Pinfolds Bildgeschichte ist eine Parabel für Kinder

Was zunächst wie ein modernes Märchen anmutet, gibt sich auf den zweiten Blick als gelungene Parabel auf das Fürchten zu erkennen. "Der schwarze Hund" ist das zweite Bilderbuch des englischen Illustrators Levi Pinfold, in dessen Haus in Cornwall es, so Pinfold, spukt. Nicola T. Stuart hat die "Fürchte-dich-nicht"-Geschichte jetzt ins Deutsche übersetzt.

Foto: zgt

Da steht eine viktorianisch-disneygleiche Villa einsam im englischen Winterwald. Bewohnt wird sie von der Familie Hoop. An diesem Morgen ist es Herr Hoop, der, noch mit gelbem Morgenmantel und roter Nachtmütze bekleidet, als erster aus dem Fenster schaut. Doch was muss er sehen? Im Schnee steht ein schwarzer Hund, groß wie ein indischer Tiger. Herr Hoop ruft umgehend die Polizei an, die ihm freilich nur raten kann, das Haus nicht zu verlassen. Frau Hoop lässt ihre Teetasse fallen, als sie sieht, dass das Tier schon die Ausmaße eines Elefanten angenommen hat. Als Tochter Adelina beim Zähneputzen auf ihn aufmerksam wird, kann der Hund bereits in das Badezimmerfenster in der ersten Etage schauen. Und wer wollte Moritz Hoops Erschrecken nicht verstehen, als er - der sein Zimmer unterm Dach der Villa hat - die Augen öffnet und in das bernsteinfarbene Auge des Riesenhundes blickt.

Die Familie versteckt sich erst unter einer Decke, dann errichtet sie Möbelbarrikaden im Haus. Klein, das jüngste Kind der Hoops, kann die Aufregung gar nicht verstehen. Anstatt sich, wie die anderen Familienmitglieder, einen Kochtopf als Helm aufzusetzen, tritt sie, schön eingemummelt, vor die Tür. In ihrem gelben Wintermantel sieht das Mädchen aus wie das Ei Humpty Dumpty aus dem Trickfilm "Der gestiefelte Kater", der im letzten Jahr in den Kinos zu sehen war. Der schwarze Hund ist inzwischen sogar auf die Größe eines Dinosauriers gewachsen. Mutig tritt Klein vor das zottige Tier und lässt sich von ihm durch die Winterwelt jagen. Mit kecken Sprüchen stachelt sie den Vierbeiner an: "Du kannst nicht folgen, wohin ich gehe, / außer du schrumpfst in meiner Nähe." Und so geht es durch den Wald, über den zugefrorenen Fluss und den Spielplatz zurück zum Anwesen der Hoops. "Warum sie sich verstecken, kriegst du raus, / wenn du mir folgst zu uns ins Haus", ruft Klein und schlüpft durch die Katzenklappe. Und, da schau her: Der schwarze Hund passt nicht nur durch die kleine Pforte, sondern auch unter die Waschschüssel, die Klein über ihn stülpt. Dann stellt sie ihrer verängstigten Familie den großen Hund vor, die feststellt, dass er ein lieber Geselle ist.

Die ganzseitigen Illustrationen sind so herrlich detailverliebt gestaltet, wie man es sonst vor allem von Weihnachtskalendern kennt. Auf jeder Innenansicht des Hauses versteckt sich auch eine kleine grüne Krake. Wer sie entdeckt, kann behaupten, ein ganz genauer Beobachter zu sein.

Levi Pinfold: Der schwarze Hund. Aus dem Englischen von Nicola T. Stuart. Verlagshaus Jacoby & Stuart, Berlin, ab 4 Jahren, 12,95 Euro