In Greiz spielt der Kleine mit dem Großen

Greiz.  Rico Franke und Martin Hempel trennen über 30 Zentimeter Körpergröße. Die Verbindung zum Greizer Basketball ist viel größer

Von außen unterschiedlich, im Inneren vereint: die Basketballer Rico Franke (links) und Martin Hempel.

Von außen unterschiedlich, im Inneren vereint: die Basketballer Rico Franke (links) und Martin Hempel.

Foto: Michael Wellert

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Training bei den Greizer Bullets. „Heute blocke ich dich mal“, sagt der 1,68 Meter große Rico Franke. „Wer soll dich denn da hochheben“, kontert Spielertrainer Martin Hempel, der 2,02 Meter misst. Die Stimmung passt bei den Landesliga-Basketballern. Daran haben der kleinste und der größte Spieler im Team einen wesentlichen Anteil. „Sprüche, Streiche, lustige Situationen kommen sehr oft vor, weil wie einfach eine geile Truppe sind mit verschiedenen Charakteren“, sagt Hempel, 29 Jahre und IT-Analyst. Er ist das Brain im Team, wie man im Basketball sagt.

Also der Denker, Lenker und gleichzeitig auch der Topscorer. Als Kind spielte er zusammen mit seinem Vater auf einen Korb im Hof. „Geh in einen Verein, wenn es dir Spaß macht“, sagte der Vati. Und so schloss sich Junior dem 1. SSV Greiz an – und lernte unter anderen Rico Franke kennen. „Er hat schon damals immer 110 Prozent gegeben, bis zum Umfallen. Solche Antreiber sind wichtig, das pusht jeden Mitspieler und die Fans“, sagt Hempel, den es 2010 beruflich nach Nordrhein-Westfalen verschlug.

Dort sammelte er auf der Center-Position Erfahrungen, kam auf Einsätze bis hin zur Oberliga. Nach seiner Rückkehr in den Freistaat schaffte er mit dem SV Zeulenroda den Oberligaaufstieg, Playoffs und das Pokalfinale. Für ihn bis heute unvergessen.

Zur gleichen Zeit war es still geworden im Greizer Basketball. Ehemalige Spieler des SSV, darunter auch Rico Franke und der heutige Abteilungsleiter Michael Wellert, trafen sich nach der Vereinsauflösung dennoch regelmäßig zum Körbewerfen. „Es haben sich über all die Jahre viele Freundschaften entwickelt und da wollten wir es einfach nochmals wissen“, sagt der 32-jährige Rico Franke zur Gründungsidee der Greizer Bullets im Sommer 2017.

Er selbst dribbelt seit 20 Jahren mit dem Lederball. Seine, für diesen Sport recht kleine, Körpergröße sah der Maschinenanlagenführer nie als Problem. „Ich konnte mich schon immer gut durchsetzen und hatte zudem eine gute Hand-Auge-Koordination“, sagt der Aufbauspieler, der sich früher im Greizer Umland auch als Ringer einen Namen machte. Die neue Abteilung Basketball beim Greizer SV entwickelte sich schnell, es kamen immer mehr Jugendliche zu den Trainings und immer mehr Zuschauer zu den Spielen in der Landesliga. „Viele von uns zählen ja schon zum älteren Eisen. Solange es geht, wollen wir mit Spaß und ein paar Erfolgen unsere Spiele bestreiten. Doch das große Ziel ist, mit der nachkommenden Jugend den Basketballsport in Greiz zu sichern“, sagt Eddy, wie Rico Franke von seinen Freunden genannt wird. „Das steht für einen kleinen, verrückten Flitzer, so wie ich eben.“

Dass es für die Greizer Allstars noch möglichst lange geht, dafür ist seit dieser Saison auch Martin Hempel verantwortlich. Angesteckt von der Euphorie und Moral bei den Bullets, schloss er sich dem Team wieder vollständig an. Im Training gibt er all seine Erfahrungen an die Mitspieler weiter, in den Ligaspielen vertrauen sie zudem auf seine Technik und Wurfkünste. Ein kluger Pass vom flinken Eddy unter den Korb auf Hempel bedeutet sehr häufig sichere Punkte.

„Basketball hat sehr viel mit Einsatz und Willen zu tun. Man muss bereit sein, schon im Training alles zu geben. Dazu noch ein Hauch Talent und viel Freude schlagen alle körperlichen Vorteile“, ist sich der Spielertrainer sicher. Wenn dann noch der Kleinste im Team zum ständigen Anpeitscher fungiert, ist das umso praktischer. So geschehen auch beim letzten Heimspiel gegen den USV Jena.

Trotz großer Verletzungssorgen und einem auf dem Papier favorisierten Gegner, schmissen die Bullets kämpferisch alles in die Waagschale. Fast jede gelungene Abwehr- oder Angriffsaktion wurde lautstark beklatscht – und fast immer war Rico Franke der Lauteste, der Energischste. „Da kann auch mal vor Freude das Handtuch durch die Luft fliegen“, sagt er.

Das Heimspiel gegen Jena gewannen die Greizer, das folgende Spiel bei Martin Hempels altem Verein Zeulenroda ging verloren. „Ich bin momentan sehr zufrieden, da wir vor den eigenen Fans eine Macht sind und auch auswärts schon vieles sehr gut läuft. Wir wollen zum Saisonende mindestens sechs Siege haben. Das ist aktuell absolut realistisch“, sagt Hempel. Der Schlachtruf „Bullets go“ steht für immer weiter, nicht anhalten, nicht aufgeben. Und so gibt auch der 1,68-Meter-Zwerg die Hoffnung nicht auf, irgendwann einmal den 2,02-Meter-Riesen im Training zu blocken.

Greizer SV Bullets gegen Science City Jena VI, Sonntag, 15 Uhr, Turnhalle Aubachtal in Greiz

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