Helga Schotte hat das „Heiligenstädter Palmsonntagsschachtel-Museum“ eröffnet

Heiligenstadt  Die Palmsonntagsschachteln sind eine Besonderheit von Heiligenstadt. Seit vielen Jahren schon bemalt Helga Schotte als Hobby Palmsonntagsschachteln und verziert vielerlei Gegenstände mit Bauernmalerei. Jetzt präsentiert sie in einem Ausstellungsraum eine Auswahl ihrer Werke – und auch über 100 Jahre alte Palmsonntagsschachteln.

Helga Schotte hat in ihrem Haus Heimenstein 13 das „Heiligenstädter Palmsonntagsschachtel-Museum“ eingerichtet Foto: Jürgen Backhaus

Helga Schotte hat in ihrem Haus Heimenstein 13 das „Heiligenstädter Palmsonntagsschachtel-Museum“ eingerichtet Foto: Jürgen Backhaus

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Im Haus von Familie Schotte im Heiligenstädter Heimenstein gibt es fast keine Ecke, in der nicht irgend ein kunstvoll bemalter Gegenstand aus Holz zu sehen ist. Das können Kerzenständer sein, Spielzeug, Puppenstuben, Truhen, Briefschachteln oder Möbelstücke bis hin zum großen Kleiderschrank. Es sind Produkte des Hobbys, dem sich Helga Schotte seit Jahrzehnten mit Leidenschaft verschrieben hat: der Bauernmalerei. Zwei ganz eigene Sparten sind dabei filigran gestaltete Ostereier und die nur aus Heiligenstadt bekannten Palmsonntagsschachteln mit verschiedensten Motiven von Blumen über das Osterlamm bis hin zur Lutherrose.

Die Lutherrose malt sie seit 2001, als erstmals auch die evangelischen Christen offiziell zur Palmsonntagprozession eingeladen waren. Und das Osterlamm war viele Jahre vorher erstmals auf Wunsch eines Heiligenstädters auf einer Schachtel aufgetaucht, die er dann Bischof Meisner schenkte. Als der später Kardinal war, bekam er eine zweite, weil er die erste weiterverschenkt hatte an Kardinal Ratzinger, den späteren Papst Benedikt XVI.

Früher war es in Heiligenstadt Brauch, dass Burschen und Ehemänner am Palmsonntag, dem Tag der großen Leidensprozession eine Woche vor Ostern, ihrer Liebsten eine mit Süßigkeiten gefüllte, liebevoll bemalte Schachtel schenkten. Der Brauch war bis in die ersten Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg sehr lebendig gewesen. Aber dann seien die Vorräte an Spanschachteln erschöpft gewesen, sagt Helga Schotte. Zu DDR-Zeiten war sie froh, wenn sie mal eine Dreierpackung Bastel-Spanschachteln von Vero für 7,50 Mark ergatterte. Die Farben ließ sie sich damals aus Österreich kommen, wasser- und lichtbeständige Farben, die nicht altern.

Bis zur Geburt ihres dritten Kindes hatte die gelernte Industriekauffrau in ihrem Beruf gearbeitet und sich dann der Familie, dem Haus und ihrem Hobby gewidmet.

Jetzt hat die 77-Jährige einen Raum fertig eingerichtet, in dem sie zahlreiche Palmsonntagsschachteln, Ostereier und weitere Bauernmalerei-Kunstwerke aus ihrer Hand präsentiert. Dieser Raum ist das „Heiligenstädter Palmsonntagsschachtel-Museum“. In einer Vitrine präsentiert sie mehr als zehn historische Schachteln, die um das Jahr 1910 bemalt wurden. Dass sie alle aus einer Hand sind, dafür spricht der Stil, und dass jeweils hinter der Widmung ein Punkt steht – zum Beispiel: Wohl ist mir nur bei Dir. Ich liebe Dich. Aus Liebe. Zu sehen ist auch ein große alte Schachtel, deren Bemalung ziemlich abgegriffen ist. Vermutlich gehörte sie einst einem Süßwarenhändler, der sie selbst mit einfachen Farben bemalt hatte.

Auch die meisten der von ihr bemalten Schachteln, darunter die von einem Tischler eigens hergestellte, mit 85 mal 120 Zentimetern allergrößte, sind unverkäuflich. Aber sie hält auch noch fertige Schachteln zum Verkauf bereit.

Helga Schotte engagiert sich nicht nur mit ihren Palmsonntagsschachteln, die sie zum Teil selber verschenkt oder speziell am Palmsonntag im Heimenstein anbietet, für den Erhalt der Tradition, solche Schachteln als Zeichen der Zuneigung oder Freundschaft zu verschenken. Sie hat Kunden, die schon seit vielen Jahren jeweils am Palmsonntag eine Schachtel bei ihr erwerben. Ihres Wissens ist sie heute die einzige, die noch Palmsonntagsschachteln bemalt.

Die Heimensteinerin hat auch die Möbelbörse und die Organisatoren des jährlichen Ugandabasars gebeten, ihr jede Palmsonntagsschachtel zu geben, auf die sie stoßen. Und seit Jahren kommt donnerstags und auch zu anderen Zeiten die Heiligenstädter Nachtwächterin im Rahmen der Stadtführung mit Gästen zu ihr.

Helga Schotte weist darauf hin, dass leider der Flur des Wohnhauses, den sie gern zur Ausstellung hinzu nehmen würde, zurzeit eine Baustelle ist. Hier musste die Wand zum seit Jahren unbewohnten Nachbarhaus wegen Hausschwammbefalls vor zwei Jahren entfernt und mit Stützen abgefangen werden. Zur Sanierung seien noch Fragen im Zusammenhang mit dem Nachbarhaus zu klären, berichtet Helga Schotte.

l Jeweils montags von 14 bis 15 Uhr kann das Palmsonntagsschachtel-Museum im Heimenstein 13 besucht werden – zu anderen Zeiten nach Absprache unter Tel. (03606) 61 93 90.

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