Kahlaer „Rhythmics“ spielen erstmals in Erfurt

Altstadt  Sixties-Sound mit dreistimmigem Satzgesang – bei der „Beat-Nacht im Kaisersaal wird die Band in diesem Jahr auftreten. Ein einmaliges Erlebnis.

Erstmals in Erfurt auf einer Bühne zu erleben sind am 2. April bei der „Beatnacht“ die Rhythmics aus Kahla. Helmut Anske (links) hat die Band 1964 mit gegründet. Foto: privat

Erstmals in Erfurt auf einer Bühne zu erleben sind am 2. April bei der „Beatnacht“ die Rhythmics aus Kahla. Helmut Anske (links) hat die Band 1964 mit gegründet. Foto: privat

Foto: zgt

Die Zeiten, an denen man an jedem Wochenende auf Achse war, sind definitiv vorbei, bestätigt Helmut Anske. Er ist der letzte noch Aktive der einstigen „Rhythmusgruppe des Kreisensembles Jena-Land“. Unter diesem Namen hat er 1964 angefangen, Musik zu machen. Damals wurden in Kahla ein „Ensemble junger Talente“ zusammengestellt, eine bunte Mischung aus Zauberkünstlern, Akrobaten, Musikern und Sängern. Es wurde versucht, die (Freie Deutsche) Jugend in Arbeitsgemeinschaften zu beschäftigen und sie damit unter Kontrolle zu halten.

Was allerdings nur selten gelang. Denn aus der Rhythmusgruppe um Helmut Anske wurden 1966 die „Rhythmics“, eine Beat-Band, die genau das spielte, was die Jugend hören wollte. Sie schaffte es bei der kulturellen Einstufung damals bis zur Sonderstufe. Pro Gig am Wochenende bedeutete dies für die Musiker 400 Mark Gage. Die allerdings sehr hart verdient werden mussten.

1982 wurde die Kahlaer Band von der Zeitung „Junge Welt“ zum beliebtesten Ensemble der DDR gewählt, sie durften mit ihrem Hit „Wir schweigen nicht“ in der Jugendsendung „Rund“ auftreten und wurden auf dem Amiga-Sampler „Auf dem Weg Nr. 4“ sogar in Vinyl verewigt. Bescheidene Erfolge, die für eine Band aus Ostthüringen aber viel bedeuteten. Immerhin hat man sich gegen die Übermacht aus der Hauptstadt durchgesetzt – und dies ohne sich zu verbiegen.

Die „Rhythmics“ waren in ganz Thüringen, in den einstigen Bezirken Gera, Erfurt und Suhl und darüber hinaus auf Achse. In Erfurt hatten sie bisher aber noch nie gespielt. „Dort gab es eine eigene Szene, da war es ganz schwer, irgendwo einen Auftritt zu bekommen“, erinnert sich Anske. Was damals nicht möglich war, wird in diesem Jahr allerdings nachgeholt. Bei der „Beat-Nacht“ im Kaisersaal werden am 2. April erstmals auch die nach der Wende neu gegründeten „Rhythmics“ auf der Bühne stehen. Bei denen mit Helmut Anske jetzt nur noch ein Gründungsmitglied mitmischt. „Ich bin das letzte Urgestein, dass inzwischen allerdings auch etwas kürzer treten muss“, gesteht er. Statt 40 Auftritte pro Jahr sind jetzt, nach einer überstandenen Krankheit, nur noch die Hälfte möglich. Und der Auftritt in Erfurt sei in diesem Jahr für ihn dabei der wichtigste. Er verspricht den Erfurtern nicht nur den Live-Sound der alten Hits, sondern auch zwei- bis dreistimmigen Satzgesang, der zahlreiche Hits der Beat-Ära prägte.

Neben den „Rhythmics“ erwartet Moderator Big George am Samstag, 2. April, die Bands Tumbling Dice, Havana Moon, die Golden Sixties Band und Westend. Beginn ist 20 Uhr. Karten gibt es in der Tourist-Info am Benediktsplatz und im Kaisersaal. Restkarten an der Abendkasse.

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