Wacker Nordhausen droht Insolvenz

Nordhausen.  Muss nach Rot-Weiß Erfurt mit Wacker Nordhausen der zweite Thüringer Fußball-Regionalligist Insolvenz anmelden? Die Alarmglocken schrillen lautstark.

Düstere Zukunft? Die Nordhäuser um Präsident Kleofas plagen Sorgen: Zwei Monatsgehälter stehen aus – und der Geschäftsbericht verzeichnet einen Millionen-Fehlbetrag.

Düstere Zukunft? Die Nordhäuser um Präsident Kleofas plagen Sorgen: Zwei Monatsgehälter stehen aus – und der Geschäftsbericht verzeichnet einen Millionen-Fehlbetrag.

Foto: Christoph Keil

Droht Fußball-Regionalligist Wacker Nordhausen das gleiche Insolvenz-Schicksal wie dem FC Rot-Weiß Erfurt? Zumindest schrillen bei den Südharzern derzeit die Alarmglocken lautstark. Trainer Heiko Scholz bestätigt, dass die Angestellten des Vereins seit Wochen auf ihr Geld warten: „Es ist richtig, dass zwei Monatsgehälter ausstehen, wovon alle betroffen sind – auch ich“, sagt er. Zuerst hatte die Bild-Zeitung am Freitag darüber berichtet. Wie sie erfahren haben will, sei zuvor bereits ein Gehalt verspätet gezahlt worden.

„Wenn man plötzlich kein Geld bekommt, fragt man nach zwei Wochen natürlich nach. Da war dann klar, dass es Schwierigkeiten gibt. Das ist für alle eine beschissene Situation und auch deshalb unangenehm, weil man so etwas in Nordhausen bislang nicht erlebt hat“, sagt Scholz. Sollte auch das November-Gehalt ausbleiben, könnten er und die Spieler von einer außerordentlichen Kündigung Gebrauch machen. Der Regionalligist stünde plötzlich ohne Mannschaft da.

Die existenzbedrohende Situation hängt wohl mit der ausbleibenden Ratenzahlung von Hauptsponsor Knauf zusammen. Der Gips-Riese, der im benachbarten Rottleberode ein Werk mit 250 Mitarbeitern betreibt, steckt seit Jahren Millionen in den Verein. Eingefädelt hatte diese Partnerschaft Präsident Nico Kleofas dank seines guten Verhältnisses zu Firmenchef Carlo Knauf. Per Mitteilung lässt der Clubchef wissen: „Ich bin rund um die Uhr damit beschäftigt, die Situation zu entschärfen, um Ruhe in dieses Thema zu bekommen. Mit den Trainern und Spielern habe ich offen über die Problematik kommuniziert.“

Was zusätzlich Sorgen bereitet, sind die jüngsten Geschäftsberichte der Spielbetriebsgesellschaft mbH: Der Jahresabschluss zum 30. Juni 2017 wies schon einen „nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag“ von 5,6 Millionen Euro auf. Ein Jahr später, am 30. Juni 2018, hatte sich dieser auf knapp 8,9 Millionen Euro erhöht. Wacker ist bilanziell demnach hoch verschuldet.

Scholz gibt die Hoffnung nicht auf: „Ich weiß, dass die Verantwortlichen des Vereins aktuell Tag und Nacht daran arbeiten, die Probleme zu lösen. Ich gehe deshalb auch davon aus und habe das Vertrauen, dass die Schwierigkeiten bis Weihnachten bereinigt sind“, sagt er.

Wie die Mannschaft mit der ungewissen Lage umgeht, davor könne er nur den Hut ziehen, sagt Scholz: „Natürlich steckt das Thema bei den Spielern irgendwo im Hinterkopf. Aber die Truppe zieht mit, alle arbeiten nach wie vor professionell.“ Die 1:3-Niederlage am Mittwoch beim BFC Dynamo hätte aus seiner Sicht nichts mit der angespannten Situation zu tun gehabt.

Am Sonntag empfängt Wacker Viktoria Berlin; einen Verein, der vor einem Jahr Insolvenz anmelden musste. Dort war es ein chinesischer Investor, der seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkam.

Wacker Nordhausen – Viktoria Berlin, Sonntag, 13.30 Uhr, Kuntz-Sportpark

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