Erfurter "KulturQuartier"-Verein baut auf ungenutztes Schauspielhaus im Klostergang

Elf Jahre hatten Spinnen Zeit, ihre Netze in Garderoben, Technikzimmern und Proberäumen zu weben. Staub bedeckt Bühne und Boden des Theatersaals, auf den Außentreppen wuchert Gras am Schauspielhaus im Klostergang. Wenn es nach dem "KulturQuartier"-Verein in Erfurt geht, soll sich dies bald ändern.

Ateliers, Studios, Büroräume sowie Bar und Bühne sollen Platz im lange ungenutzten Schauspielhaus im Klostergang finden – dieser Meinung sind auch Tely Büchner vom Verein "KulturQuartier" und Architekt Thomas Schmidt. Foto: Susann Fromm

Ateliers, Studios, Büroräume sowie Bar und Bühne sollen Platz im lange ungenutzten Schauspielhaus im Klostergang finden – dieser Meinung sind auch Tely Büchner vom Verein "KulturQuartier" und Architekt Thomas Schmidt. Foto: Susann Fromm

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Erfurt. Künstler im Setzkasten. So lässt sich ein Teil der Idee beschreiben, mit welcher der "KulturQuartier"-Verein das alte Schauspielhaus beleben möchte. Zwar betont Vereinsvorsitzende Tely Büchner, dass alles noch in der Diskussionsphase sei - doch aus Träumereien und Vorstellungen sind mittlerweile handfeste Pläne geworden; ausgearbeitet vom Architekten Thomas Schmidt.

Elf Jahre hatten Spinnen Zeit, ihre Netze in Garderoben, Technikzimmern und Proberäumen zu weben. Staub bedeckt Bühne und Boden des Theatersaals, auf den Außentreppen wuchert Gras. "Viele Erfurter sind an diesem Ort das erste Mal ins Theater gegangen", sagt Tely Büchner und blickt auf die mit Graffiti beschmierten Außenwände und verbarrikadierten Fenster. "Mit dem Ort sind viele Emotionen verbunden." Seit Eröffnung des Theaters im Brühl im Jahr 2003, nagt der Zahn der Zeit an den Mauern im Klostergang.

Wenn es nach den Vereinsmitgliedern geht, soll sich dies bald ändern. Die Grundidee, Räume für Kultur und Kreativwirtschaft zu schaffen - angereichert mit Gastronomie und einer Bühne für Tanz, Theater und Musik -, sei die gleiche wie beim Konzept zur Nutzung der Defensionskaserne. Allerdings sind die Gebäude kaum miteinander zu vergleichen. Das Objekt gliedert sich in die Villa, errichtet gegen Ende des 19. Jahrhunderts, und den eigentlichen Theatertrakt, der nach dem Zweiten Weltkrieg hinzukam.

Gut die Hälfte der insgesamt 4000 Quadratmeter könnte vermietet oder anderweitig wirtschaftlich genutzt werden. Die Infrastruktur für Bar, Lokal oder Restaurant sei vorhanden. Der Clou der ersten Konzeptidee ist das, was Architekt Schmidt eine "plug-in Regalstruktur" nennt. In den hinteren Bereich der Bühne, so sehen es erste Pläne vor, könnten bis zu 16 Ateliers oder Büros gebaut werden - in Form eines Regals. In die Rückwand des Gebäudes sollen Fensterdurchbrüche den Blick ins Haus ermöglichen - und Tageslicht ins Haus lassen. Ein Teil der Bühne bleibe dennoch nutzbar. Denkbar sei auch, den Zuschauersaal für Feiern und Veranstaltungen zu vermieten.

"Die knappe Geschichte mit der Defensionskaserne war sehr enttäuschend für uns", gibt Tely Büchner zu. Doch ein Ergebnis des Ganzen sei gewesen, dass nun noch mehr Leute sagen: "Wir brauchen in Erfurt mehr Orte für die Kreativwirtschaft." Die Finanzierung betreffend, hält der Verein am Genossenschaftsmodell fest. "Dies sollte beim Schauspielhaus noch besser klappen als es schon bei der Defensionskaserne der Fall war", sagt Büchner. Bis Jahresende möchte der Verein das Konzept ausarbeiten; Gespräche mit der Stadt, dem Gebäude-Eigentümer, laufen bereits.

"Genug geschlafen" schreibt Martin Moll dazu in einem Kommentar:

Noch liegt das Schauspielhaus im Dornröschenschlaf. Gräser wuchern zwischen den Steinplatten, Türen und Fenster sind verrammelt. Es ist schade um den Bau, der lange Zeit kulturelles und intellektuelles Leben der Stadt bündelte. Vor gut hundert Jahren traf sich der Herrenverein "Ressource" zu Gespräch und Geselligkeit – und vielleicht gar zum ein oder anderen Glas Cognac. Sollten Villa und Theater wiederbelebt werden, wird es vielseitiger zugehen in der Klostergasse. Blieben die Herren unter sich, wäre es ein Jammer – und der Kreativität nicht förderlich.

Bevor es soweit ist, muss viel geschehen. Die Nutzung des Hauses steht und fällt mit der Finanzierung. Ob der Verein diese aus eigener Kraft stemmen kann, ist fraglich. Gerade deshalb sollte den einflussreichen Damen und Herren der Stadt viel daran gelegen sein, das KulturQuartier zu unterstützen. Mögen die Musen sie küssen.

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