Eisenacher Opernsänger Günter Köbrich verabschiedet sich

Nach wie vor besitzt der Eisenacher Opernsänger Günter Köbrich eine äußerst treue Fangemeinde. Der fast 85-jährige Gesangskünstler füllt noch immer problemlos große Konzertsäle.

Mit minutenlangem Vorschussapplaus begrüßten die knapp 70 Gäste Günter Köbrich zum Benefizkonzert zugunsten des Thüringer Museums in Eisenach. Foto: Norman Meißner

Mit minutenlangem Vorschussapplaus begrüßten die knapp 70 Gäste Günter Köbrich zum Benefizkonzert zugunsten des Thüringer Museums in Eisenach. Foto: Norman Meißner

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Eisenach. Am Nachmittag des 13. Dezember 2014 war der Wagnersaal im Stadtschloss zu seinem traditionellen Weihnachtskonzert restlos belegt. Während der "Wagneriana in Eisenach" im Vorjahr erhielt der Saal diesen Beinamen. So freute es den früheren Wagner-Tenor umso mehr, dass er auf einem Flügel begleitet wurde, an dem schon Richard Wagner das Ohr von so manchem Musikliebhaber verwöhnte und selbst so manche Komposition entsann. "Wir haben das Konzert hierher verlegt, damit die Konzertbesucher auch einen Blick für unsere neue Wagner-Ausstellung ,Tristan und Mathilde‘ haben", führte Eisenachs Kulturdezernentin Dorothea Hegele die Gäste ein.

Seine über Thüringen hinaus reichende Beliebtheit bereitet dem gefeierten Opernsänger zusätzlich Arbeit: Günter Köbrich konnte es nur schwerlich ertragen, dass seine treue Fangemeinde scharenweise nach Hause geschickt werden musste. Die potenziellen Besucher seines Jahresabschiedskonzerts will er nicht vergraulen. Und so wiederholt Günter Köbrich am bevorstehenden Sonnabend, 20. Dezember, 15 Uhr, seinen weihnachtlichen Reigen aus Liedern und Gedichten am selben Ort.

Im Vergleich zu seinem Weihnachtskonzert 2013, das im Marstall des Stadtschlosses die Besucher erfreute, variierte er sein äußerst breit gefächertes Programm aus heiteren und besinnlichen Weihnachtsweisen, das auch diesmal von Dagmar Linz am Wagner-Flügel genussvoll begleitet wurde. Und so brachte der Opernsänger unter anderem "Ich steh an deiner Krippen hier" aus dem Weihnachtsoratorium des großen Eisenacher Musikersohns Johann Sebastian Bach mit dem Text von Paul Gerhardt zu Gehör.

Auch das schönste Weihnachtslied der DDR, "Sind die Lichter angezündet", das Hans Sandig aus dem Gedicht "Weihnachtsfreude" von Erika Engel-Wojahn schuf, ließ Köbrich würdevoll erklingen; ebenso souverän gab er ein schlesisches Weihnachtslied sowie eins in Mundart seiner vogtländischen Heimat.

Trotz des hohen Alters büßte die Farbe seiner Stimme in all den Jahren keinen Schimmer ein; noch immer ist sie markant, kräftig, stark, energiegeladen und voller Tatendrang. Und so beeindruckte der Opernsänger unter anderem mit hinreißenden Rezitationen der Gedichte "Weihnachten" von Joseph von Eichendorff, "Knecht Ruprecht" von Theodor Storm und "Advent" von Rainer Maria Rilke. Seine teils schelmische bis freudvolle Wiedergabe, die perfekte Akzentuierung seiner Stimme sowie seine charmante Art machten diese Zeilen ebenfalls zu einem gleichermaßen humorvollen wie nachdenklichen Hörgenuss und ließen so manchen der fast 70 Zuhörer immer wieder schmunzeln.

Seine treuen Konzertbesucher, von denen er sich nach der Aufführung fast bei jedem persönlich verabschiedete, honorierten die Ausführungen mit tosendem Beifall. Der Pensionär, der bis vor gut 20 Jahren noch ein Engagement am Landestheater in Eisenach hatte und in der gesamten DDR umjubelte Erfolge feierte, fand bereits einen würdigen Nachfolger, der durchaus in seine Fußstapfen treten könnte. "Mein Weihnachtskonzert im vorigen Jahr besuchte ein Bub‘, der von meinem Gesang so begeistert war, dass er fortan seine Eltern nur noch singend ansprach", schmunzelt Köbrich. Von dieser Episode so gerührt, gewährte der Opernsänger natürlich dem achtjährigen Julius Reuter aus Eisenach einen Gastauftritt. Der Nachwuchstenor heimste nicht minder viel Beifall ein. Mit schallendem Gelächter wurde zudem seine köstliche Gedichtrezitation zu ungewöhnlichen Verstecken für Weihnachtsgeschenke honoriert.

Günter Köbrich kam in den ersten Januartagen des Jahres 1930 in Gefell zur Welt. Zunächst studierte er in Erfurt, Weimar und Berlin Gesang, bevor er an das Zeitzer Theater kam. Über die Stationen Altenburg, Magdeburg und Greifswald gelangte der Wagnertenor letztlich an das Eisenacher Landestheater.

Bonuskonzert mit Günter Köbrich am Samstag, 20. Dezember, 15 Uhr, im Stadtschloss

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