auch, dass wir im Trainingszentrum Gebreite einen Kunstrasenplatz bekommen, womit wir unsere Bedingungen entscheidend verbessern könnten.

In welchen Mannschaftsteilen könnten Sie Verstärkung gebrauchen?

So wie Torhüter Jannick Theißen bislang seine Chance in Erfurt genutzt hat, brauchen wir Stürmer, die auch Tore schießen. Jeder muss jetzt liefern.

Steckt ihre Mannschaft mit nur elf Punkten aus elf Spielen und Rang 14 im Abstiegskampf?

Nein, das sehe ich überhaupt nicht so. Aus meiner Sicht ist das eine Momentaufnahme. Wir haben noch 23 Spiele vor uns. Defensiv haben wir nur beim 3:5 in Cottbus schlecht ausgesehen. Zuletzt in Babelsberg lagen wir bei den Angriffen mit 30:8 klar im Vorteil, haben aber nur 1:1 gespielt. Uns fehlt nur noch die Effektivität.

Wo, glauben Sie, wird RWE am Ende der Saison stehen?

Wir können es nach wie vor schaffen, im ersten Drittel der Tabelle zu landen. Genau das ist mein Ziel mit der Mannschaft.

Am Freitag wird ja in der Halbzeitpause des Erfurter Spiels gegen Schlusslicht Bischofswerdaer FV das Viertelfinale im Landespokal ausgelost. Welchen Gegner hätten Sie denn gern bei der Auslosung?

Ich wünsche mir ein Heimspiel gegen den FC Carl Zeiss Jena.

Weil Sie glauben, der abgeschlagene Drittliga-Letzte ist ein schlagbarer Gegner?

Ich wünsche mir das vor allem für die Fans. Das wäre ein Fußballfest. Und ich weiß, was wir können. Was ich nicht will, wäre jedenfalls ein Auswärtsspiel bei Wacker Nordhausen.

Ist der Sieg im Landespokal nun das große Saisonziel?

Ich will den Thüringer Landespokal gewinnen, ja. Dann wären wir im Sommer auch in der ersten Runde des DFB-Pokals dabei. Ich weiß, was das bedeutet. Mit der TSG Neustrelitz habe ich im August 2013 in der 1. Runde gegen den SC Freiburg gespielt. Leider sind wird knapp mit 0:2 nach Verlängerung ausgeschieden.

Aber dann sind Sie vielleicht gar nicht mehr Trainer in Erfurt. Ihr Vertrag läuft zum Saisonende aus …

Das stimmt, der Vertrag läuft aus. Aber ich will hier in Erfurt beim FC Rot-Weiß bleiben. Wichtig ist jetzt, dass nach dem Einstieg der Investoren sehr gute und bedachte Entscheidungen getroffen werden.

Vor ein paar Wochen wären Sie fast als Trainer nach Chemnitz gegangen…

Es gab auch einige andere Angebote. Es ist doch klar, dass man auch über Angebote von Vereinen aus einer höheren Liga oder dem Ausland nachdenkt. Ich habe das gegenüber dem Insolvenzverwalter Volker Reinhardt immer offen kommuniziert. Mit ihm habe ich vereinbart, dass wir uns zusammensetzen, wenn die neuen Investoren gefunden sind.

Von welchen Trainern haben Sie eigentlich in Ihrer Karriere am meisten gelernt?

Das waren vor allem solche Trainer wie Christoph Daum und Ralf Rangnick, die sehr strategisch gearbeitet haben. Da habe ich einige Dinge mitgenommen. Aber das war vor mehr als zehn Jahren auch eine ganz andere Zeit. Damals waren die Trainer noch so etwas wie Handwerker. Heute brauchst du einen Laptop und auch ein Gefühl dafür, wie die Spieler ticken.

Warum sind Sie überhaupt im Sommer 2018 nach Erfurt gekommen, obwohl da schon das Insolvenzverfahren lief?

Ich liebe solche Herausforderungen. Mich ins gemachte Nest setzen, ist mir zu einfach.

Vor einem Jahr wäre um ein Haar über Nacht Schluss gewesen beim FC Rot-Weiß. Haben Sie nicht spätestens zu diesem Zeitpunkt ihren Schritt bereut?

Nein, ich habe versucht allen im Verein klar zu machen, was solch ein Szenario für die Spieler bedeuten würde. Die müssen ja schließlich auch ihre Miete oder Versicherungen bezahlen und den Kühlschrank füllen. Ich bin froh, dass dann doch noch eine Lösung gefunden wurde und wir jetzt eine neue Chance bekommen haben.

Was erhoffen Sie sich vom Einstieg der drei Investoren?

Ich hoffe, dass wir es in den kommenden Wochen gemeinsam schaffen, ein Signal zu senden. Es muss uns gelingen zu zeigen, dass es sich wieder lohnt, sich beim FC Rot-Weiß Erfurt zu engagieren.

FC Rot-Weiß – Bischofswerda, Freitag, 19 Uhr, Steigerwaldstadion

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