100 Jahre Thüringen: Das Wartburgfest von 1817

Immanuel Voigt über die Burschenschaften in Thüringen.

Immanuel Voigt

Immanuel Voigt

Foto: Steffen Walther

Als sich im Juni 1815 in Jena die Urburschenschaft gründet, folgen bald weitere Hochschulorte, wie Tübingen, Gießen, Halle an der Saale oder Heidelberg, sodass dort ebenfalls Burschenschaften entstehen. Ihre Mitglieder sehen sich selbst als die zukünftige Avantgarde der deutschen Nationalbewegung und werden dabei mitunter recht tatkräftig durch die Professorenschaft vor Ort unterstützt.

Nicht selten hatten die Burschenschafter gegen Napoleon gekämpft, um nicht nur die Befreiung aus der Fremdherrschaft, sondern auch Deutschland geeint zu sehen. Dabei erhoffen sie sich auch eine Reform der Verfassung, die mehr demokratische Elemente, wie Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit garantieren würde. Doch spätestens nach dem Ende des Wiener Kongresses im Sommer 1815 wird schnell klar, dass genau das Gegenteil eintritt.

Die Hoffnungen werden zunächst enttäuscht. Dennoch gewinnen die Burschenschaften weiter an Zulauf. Im Frühjahr 1817 erwächst in Jena, Halle und Naumburg die Idee, anlässlich des 300. Reformationsjubiläums und des vierten Jahrestages der „Völkerschlacht“ bei Leipzig am 18. Oktober des Jahres ein „Nationalfest“ abzuhalten. Als Austragungsort wählt man ganz bewusst die symbolträchtige Wartburg oberhalb von Eisenach. Ein wichtiger Grund war dabei auch, dass das Territorium damals zum Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach gehört und dessen Landesherr, Großherzog Carl August, der burschenschaftlichen Bewegung bisher wohlwollend gegenübergestanden hatte.

Anfang August 1817 werden aus Jena die Einladungen verschickt, die mit folgenden Worten beginnen: „Da in diesem Jahr das Reformationsjubiläum gefeiert wird, so wünschen wir gewiß mit allen braven deutschen Burschen [...] dieses Fest am 18ten October 1817 u zwar auf der Wartburg bey Eisenach zu feiern“.

Diese zeigen Wirkung, denn zum 18. Oktober erscheinen gut 500 Studenten aus ganz Deutschland, von mindestens elf Universitäten. Gemeinsam zieht man mit Fahnen und Gesang auf die Burg.

Dort werden im Anschluss verschiedene Reden gehalten, unter anderem auch von den Professoren Jacob Friedrich Fries und Lorenz Oken aus Jena. Der Protest richtet sich erneut gegen die Kleinstaaterei, aber auch gegen die restaurative Politik im Deutschen Bund. Zugleich werden in 35 Grundsätzen und 12 Beschlüssen neben der staatlichen Einheit unter anderem die Gleichheit vor dem Gesetz sowie Rede- und Pressefreiheit gefordert. Nicht zuletzt protestiert man aber auch gegen alles „Undeutsche“, was nicht in die Vorstellungen der Festteilnehmer passt.

So kommt es am Abend des 18. Oktober auf dem nahe der Wartburg gelegenen Wartenberg zu einer Bücherverbrennung. Neben dem Code Napoleon, sind es die Schriften August von Kotzebues, die Preußischen Polizeigesetze oder das Buch „Germanomanie“ des jüdischen Autors Saul Ascher, die als reaktionär gelten. Insgesamt werfen die Teilnehmer unter dem Ruf „Ins Feuer!“ 22 Werke und zwei Zeitungen in die Flammen. Hinzukommen die verhassten Unterdrückungssymbole des alten Militärs wie Korporalstock, Zopf und Uniformrock.

Nach dem Fest ist die Obrigkeit alarmiert, da man darin deutlich revolutionäre Tendenzen zu erkennen glaubt. Doch erst zwei Jahre später wird mit den „Karlsbader Beschlüssen“ von 1819 ein Verbot der Burschenschaften folgen.