Das mechanische Puppentheater auf der Krämerbrücke bekommt Gesellschaft

Große Geschichten auf der kleinen Bühne: Das Schneewittchen auf der Krämerbrücke soll einen großen Bruder bekommen. Doch das ist nicht so einfach zu bewerkstelligen.

Feuer und Flamme für das geplante Theatrum Mundi: Bibliotheks-Chef Eberhard Kusber mit dem Modell. Finanziell umgesetzt werden soll es mit Hilfe der Erfurter, die auf den Buchrücken verewigt werden. Foto: Lydia Werner

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Erfurt-Altstadt. Schöpfer dieses Theatrum Mundi ist der Puppenbauer und Bühnenbildner Martin Gobsch, der sich deshalb auch Mechanikus nennt. Im Fenster seiner Werkstatt verlockt das mechanische Puppentheater seit mehr als drei Jahren Touristen und Erfurter zum Hingucken. Mit dem Einwurf einer Münze setzt sich die Szenerie in Gang und erzählt von Schneewittchen und den sieben Zwergen.

Für das bislang eher unscheinbare Schaufenster der Kinder- und Jugendbibliothek in der Marktstraße möchte Martin Gobsch nun ein größeres mechanisches Theater bauen. Es war nicht seine Idee. Woher sie kam, weiß auch Bibliotheksdirektor Eberhard Kusber nicht mehr zu sagen. Dass er aber Feuer und Flamme war, merkt man ihm auch heute noch an, zwei Jahre nachdem er beim Mechanikus höchstselbst angeklopft hat. "Eigentlich habe ich sofort Ja gesagt", erinnert sich Martin Gobsch. Ähnliche Ansinnen aus anderen Städten hatte er abgelehnt. "Aber deren Einsatz wäre meist sehr kommerziell gewesen. Und ich muss das Theatrum Mundi ja warten und die Scheiben putzen können, wenn ich es gebaut habe", begründet er.

Mit nicht einmal fünf Minuten Fußweg zwischen seiner Werkstatt und der Bibliothek im denkmalgeschützten Haus in der Marktstraße 21 sollte das klappen. Als Partner waren die Stadt und der Förderverein der Bibliothek schnell mit ins Boot geholt. Demnächst wird der Kooperationsvertrag unterzeichnet, der alles Rechtliche regelt.

Die Finanzierung ist neben den technischen Details das größere zu bewältigende Problem. Allein die Materialkosten summieren sich auf 10.000 Euro. Und wenn Martin Gobsch drei Jahre daran baut, sind selbst bei anderen Aufträgen zwischendurch 30.000 benötigte Euro nicht zu hoch gegriffen.

Erfurter können sich verewigen

"Antragslyrik ist nicht so mein Ding", begründet er, warum er nicht versucht, verschiedene Fördertöpfe anzuzapfen. Das Geld soll mit Hilfe von Erfurtern auf andere Weise zusammenkommen: Das Bühnenbild vor dem roten Vorhang wird von einem freundlichen Bücherkauz bestimmt, der inmitten von 200 Büchern hockt. Diese wird ein Weimarer Künstler verzieren. Wer sich auf einem Buchrücken als Fantasie-Autor verewigen möchte, muss 100 Euro spenden, für 250 Euro gibt es einen Buchdeckel. Die Nachfrage ist gut angelaufen. Etwa 60 Menschen haben sich ihren ganz persönlichen Platz gesichert. Die ausrangierten Bücher hat das Stöberhaus spendiert.

Wer interessiert ist, kann bei Martin Gobsch in der Werkstatt nachfragen oder sich ein Faltblatt in der Bibliothek am Domplatz beziehungsweise in der Marktstraße besorgen - und Teil des Bühnenbildes werden.

Schon bis Weihnachten dieses Jahres soll ein erster Teil des künftigen mechanischen Teils in dem Schaufenster zu sehen sein. In Betrieb gehen wird es jedoch frühestens 2017, wenn die Bibliothek ihren 150. Geburtstag feiert. Begeistert von den Gesichtszügen der Puppen, die ganz unterschiedliche Charaktere verraten, ist Bibliotheksdirektor Eberhard Kusber. "Und dazu kommt noch die feine Mechanik im Hintergrund, die das Leben in die Szenerie bringt", schwärmt er.

Die Drehbühne wird einen Durchmesser von zwei Metern haben und gedrittelt sein. "Die Odyssee", "Die Nibelungen" und "Der Sommernachtstraum" sind die drei Geschichten, die auf der kleinen Bühne ganz groß erzählt werden. Komplette Handlungen sind nicht unterzubringen. "Einzelne Szenen, die aber in sich verständlich sind, oder Zitate im Spiel können daher ein Anreiz für die Zuschauer sein, das entsprechende Buch in die Hand zu nehmen", sagt Martin Gobsch.

Bild 1: Der Bücherkauz wird die zentrale Figur: Ein mechanisches Theater, größer und komplexer als sein Theatrum Mundi auf der Krämerbrücke, will Martin Gobsch für die Kinder- und Jugendbibliothek in der Marktstraße bauen. Rechtzeitig zum 150. Geburtstag der Bibliothek im Herbst 2015 soll die Drehbühne mit zwei Metern Durchmesser das Schaufenster des Hauses einnehmen. Fotos: Lydia Werner

Bild 2: Feuer und Flamme für das geplante Theatrum Mundi: Bibliotheks-Chef Eberhard Kusber mit dem Modell. Finanziell umgesetzt werden soll es mit Hilfe der Erfurter, die auf den Buchrücken verewigt werden.

Lydia Werner meint: "Das könnte ein Selbstläufer werden."

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