Liedtexter Jürgen Degenhardt erliegt seinem Krebsleiden

Frank Karmeyer
| Lesedauer: 3 Minuten
Jürgen Degenhardt in seiner Wohnung am Hopfenberg: Ein Foto von dem Liedtexter , Regisseur und Buchautor, das vor vier Jahren zu seinem 80 . Geburtstag entstand. Degenhardt ist am Freitag verstorben, er erlag seinem Krebsleiden. Foto: Maik Ehrlich

Jürgen Degenhardt in seiner Wohnung am Hopfenberg: Ein Foto von dem Liedtexter , Regisseur und Buchautor, das vor vier Jahren zu seinem 80 . Geburtstag entstand. Degenhardt ist am Freitag verstorben, er erlag seinem Krebsleiden. Foto: Maik Ehrlich

Foto: zgt

Mit dem Musical "Mein Freund Bunbury" schrieb er Theatergeschichte. Nun ist der mehrfach preisgekrönte Liedtexter, Schauspieler, Regisseur, Buchautor und Rundfunkmoderator gestorben. Ein Nachruf.

Erfurt. Jürgen Degenhardt ist tot: Der mehrfach preisgekrönte Liedtexter, Schauspieler, Regisseur, Buchautor und Rundfunkmoderator, der als einer der erfolgreichsten deutschen Musical-Autoren gilt, starb am Freitag an einem Krebsleiden. Degenhardt wäre im Oktober 84 geworden.

Seiner Feder entstammten 13 Musicals und mehr als 200 Schlagertitel. "Die Rose war rot", 1966 gesungen von Gerry Wolf, zählt zu seinen größten Hits. Die Musik schrieb Gerd Natschinski, von dem Erfurter Jürgen Degenhardt stammt der Text. Sogar der berühmte französische Chansonnier Charles Aznavour soll an dem Lied starkes Interesse gehabt haben. "Dann wäre es wahrscheinlich ein Welthit geworden", bedauerte Degenhardt in einem Gespräch zu seinem 80. Geburtstag, dass die Plattenfirma Amiga blockte und die Zusammenarbeit aus rechtlichen Gründen nicht zustande kam.

Sein Musical "Mein Freund Bunbury" (1964 zusammen mit Helmut Bez, Musik erneut von Gerd Natschinski) ging in die Theatergeschichte ein. Im September 1962 hatte er auf einer Erfurter Parkbank die erste Idee dazu.

Kultstatus erreichten auch die Musikfilme "Heißer Sommer" mit Frank Schöbel und Chris Doerk sowie "Der Mann, der nach der Oma kam" mit Winfried Glatzeder und Rolf Herricht. Degenhardt wurde 1930 in Dresden geboren, doch seine Eltern kehrten schon zwei Jahre später nach Erfurt zurück. Hier wuchs er auf, besuchte von 1941 bis 1949 das Realgymnasium Zur Himmelspforte. Seinen Schulfreund Helmut Bez, der später auch beruflich sein Mitstreiter wurde, kannte er schon seit 1940.

Gemeinsam mit Freunden fing Degenhardt auf einem Dachboden in der Goethestraße an, für Mitschüler und Bekannte Theater zu spielen. "Nicht aus Überzeugung", sondern weil er in der Öffentlichkeit auftreten wollte, wurde er FDJ-Mitglied, betonte er. Das funktionierte dann auch im Kaisersaal, Stadtgarten und Tivoli, drei Jahre später trat er wieder aus.

Es folgte das Schauspielstudium in Berlin, 1952 wurde er Schauspieler und Regieassistent am Deutschen Theater. Ab 1955 führte er in Adlershof etwa 75 Mal Regie bei der beliebten Kindersendung "Meister Nadelöhr". Bis 1988 pendelte er zwischen seien Wohnsitzen in Berlin und Erfurt. Auch mit dem hiesigen Theater war er eng verbunden, nicht nur deshalb, weil er die erfolgreiche Opern- und Operettensoubrette Gisela Galander heiratete. Auf der Erfurter Bühne kamen seine Operette "Die schwarze Perle" (1962) und die Musicals "Prinz von Preußen" (1978) oder "Ein Fall für Sherlock Holmes (1982) zur Uraufführung., die Liste der Werke aus seiner Feder ist lang.

1993 hatte er noch einmal ein Luther-Stück in Wittenberg aufgelegt - "Martin oder die Gerechtigkeit Gottes" - doch es war seine letzte Uraufführung.

Bild 1: Jürgen Degenhardt in seiner Wohnung am Hopfenberg: Ein Foto von dem Liedtexter , Regisseur und Buchautor, das vor vier Jahren zu seinem 80 . Geburtstag entstand. Degenhardt ist am Freitag verstorben, er erlag seinem Krebsleiden. Foto: Maik Ehrlich