Lyriker Werner Söllner: Literarisch eng mit Thüringen verbunden

Frank Quilitzsch
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Werner Söllner

Werner Söllner

Foto: Archiv

Weimar  Zum Tod des Lyrikers Werner Söllner.

Die Nachricht hat die Thüringer Literaturszene erschüttert: Wie erst jetzt bekannt wurde, ist der rumänien-deutsche Dichter Werner Söllner nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 67 Jahren gestorben. Der im Banat geborene Söllner war 1982 in die Bundesrepublik Deutschland ausgereist und gehörte mit Herta Müller, Oskar Pastior, Richard Wagner und Franz Hodjak zu den bekanntesten rumänischstämmigen Vertretern moderner deutscher Lyrik.

Besonders zu Thüringen pflegte der in Frankfurt am Main lebende Autor vielfältige und enge Beziehungen – etwa zu seinen Kollegen Wulf Kirsten und Annerose Kirchner sowie einigen Vertretern der jüngeren hiesigen Dichtergeneration wie Nancy Hünger, Jan Volker Röhnert, Daniela Danz oder Peter Neumann. Im vergangenen Jahr hatte er noch in Erfurt und Jena aus seinen Werken gelesen.

Werner Söllner habe großen Anteil daran, „dass die rumänische Literatur Anschluss an die deutsche Moderne gefunden hat“, lobt der Weimarer Wulf Kirsten. Vor allem mit seinen Bänden „Der Schlaf des Trommlers“ (1992) und „Knochenmusik“ (2015) befinde er sich auf Augenhöhe mit den wichtigsten Gegenwartslyrikern Deutschlands.

„Söllners lyrische Sprache ist schlicht im besten Wortsinne, er ist nicht auf das Spektakuläre aus, seine Metaphern sind frei von Pathos, nahe der Alltagssprache“, würdigt Martin Straub in seinem Nachruf auf der Website des Thüringer Lese-Zeichen-Vereins. Dort zitiert er auch aus einem Gedicht Söllners, mit dem der Dichter auf seine Verstrickung mit dem rumänischen Geheimdienst Securitate eingeht: „Jede Nacht, pünktlich / um drei, weckt mich / die Wahrheit / und ich erschrecke / davor, liege schlaflos im Dunkeln / und frage: ist es meine Wahrheit, vor der / ich erschrecke, oder ist es / die Wahrheit der anderen? / Und welche / von beiden ist schlimmer?“

Söllner hatte mehrfach harte persönliche Schicksalsschläge verkraften müssen. Texte von ihm fanden Eingang in Thüringer Anthologien. So hat er auch das 2011 von Lese-Zeichen herausgegebene Künstlerbuch „Mehrfachbelichtung. Rumänische Erkundungen“ mit vier Gedichten bereichert.