Elf weitere "Stolpersteine" erinnern an das Schicksal der jüdischen Opfer

Rosel Rothfels wurde nur wenig älter als 13 Jahre. 1942 wurde das junge Mädchen aus Eisenach deportiert ins Ghetto Belzyce und gilt seitdem als verschollen/ermordet. Seit gestern erinnert ein "Stolperstein" vor dem einstigen Wohnhaus der Rothfels am Jakobsplan 7 an das Schicksal von Rosel.

Erinnerung an Familie Großmann: Deren Eisenacher Mitglieder wurden 1942 deportiert und ermordet.

Foto: zgt

Eisenach. Insgesamt verlegte Künstler Gunter Demnig gestern elf neue "Stolpersteine" in Eisenach, der mit seiner Aktion, die es in vielen anderen Städten auch gibt, die jüdischen Opfer des Nazi-Regimes vor dem Vergessen bewahren will.

"Wenn man den Ort, in dem man lebt, richtig verstehen will, muss man seine Geschichte kennen", so Christiane Leischner vom Bündnis gegen Rechtsextremismus, das die Aktion in Eisenach begleitet. Ziel sei es, die "Opfer aus der Anonymität zu holen, ihnen die Namen zurück zu geben". Jeder Stein symbolisiere ein Menschenleben, so Leischner, und werde so zu einem "Zeichen gegen das Vergessen". Sie erinnerte daran, dass das Grauen für diese Opfer nicht erst in den Lagern begann, sondern "in ihrer Nachbarschaft, mitten in der Gesellschaft".

Auch Oberbürgermeister Matthias Doht findet es "gut, dass wir wieder an die Eisenacher Mitbürger erinnern, die in der Nazi-Zeit deportiert und umgebracht wurden". So erhielten die Opfer ihre Identität zurück. "Ihr Leben und Sterben steht für die zahllosen Opfer des NS-Regimes", so Doht. Für Regionalbischof Werneburg geht von den Stolpersteinen noch eine weitere Botschaft aus: "Nutzt aus den Steinen, die wir uns gegenseitig täglich in den Weg legen, lieber um Brücken zueinander zu bauen".

Patenschaften

Im vergangenen Jahr wurden in Eisenach zum Start der Aktion 13 Stolpersteine an den einstigen Wohn- oder Arbeitsstätten von damals ermordeten jüdischen Eisenacher Bürgern verlegt, gestern kamen elf weitere hinzu. Diese wurden von Paten finanziert. Die Paten der elf "Stolpersteine" sind in diesem Jahr: Dr. Reinhold Brunner, Volkmar Kabisch, Sascha Schorr, Ralf Pollmeier, Heiko Röscher, Erika Hermanns, Christa Boy, Kunstverein Eisenach e.V., Richard Janus, Carsten Meyer und der Steinmetz Betrieb Schuchardt.

Die neuen "Stolpersteine" wurden an sechs Orten verlegt: Karlstraße 6 (in Erinnerung an Jenny, Friederike, Bernhard und Berthold Großmann), Goethestraße 27 (Lotte Schloß), Karlstraße 34 (Fritz Cohn), Goethestraße 29 (Clara Sittemann) und Jakobsplan 7 Rosel, Else und Werner Rothfels sowie Julius Rothfeld).

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