Unter uns gesagt: Wir sind, was wir sagen

Gerlinde Sommer über Debattenkultur.

Gerlinde Sommer

Gerlinde Sommer

Foto: Mediengruppe Thüringen

Gerne heißt es ja, der Mensch ist, was er isst. Vielleicht ist er auch, wie er isst. In letzterem Fall geht es dann weniger um die Themen Tier oder nicht Tier, sondern um Schlürfen, Schmatzen und mit dem Besteck Radau machen...

Wir sind aber nicht nur Esser, sondern auch Sprecher. Manchmal redet jemand unüberlegt daher. Und das muss ihm nicht ewig nachgetragen werden, wenn er im Verlauf der Debatte nachzudenken und sich zu korrigieren beginnt. Ich würde sagen, in so einem Fall ist mit der Bitte um Entschuldigung samt Korrektur alles wieder im Lot. Aber viele, die nicht lange nachdenken, ehe sie sich äußern, halten sich offenbar für Provokateure - und finden, dass die anderen das ruhig aushalten müssen.

Nun ja, schauen wir einfach mal auf einige Begriffe, die in den vergangenen zehn Jahren als „Unwörter“ die Runde machten: „Opfer-Abo“ war so ein Wort, das der Diskriminierung diente. Es sollte Anfang der Zehner-Jahre Frauen diskreditieren, die sexuelle Gewalt beklagten. Das Wort ist seit „Me too“ längst da gelandet, wo es hingehört: Im engen Kreis derer, die sich mit Tätern solidarisieren.

Gehalten hat sich dagegen nicht nur die aus dem Amerikanischen stammende Schöpfung „Alternative Fakten“. Es handelt sich dabei um nichts anderes als Falschbehauptungen nach dem Motto: Das wird man ja noch sagen dürfen, auch wenn es gelogen ist... Aus meiner Sicht darf jeder alles sagen. Er muss es sich aber zurechnen lassen und die Konsequenzen tragen. Das Sprichwort sagt: Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht... Lügen meint nicht irren. Wer sich irrt - und irren kann sich jeder mal -, wird sich korrigieren. Das gebieten Anstand und Selbstachtung. Eigentlich. Gelogen aber wird heimtückisch und absichtsvoll. Wer das tut, macht sich auf Dauer unglaubwürdig. Und das ist bitter.

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