Unter uns gesagt: Alles wird immer größer

Gerlinde Sommer über die Zeit der Völlerei.

Gerlinde Sommer

Gerlinde Sommer

Foto: Andreas Wetzel

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Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Alles wächst. Mancher wächst förmlich über sich hinaus – und ist dann vor allem dies: unförmig. Die Adventszeit war mal die Fastenzeit vor Weihnachten. Heute ist sie die Zeit der steten Völlerei. Es ist so viel an Plätzchen und Stollen da, dass zur Weihnacht kaum noch einer „papp“ sagen kann. Er ist dann nicht nur pappsatt, sondern hat auch ein Problem rund um den Hosenbund. Aus den Weihnachtspfunden, die es früher gleich nach Neujahr abzutrainieren galt, werden jetzt Adventspfunde. Und weil das Spekulatiusgebäck schon seit Ende des Hochsommers im Laden ist, kann durchaus darauf spekuliert werden, dass sich die Bikinifigur mit solchen Köstlichkeiten sogar noch vor Ende der Badesaison ruinieren ließ.

Das sind keine Probleme. Das sind Luxuswehleidigkeiten.

Es wird ja nicht nur der Mensch immer voluminöser. Mit ihm wächst alles mit, was er gerne um sich hat. Es gab Zeiten, da lebten auf 80 Quadratmeter Vater, Mutter und drei Kinder – und das galt dann als sehr große Wohnung. Es gab Zeiten, da waren Bauherren und Bauleute mit 120-Quadratmeter-Häusern mehr als zufrieden. Heute meint mancher, mit weniger als 180 Quadratmeter plus ausbaufähigem Dachgeschoss könne er sich in seiner neuen Nachbarschaft gar nicht sehen lassen.

Und dann erst die Autos! Neben die kleinen Häuser wurden früher kleine Garagen gestellt, in die das kleine Auto passte. Heute passt da allenfalls ein Motorrad oder ein Aufsitzmäher rein. So ein SUV – von mir gerne auch angesichts der Trinkgewohnheiten dieser Fahrzeuge scherzhaft als „Suff“ bezeichnet – braucht mehr Platz als ein üblicher Kleinbauern-Trecker. Und für so einen SUV muss natürlich auch ein Stellplatz her, der die Erde verdichtet.

Klar: Wir können alle so weitermachen. Aber irgendwann platzt bestimmt der Erde der Kragen.

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