„Orient und Okzident sind nicht mehr zu trennen“

Jena  Matinee zum „West-östlichen Diwan-Festival“ in der Jenaer Rathausdiele: ein deutsch-iranisches Doppelkonzert.

Das „Trio Divertimento“: Martin Hess, Frank Ilzig und Christoph Hilpert. Foto: Klaus Gallas

Das „Trio Divertimento“: Martin Hess, Frank Ilzig und Christoph Hilpert. Foto: Klaus Gallas

Foto: zgt

Es sind die Liebe zum Orient und das Wissen um die Jahrtausende alte persische Kultur, die den Architektur- und Kulturhistoriker Klaus Gallas stets antreiben. Gallas wandelt zwischen Welten und Zeiten: Iran, Syrien, Marokko, Armenien oder Usbekistan – Gallas lernte die Länder und die Menschen kennen und legt sein Fokus stets auf das Verbindende in der Vergangenheit und der Gegenwart. Sein Ziel ist der interkulturelle und interreligiöse Dialog. Um Berührungsängste, Vorurteile und Ignoranz aufzudecken und Annäherung zwischen Menschen unterschiedlicher Kulturkreise zu fördern, gründete er im Jahr 2008 das Weimarer Festival „West-östlichen Diwan“.

Jedes Jahr, wenn „Nowuz“, das persische Neujahrsfest, begangen wird und in Deutschland des Geburtstags von Johann Sebastian Bach gedacht wird, führt Gallas die Kulturen zu einem musikalischen Treffen zusammen. So kann man immer am 20. und 21. März in Weimar hören, wie Orient und Okzident sich in einer gemeinsamen Klangwelt verbinden. Nun wird der „West-östliche Diwan“ zum ersten Mal auch nach Jena kommen: Am Sonntag treffen in der Rathausdiele das „Trio Divertimento“, bestehend aus Mitgliedern der Jenaer Philharmonie, und die iranische Musikgruppe „Hesar“ in einem deutsch-iranischen Doppelkonzert zusammen.

Eröffnet wird das Konzert vom „Trio Divertimento“. Die Musiker haben sich bei der Stückauswahl für Max Reger entschieden, dessen 100. Todestag 2016 begangen wird. „Seine Werke gelten als sehr komplex“, sagt Violinist Christoph Hilpert. Im Jahr 1905 schrieb Reger das Streichtrio op. 77b. „Es klingen Einflüsse von Brahms und Bach heraus. Der zweite Satz ist hochromantisch, und im Finalsatz werden Finalsätze von Mozart und Heyden imitiert.“ Dann folgen Adagio und Fuge von Bach – ein Orgelstück, das von Mozart für Streichtrio überarbeitet wurde. Hilpert wird außerdem eine Solosonate von Max Reger zu Gehör bringen. „Eine enorme Herausforderung“, wie er sagt.

Dass die iranische Gruppe „Hesar“ mit Sängerin Mozhdeh Bahrami anreist, ist nicht selbstverständlich. Frauen ist es im Iran nur unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt, zu singen. Die schöne Iranerin reist mit fünf weiteren Musikern an. Sie spielen traditionelle Musik auf Instrumenten wie Tar und Tombak. Die Gruppe kommt extra für das „West-östliche-Diwan-Festival“ nach Deutschland. Sie alle stammen aus der Wüstenstadt Yazd, die als eine der schönsten Städte des Irans gilt. Ihr Wunsch war es, so viel wie möglich mit den Jenaer Musikern gemeinsam zu spielen. So lassen die deutschen und die iranischen Musiker unter anderem die Hymne „Ey Iran“ und die altpersische Nationalhymne „Vatanam“ gemeinsam erklingen.

Der kulturelle Austausch ist nichts Neues – doch es ist etwas, das stets weitergeführt und erneuert werden muss. Goethe war ein Bewunderer des persischen Dichters Hafiz und schrieb: „Wer sich selbst und andre kennt, wird auch hier erkennen, Orient und Okzident sind nicht mehr zu trennen.“ Der Kulturhistoriker Klaus Gallas sieht die Trennung jedoch durchaus und will allen derzeitigen Widerständen zum Trotz die Kulturen und Religionen mit seinem interkulturellen Musik-Festival weiter verbinden.

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