Unter uns gesagt: Wenn, dann ...

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Gerlinde Sommer

Gerlinde Sommer

Foto: Andreas Wetzel

Gerlinde Sommer über Konsequenzen bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie.

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Eigentlich scheint alles klar: Es ist noch gar nicht lange her, da hielt nach einer Konferenz der Ministerpräsidenten mit der Kanzlerin einer – es war wohl Müller/Berlin – ein Blatt Papier in die Kamera. Darauf zu sehen: verschiedene Farbfelder je nach Inzidenz und daraus folgende Konsequenzen. Das versteht eigentlich jeder. Wenn dieser Inzidenz-Bereich erreicht ist, dann gilt jenes. Konsequenzen sind da für die unterschiedlichen Lebensbereiche notiert.

Klingt logisch. Aber natürlich ergeben sich sofort wieder Fragen nach der Art: Wird die Inzidenz je Kreis gemessen oder je Bundesland? Das mag in Berlin mit seinen Bezirken oder in Bremen mit Bremerhaven anders sein als im Riesenflächenland Bayern. Und ich bin mir sicher, dass das bei der Sitzung, die das bunte Blatt mit den Konsequenzen hervorgebracht hat, auch besprochen wurde.

Aber so eindeutig auch die jeweilige Absprache sein mag, immer geht es weiter mit dem Wenn, dann. Und zwar in der Art: Wenn wir heute was ausgemacht haben, hat hernach mancher noch eine neue Idee, die das eben Beschlossene möglichst konterkariert. Die Geschichte mit dem Brücken-Lockdown passt gut als Beispiel. Wer aktuell nur eine Inzidenz um 50 hat – und solche Regionen gibt es in Deutschland – soll ebenso alles einfrieren wie Regionen mit Inzidenzen über 200: Warum? Wegen der Gerechtigkeit? Wegen des Gleichbehandlungsgrundsatzes? Wegen der Einfachheit? Oder gar wegen des Infektionsschutzes? Oder weil im Herbst Bundestagswahl ist?

Ich finde ja: Ein Gedanke ist noch keine Idee. Eine Idee ist noch kein Plan. Und nur weil jemand etwas laut sagt, muss es noch nicht durchdacht sein. Aber wahrscheinlich ist bald wieder abends Bettruhe befohlen. Fragt sich nur: Warum denn?