Unter uns gesagt: Halb leer ist fast ganz voll …

Gerlinde Sommer zum Tage.

Gerlinde Sommer

Gerlinde Sommer

Foto: Andreas Wetzel

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Liebe Leserinnen,
liebe Leser!

Es ist ja so: Die einen sprechen von einem halb vollen, die anderen von einem halb leeren Glas. Und das bei identischer Füllmenge. Aus der Betrachtungsweise wird abgeleitet, ob jemand eher eine positive Sicht aufs Leben hat oder ob er jenen zuneigt, die in allem das Negative suchen und erkennen. In Coronazeiten ist vieles anders.

Beispiel Bahn: Über Wochen verteilten sich in vielen Fernverkehrszügen die wenigen Passagiere locker. Es konnte vorkommen, dass ein einzelner Fahrgast allein im Waggon war. Jetzt aber nehmen die Fahrgastzahlen langsam zu; und nun will die Bahn auch wieder diese Hinweise aktivieren, die bei der digitalen Fahrplanauskunft anzeigen, wie voll es in einem Zug werden wird. Früher waren das drei graue Figuren – und das hieß dann: Platz satt. Wurden ein bis zwei Figuren orangefarben, dann war der Zug ziemlich ausgebucht. Und bei drei orangefarbenen Männchen musste der Fahrgast ohne Reservierung schon mal damit rechnen, dass er eventuell nicht mitgenommen werden konnte.

Jetzt aber ist halb leer schon beinahe fast ganz voll. Und deshalb werden die Figürchen eine neue Bedeutung erhalten: Halb voll wäre demnach aktuell schon ganz voll. Klingt kompliziert und ist es wohl auch, weshalb es jüngst hieß, dass es noch etwas dauere, bis die drei Figuren wieder in den Dienst der Passagieranzeige gestellt werden können. Dass halb leer schon fast zu voll ist, muss in so einem Zählprogramm ja auch erst einmal implementiert werden.

Diese Zeit des Halbleeren bringt eine Fülle von Veränderungen mit sich, die es in Konzepte zu kleiden gilt. Und manchmal ist schon etwas überholt, ehe es endlich eingeführt wurde. Das Gute ist, dass wir im schlimmsten Fall der Wiederholung dann die richtigen Grundlagen haben. Aber ehrlich: Ich würde gerne auf die zweite Welle verzichten. Voll und ganz.

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