Ein Geniestreich, der Verantwortung verlangt

Das Programm zu "150 Jahre ZUR Bauhaus-Universität Weimar" wurden mit einem Festakt in der Weimarhalle eröffnet.

Mit der zum Logo der Bauhaus-Universität erkorenen eckigen Sprechblase kündigte die "Bauhausmaschine Sextett" die jeweiligen Redner an. Foto: Hamish John Appleby/Universität

Foto: zgt

Weimar. Besonders Weimars Oberbürgermeister Stefan Wolf (SPD) hob Universitäts-Rektor Professor Gerd Zimmermann in seiner Ansprache zum Jubiläum der Bauhaus-Universität hervor, da er "uns immer gewogen ist". Und fügte prompt und verschmitzt lächelnd hinzu: "Muss er auch", schließlich profitiere die Stadt von der Hochschule.

Mit diesem aufgeweckten, für einen Festakt wohltuend unkonventionellen Einstieg eröffnete der Rektor am Freitagvormittag die 150-Jahr-Feier der Hochschule, die sich von der 1860 gegründeten Großherzoglichen Kunstschule über ein Dutzend Namensänderungen bis zur heutigen Bauhaus-Universität gehangelt hatte. Als "Seismograph der Kulturgeschichte" habe sie sich behauptet, wobei in ihrer eigenen Geschichte Fall und Aufstieg stets aneinandergereiht waren. Mit der Behauptung "Avantgarde ist heute" unterstrich Zimmermann seine Botschaft, dass die Universität weiterhin offen für neue Wegen und Technologien sein müsse.

Einer dieser neuen Wege könnte die Erforschung privater Räume in einer öffentlichen Welt sein, formulierte Professor Christoph Stölzl, Präsident der Hochschule für Musik "Franz Liszt", einen Wunsch in seiner Festrede. Dass sich die Hochschule 1996 "Bauhaus-Universität" nannte, wertete er als "Geniestreich, denn darauf muss man erst einmal kommen", und lobte den Mut, sich mit diesem Namen große Schuhe anzuziehen. Vorstellen könne er sich, dass beide Hochschulen in den Bereichen Film und Musik enger zusammenarbeiten, etwa in Form von Videoclips, sagte er unserer Zeitung im Anschluss an den Festakt.

In die Zukunft blickte auch Stefan Wolf in seiner Rede und betonte, die Studenten dabei unterstützen zu wollen, weiterhin der "Jungbrunnen der Stadt" zu sein. Der Wind des Aufschwungs, der mit der Schulgründung 1860 und mit dem Bauhaus ab 1919 durch Weimar fegte, wehe heute aufgrund innovativer Entwicklungen wie dem "Screenhaus.Solar" noch genauso frisch. Auch Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) lobte den Zukunftssinn der Hochschule und ermutigte die Studenten, Kunst und Technik weiterhin als Einheit zu betrachten. Um keine "Gewohnheitstiere" zu werden, sollten sie Erreichtes immer wieder in Frage stellen und einzig eine Gewohnheit beibehalten: den Ideenreichtum zu pflegen.

Ungewöhnlich erwies sich der Festakt auch insofern, als dass nicht Musik die Reden verband, sondern gestaltete Sprache: Bas(tian) Böttcher, Absolvent der Bauhaus-Universität, rappte über "Freiheit2" und Sprachverwirrung und bewies seine eigene Sprachgewandtheit in atemlosen, poetischen Wortketten. Live-Mitschnitte der Beiträge, Tonspuren und Bildfragmente verarbeitete dann die "Bauhausmaschine Sextett" zur audiovisuellen Performance.

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