Faszinierende Kunstschrift in der Zeitung

Mit der Ausstellung „Die Bibliothek der unlesbaren Zeichen“ in der Bibliothek der Bauhaus-Universität Weimar ermöglichen das Kunstfest Weimar und die Universitätsbibliothek einen ganz neuen Blick auf die Fragen, die mit Text und Schriftlichkeit zu tun haben.

TLZ-Leser können sich dieses Werk von Axel Malik signieren lassen.

TLZ-Leser können sich dieses Werk von Axel Malik signieren lassen.

Foto: TLZ

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Die Ausstellung

Bibliotheken sind in einer jahrtausendealten Tradition der Ort, an dem Schriftträger – seien es Papyrusrollen, Tonscherben oder auf Papier gedruckte Bücher – ihr Zuhause haben. In der Weimarer Universitätsbibliothek mit ihrer besonderen Architektur setzt der Berliner Künstler Axel Malik den lesbaren Zeichen der Bücher seine ganz anderen Texte gegenüber. Mit Zeichen-Interventionen auf allen Ebenen der Bibliothek eröffnet er ungewöhnliche und einzigartige Perspektiven auf Schrift, Lesen und Schreiben.

Die Ausstellung ist bis zum 17. November in den Räumen der Bibliothek zu den normalen Öffnungszeiten zu sehen. Der Eintritt in Bibliothek und Ausstellung ist frei. – Das Kunstfest und die Universitätsbibliothek danken der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und der Sparkasse Mittelthüringen für ihre Unterstützung des Projekts.

Kooperation mit dem Goethe- und Schiller-Archiv

Als weiterer Kooperationspartner der Ausstellung tritt das Weimarer Goethe- und Schiller-Archiv in Erscheinung. Der Ausgangspunkt für diese Kooperation besteht in einigen Blättern im Goethe‘schen Nachlass, in denen Goethe sich – im Umkreis der Arbeiten an der Gedichtsammlung „West-östlicher Divan“ – an arabische und persische Schriftzeichen angenähert hat. Die Reproduktion eines solchen Blattes stellt für Axel Malik schon seit mehr als 20 Jahren eine Inspirationsquelle dar.

In der Universitätsbibliothek wird eine ganze Reihe von hochwertigen Reproduktionen dieser handschriftlichen Blätter Goethes aus den Jahren 1815 und 1816 gezeigt. Direkt vis-à-vis hängen Arbeiten Axel Maliks, die auf die Blätter Goethes Bezug nehmen. Einen ganz besonderen Akzent kann die Ausstellung dadurch setzen, dass auch im Goethe- und Schiller-Archiv Wandflächen für die großformatigen Arbeiten Axel Maliks zur Verfügung gestellt werden. Auch da, wo die bedeutenden Dichternachlässe archiviert sind, bearbeitet und erforscht werden, ist also ebenfalls ab morgen ein Dialog mit der Gegenwartskunst möglich.

Die Eröffnung

Bei der Ausstellungseröffnung am 20. August um 11 Uhr im Audimax der Bauhaus-Universität Weimar (Steubenstr. 6) wird der Kulturwissenschaftler und Philosoph Joseph Vogl in seinem Vortrag auf die Installation reagieren, während der Künstler selbst in einer Schreibperformance anschließend erlebbar machen wird, mit welcher Intensität sich die Zeichen aus dem Nichts heraus artikulieren können. Das wird reichlich Gelegenheit bieten, um über Bibliothek und Kunst ins Gespräch zu kommen.

Der TLZ hat Axel Malik versprochen, wenn Leser diese Kultur-Seite zur Vernissage mitbringen, ist er gerne bereit, diese handschriftlich zu signieren und mit einem roten Kunststempel, einem Lesezeichen, zu versehen.

Der Künstler

Seit 1989 schreibt Axel Malik täglich, zunächst in Tagebüchern, dann auch auf Leinwände. Millionen von komplexen, zeichenartigen Schreibspuren, erfasst in mehr als 100 Bänden mit insgesamt über 30 000 Seiten sowie auf großformatigen Leinwänden, dokumentieren ein Projekt, das Malik selber als „skripturale Methode“ bezeichnet. Lesbar ist das nicht, jedenfalls nicht im herkömmlichen Sinn. Die Schriftzeichen haben keinerlei Bezugspunkt, sind nicht Symbol, beruhen auf keinem Code, haben keinen Verweis- oder Hinweischarakter. Merkwürdig und auffällig: Keines der Zeichen kommt zweimal vor, jedes ist eine individuelle, unverwechselbare und einzigartige Setzung.

In der Summe formatieren sie einen unlesbaren Text, der semantisch leer ist und gleichzeitig eine differenzierte strukturelle Sprache erzeugt. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit bilden Installationen in Bibliotheken, bei denen er auf die jeweiligen architektonischen Eigenheiten und Atmosphären eingeht. Eine viel beachtete Installation fand 2015 in der Philologischen Bibliothek der Freien Universität Berlin statt.

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