Unter uns gesagt: Ich habe etwas am Auge

Gerlinde Sommer
Gerlinde Sommer

Gerlinde Sommer

Foto: Andreas Wetzel

Gerlinde Sommer über Handicaps, die schnell zur Gefahr werden können.

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Fast jeder kennt den Bibelspruch vom Splitter im Auge des Bruders und des Balkens im eigenen Auge. Soll heißen: Bei anderen sind wir kritischer als bei uns selbst.

Hier möchte ich aber von anderen Balken vor unseren Augen sprechen. Wer hätte denn gedacht, dass viele Menschen binnen weniger Jahre kaum mehr in der Lage sein würden, sich ohne Smartphone zu bewegen? Die meisten benötigen das Gerät ja mittlerweile einerseits dazu, um sich überhaupt noch draußen zurechtzufinden. Andererseits versperrt es ihnen sozusagen die freie Sicht auf die Straße, weil sie auch im Gehen dauernd schreiben, wischen, lesen, sich an irgendwas Medialsozialem beteiligen müssen. Im Grunde ist das ein doppeltes Hand(i/y)cap. Wenn immer das die volle Aufmerksamkeit fordert, was wir in den Händen halten, kann das schnell zur Gefahr werden.

Aber es bleibt ja nicht dabei. Tatsächlich sollen wir bald nicht mehr auf das Smartphone in der Hand starren. Noch gibt sich die Nachrichtenagentur ein wenig skeptisch: „Mit den Augen blinzeln statt mit dem Finger wischen: Ersetzen Datenbrillen künftig das Smartphone?“ So lautet die Feststellung in Frageform. Einer Umfrage zufolge glauben offenbar nicht wenige Menschen nur zu gerne, dass das die nächste Stufe ist. Das Ganze nennt sich Augmented-Reality-Brille. Sie soll uns bald Informationen ins Sichtfeld projizieren. Aber schafft das, was da auf uns zukommt, unser menschliches Hirn eigentlich alles? Wir werden es wohl bald erleben …